Wissenschaftspreis zum 100. Geburtstag von Marko Feingold

Burgstaller: Land, Stadt und Universität stiften den "Marko-M.-Feingold-Preis" zur Förderung historischer Forschung

Salzburger Landeskorrespondenz, 28.05.2013
 

(LK)  Als Anerkennung des vorbildlichen Lebenswerkes von Marko M. Feingold stiften das Land Salzburg, die Stadt Salzburg und die Paris-Lodron-Universität Salzburg den "Marko-M.-Feingold-Preis". Das erklärte Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller heute, Dienstag, 28. Mai, beim Festakt zum 100. Geburtstag von Marko Feingold in der Salzburger Residenz. Hofrat Marko Feingold ist seit rund 35 Jahren Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Salzburg. 

Dieser Wissenschaftspreis soll die wissenschaftliche Erforschung der materiellen Kultur, des Lebens und der Arbeit der jüdischen Bevölkerung, ihres Wirkens und Einflusses auf Kultur, Wissenschaft und Literatur der jeweiligen Gesellschaft und Zeitepoche oder deren Verfolgung, Vertreibung, Exil- und Diasporaerfahrung in den unterschiedlichsten Weltregionen und historischen Zeitkontexten nachhaltig fördern.

"Nicht zuletzt die zeitgeschichtliche Forschung und einige kritische junge Salzburger Historikerinnen und Historiker und auch Kunstschaffende haben ganz wesentlich dazu beigetragen, dass wir heute nach Jahrzehnten der verweigerten Erinnerung auch in Salzburg über eine Reihe bemerkenswerter Beispiele der Erinnerungskultur verfügen", so Burgstaller weiter. "Der neu geschaffene 'Marko-M.-Feingold-Preis' wird dazu beitragen, dass diese historische Forschung weiter vertieft und intensiviert wird: Damit die Opfer nicht umsonst waren, damit die Ereignisse und vor allem die Namen im Bewusstsein der Nachgeborenen bleiben. Damit nicht länger bloß das Gras des Vergessens, sondern die Blumen der Versöhnung auf den Gräbern wachsen."

Man wolle mit der Stiftung des Preises die großen Verdienste Marko Feingolds um die Idee und die Praxis des Friedens, des Ausgleiches und der Versöhnung zwischen den Völkern und Religionsgemeinschaften sowie dessen herausragende Leistung als Zeitzeuge und Vermittler als Vortragender in Schulen und in der Öffentlichkeit mit einem bleibenden Zeichen würdigen. Außerdem solle damit der große Respekt vor Feingolds historischen Verdiensten als maßgeblicher Repräsentant und langjähriger Präsident der Salzburger Israelitischen Kultusgemeinde um deren Wiedererstehung und Entwicklung nach den bitteren Jahren der Vertreibung und Verfolgung zum Ausdruck gebracht werden, betonte die Landeshauptfrau beim Festakt.

Marko Feingold wurde am 28. Mai 1913 in Besztercebanya/Neusohl in Österreich-Ungarn, heutiges Banska Bystrica in der Slowakei, geboren und wuchs in Wien auf. Mit 14 begann er eine Lehre zum kaufmännischen Angestellten, die er schon nach zwei Jahren abschloss. Gemeinsam mit seinem Bruder Ernst war er in den 1930er Jahren als Reisender unterwegs. Nach dem Anschluss 1938 wurden die beiden verhaftet, und es begann eine Odyssee: Die Brüder flohen nach Prag, wurden nach Polen ausgewiesen und kamen mit falschen Papieren zurück. 1939 wurden sie ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Es folgte ein wahres Martyrium in den Konzentrationslagern von Neuengamme (Hamburg) und Dachau, von wo Marko Feingold schließlich 1941 ins KZ Buchenwald verlegt wurde. Dort wurde Feingold, der die entbehrungsreichen Jahre in Buchenwald als "Maurer" mit knapper Not überlebt hatte, mit den anderen Lagerinsassen schließlich im April 1945 von den Amerikanern befreit.

Feingold gelangte durch Zufall nach Salzburg, wo er sich ein neues Leben aufbaute. Er half in der Folge jüdischen Überlebenden, die in Salzburger Lagern für Flüchtlinge (so genannte "Displaced Persons") lebten, bei der zunächst legalen, später sogar illegalen Durchreise über Salzburg, Tirol und Italien nach Israel. Legendär ist die maßgeblich von Feingold organisierte abenteuerliche Flucht von Tausenden Juden im Sommer 1947 buchstäblich bei Nacht und Nebel über den Krimmler Tauern nach Südtirol und von dort weiter zu den Mittelmeerhäfen. Marko Feingold eröffnete später ein Modegeschäft in der Stadt Salzburg und heiratete. Seit 1979 ist er Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg. Feingold war und ist als Träger zahlreicher öffentlicher nationaler und internationaler Auszeichnungen ein aktiver Teilnehmer am interreligiösen Dialog und ein gefragter Vortragender in Schulen über die Zeit des Nationalsozialismus.

Marko Feingolds Lebenswerk ließ ihn zum Träger höchster Ehrungen werden. Unter anderem erhielt er die Wappenmedaille in Gold und die Ehrenbürgerschaft der Stadt Salzburg, das Goldene Verdienstzeichen, das Goldene Ehrenzeichen und den Ehrenbecher des Landes Salzburg, das Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs und das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik. R118-40