Afrika-Preis 2010 geht an Martin Obermayr

Beitrag “Gänsehaut im Gesicht“ gewinnt mit deutlichem Vorsprung Burgstaller: Verantwortungsvolle Rolle von Journalisten

Salzburger Landeskorrespondenz, 11.05.2010
 

(LK)  Der freie Wiener Journalist Martin Obermayr gewinnt den Afrika-Preis 2010 für österreichische Journalisten. Der Afrika-Preis wurde von der Nachrichtenagentur afrika.info (www.afrika.info) anlässlich der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika initiiert, um eine ausgewogene Berichterstattung über den Kontinent zu motivieren. Heute, Dienstag, 11. Mai, fand die Verleihung im Afro Café in Salzburg statt, bei dem Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller den mit 1.500 Euro dotierten Preis überreichte.

"Journalisten kommt eine besonders verantwortungsvolle Rolle zu, objektiv über Afrika zu berichten", sagte Burgstaller, im Land für die Entwicklungszusammenarbeit ressortzuständig, bei der Überreichung des Preises an Martin Obermayr. "Wir in Österreich tun uns schwer, die Situation in afrikanischen Ländern richtig zu beurteilen. Gerade die WM in Südafrika, die in einem Monat angepfiffen wird, ist dafür ein gutes Beispiel: Wird die Weltmeisterschaft die beste WM aller Zeiten, wie FIFA-Präsident Josef Blatter überzeugt ist? Oder wird die WM von Gewalt und Terror überschattet sein, wie viele Pessimisten meinen? Der Verdienst von Martin Obermayr liegt in erster Linie darin, dass er ungemein akribisch recherchiert hat. Für seinen nun ausgezeichneten Beitrag ‚Gänsehaut im Gesicht’ war er insgesamt zehn Wochen in Südafrika. Die Erstklassigkeit der Recherche liest man in jeder Zeile. Ich gratuliere Herrn Obermayr sehr herzlich zum Gewinn des Afrika-Preises 2010. Als Landeshauptfrau freut es mich natürlich umso mehr, dass Martin Obermayr mit dem Land Salzburg einiges verbindet: Er hat das Lehramt Sport und Englisch an der Universität Salzburg absolviert und seinen Zivildienst im SOS Kinderdorf in Seekirchen am Wallersee abgeleistet."

Ein Sieger aus 54 Einreichungen

Insgesamt sind 54 Beiträge zum Afrika-Preis 2010 eingereicht worden. Eine siebenköpfige Jury aus österreichischen Medien-, Afrika- und Entwicklungsexperten hat den Beitrag "Gänsehaut im Gesicht" von Martin Obermayr mit deutlichem Vorsprung an die erste Stelle gereiht. Die Reportage über die bevorstehende Fußball-WM ist im Sportmagazin 07/08 2009 erschienen. "Martin Obermayr legt stilistisch und inhaltlich eine hervorragende Reportage vor, die mit tiefgreifenden Afrika-Klischees aufräumt, ohne in unkritischer Distanzlosigkeit zu versinken. Dass das in einem Sportmagazin passiert, ist umso erfreulicher, zumal wir dort im Regelfall nicht nach Afrika-Beiträgen mit diesem Tiefgang suchen würden", lobte Jury-Mitglied Thomas Holzinger von Webworks Consulting. Holzinger hat selber Afrikanistik und Kommunikationswissenschaft studiert und mit seiner Agentur Webworks Consulting den Afrika-Preis unterstützt. Weitere Unterstützer waren der Entwicklungspolitische Beirat der Salzburger Landesregierung, AMREF, das Afro Café, das Designstudio Miam Miam sowie die bundesweite Initiative für ein vielfältiges Afrika-Bild "Ke Nako - Afrika jetzt".

Obermayr: Das Leben ist lebenswert in Südafrika

Neben dem Preisgeld konnte Martin Obermayr eine außergewöhnliche Trophäe und ein Zertifikat in Empfang nehmen. Beide Arbeiten wurden von der mehrfach Clio-prämierten Werbeagentur The President in Kapstadt gestaltet und auch dort produziert. "In meinen Geschichten möchte ich stets ein möglichst vielfältiges Bild von Südafrika und im weitesten Sinne von Afrika vermitteln - und dazu helfen mir die authentischen Erlebnisse sehr", erläuterte Obermayr seine Einstellung zu seiner journalistischen Tätigkeit. "Was in der herkömmlichen Berichterstattung oft übersehen wird oder keinen Platz findet: Das Leben ist lebenswert in Südafrika. Ja, es gibt eine riesige Kluft zwischen Arm und Reich und dadurch eine gewaltige gesellschaftliche Ungleichheit. Und ja, es gibt eine dramatisch hohe Gewaltrate und beängstigende HIV/Aids- und Tuberkulose-Raten. Man könnte noch etliche Probleme aufzählen, aber was mich in Südafrika immer wieder inspiriert: Die spontane Freude und Begeisterung und dass Leute auf einen zugehen und keine Scheu vor der Selbstdarstellung haben. Gejammert wird natürlich auch viel, aber das ist man als Österreicher mehr als gewohnt."

afrika.info - die Perspektive des Kontinents

Der Afrika-Preis 2010 wurde von der Nachrichtenagentur afrika.info ins Leben gerufen, um eine ausgewogenere journalistische Auseinandersetzung mit dem Kontinent zu motivieren. "Afrika wird von österreichischen Medien großteils als K-Kontinent dargestellt - K für Kriege, Krisen, Katastrophen, Krankheit, Korruption und Kapitalflucht", sagte Initiator Dr. Martin Sturmer. "Damit wird der Kontinent um wichtige Entwicklungschancen gebracht. Wer will schon in Ländern investieren, die von Negativ-Schlagzeilen beherrscht werden? Allein der Blick auf die österreichische Außenhandelsstatistik genügt: Nur 1,5 Prozent der heimischen Exporte gingen 2009 auf unseren Nachbarkontinent." afrika.info setzt sich daher auch für einen Perspektivenwechsel ein und verbreitet ausschließlich Beiträge von afrikanischen Journalisten an österreichische Medien. "Wer könnte besser über die Lebensrealität in afrikanischen Staaten berichten als die dort beheimateten Journalisten?". o100-60

Franz Neumayr wird den Redaktionen für das Landespressebüro Fotos von der Überreichung anbieten.