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Wiederbelebtes US-Skigebiet mit Oberpinzgauer Namenspaten

In Mittersill, New Hampshire, können Skibegeisterte wieder über die Hänge wedeln / Neuer "Grenzfall" erschienen

Salzburger Landeskorrespondenz, 2. November 2011
Wiederbelebtes US-Skigebiet mit Oberpinzgauer Namenspaten

Wiederbelebtes US-Skigebiet mit Oberpinzgauer Namenspaten


(LK)  Warum ein wieder neu eröffnetes Skigebiet den Namen der Pinzgauer Stadt Mittersill trägt, was das gleichnamige Schloss und dessen ehemaliger Besitzer damit zu tun haben und was im amerikanischen Frankenland Häuser in Alpinarchitektur verloren haben, erklärt ein aktueller Salzburger Grenzfall aus der gleichnamigen Serie, der heute, Mittwoch, 2. November, auf www.salzburg.at, der Plattform für die Europaregion, veröffentlicht wurde.

Franken im US-Bundesstaat New Hampshire, und dort ein Skigebiet namens Mittersill – hat da jemand im Geografieunterricht nicht aufgepasst? Das will man meinen, wenn man sich auf die digitale Suche nach dem "Mittersill Alpine Resort" macht. Auf der dazugehörigen Website (www.mittersillresort.com) begrüßen den staunenden (Salzburger) Besucher Ferienanlagen in makellosem Lederhosenstil inmitten einer bewaldeten Berglandschaft, die sommers und winters zu Erholung und Sport einlädt.

Der Hintergrund für diese originelle Namensschwester des Oberpinzgauer Hauptorts ist wie fast immer in der Geschichte zu finden. Der einstige Besitzer von Schloss Mittersill (dem echten), Baron Hubert von Pantz, renovierte Mitte der 1930er Jahre das erstmals 1180 erwähnte historische Gemäuer und richtete einen "Sport- und Shooting-Club" ein, bei dem sich alsbald die Jet-Set-Society ein Stelldichein gab. Von Pantz, ein Lebemann, dem eine Affäre mit Coco Chanel nachgesagt wird, und der später ein Buch mit dem vielsagenden Titel "No Risk, No Fun" veröffentlichte, musste das Schloss 1938 fluchtartig in Richtung USA verlassen. Das NS-Regime errichtete währenddessen im Pinzgauer Schloss ein  Forschungszentrum im Dienst des Rassenwahns, etwa für "Innerasienforschung" und "Expeditionen".

Baron von Pantz orientierte sich vorerst im damals schon etablierten Skiort Lake Placid im Norden des US-Bundesstaates New York – dort fanden bereits 1932 Olympische Winterspiele statt. Im westwärts gelegenen New Hampshire stieß er auf die 1938 errichtete Gondelbahn auf den Cannon Mountain in der Nähe der Stadt Franconia, die ihren Namen der landschaftlichen Ähnlichkeit mit der Fränkischen Schweiz in Bayern verdankt. 1946 konnte Pantz auf seinem 500 Hektar großen Privatbesitz an den Hängen des Cannon Mountain das "Mittersill Ski Resort" eröffnen. Die Wintersportsiedlung im Salzburger Stil verfügte über einen Lift, ein Hotel, Ferienhäuser und eine Skischule. Der Baron kehrte 1950 ins Salzburgerische Mittersill zurück und ließ auf dem Schloss den High-Society-Betrieb noch einmal aufleben. Schwache Schneelage und verschärfte Naturschutzauflagen brachten den Skibetrieb Ende der 1980er Jahre auf den "Mittersill Slopes" in den USA zum Erliegen, nur Wagemutige nutzten den Skiberg halblegal weiter, den allmählich wieder die Natur zurückeroberte. 2009 einigte man sich mit den Naturschutzbehörden auf ein nachhaltiges Nutzungskonzept und seit Jänner 2011 bringt ein neu errichteter Doppelsessellift wieder Gäste auf den Berg. Für Salzburger Verhältnisse ein bescheidenes Skigebiet – allerdings mit echten Salzburger Wurzeln. p248-60


 

 

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