Spatenstich für Schulneubau am Holztechnikum Kuchl

Haslauer: Holzindustrie, Land Salzburg und Bund investieren 9,8 Millionen Euro in die Zukunft der Holzausbildung

Salzburger Landeskorrespondenz, 26.05.2015
 

(LK)  Die Holzindustrie in Österreich hat sich zum Ziel gesetzt, die beste private Ausbildung für alle Bereiche der Holzwirtschaft anzubieten. 9,8 Millionen Euro werden deshalb in den kommenden zwei Jahren in bauliche Maßnahmen am Holztechnikum Kuchl (HTK) investiert. Das ist die größte Einzelinvestition in der mehr als 75-jährigen Geschichte des Holztechnikums Kuchl. Die Finanzierung wird gemeinschaftlich von Land Salzburg, Bund und der Holzindustrie Österreichs übernommen. Der Spatenstich für den Schulneubau erfolgt im Juli.

Darüber informierten heute, Dienstag, 26. Mai, Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer, Wolfgang Hutter, Präsident des Holztechnikums Kuchl, Architekt Dipl.-Ing. Tom Lechner und Mag. Johannes Plötzeneder, Amtsführender Präsident des Landesschulrates für Salzburg, bei der Präsentation des Projektes.

"Mit der Fertigstellung der Werkstättenhalle 2010 und der Errichtung der Turnhalle 2012 konnten bereits große Meilensteine realisiert werden. Derzeit laufen die Planungsarbeiten für den Schulneubau auf Hochtouren", so HTK-Geschäftsführer Diplom-Betriebswirt (FH) Hans Rechner. Aus dem Architektenwettbewerb ging das renommierte Architekturbüro LP architektur ZT GmbH mit Geschäftsführer Architekt Dipl.-Ing. Tom Lechner aus Altenmarkt als Sieger hervor. "Ohne die gemeinschaftliche Hilfe von Bund und Land wäre die Planung dieses Baus nicht möglich gewesen", betonte der Präsident des Holztechnikums Kuchl Wolfgang Hutter bei der Präsentation.

Holz als wichtige Einkommensquelle

"Das Bundesland Salzburg ist mit 375.000 Hektar Waldfläche zu 52 Prozent mit Wald bedeckt", sagte Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer. "Der daraus gewonnene Rohstoff Holz bietet für zirka 1.000 holzverarbeitende Betriebe einen nachhaltigen Werkstoff und stellt für mehr als 20.000 Salzburgerinnen und Salzburger eine direkte Einkommensquelle dar. Damit bezieht mit den 8.000 Waldbesitzern und den 12.000 Erwerbstätigen in der Branche ein Viertel der in der Güterproduktion beschäftigten Salzburgerinnen und Salzburger ein Einkommen aus der Forst- und Holzwirtschaft. Kuchl hat sich hier mit rund 30 holzverarbeitenden Betrieben, der Fachhochschule, Einrichtungsberaterschule, HTL, Fachschule und Landesberufsschule sowie proHolz und dem Holzcluster als überregionales Kompetenzzentrum in diesem Bereich etabliert. Die Investition in den Neubau des Holztechnikums Kuchl ist auch eine Investition in und für das Land Salzburg. Für die erste Etappe des Holzbaus haben sich in sämtlichen Gewerken Salzburger Firmen durchgesetzt, wodurch dieses Projekt auch zur Belebung der Salzburger Wirtschaft beiträgt."

"Das Holztechnikum Kuchl ist nicht bloß eine Schule, es ist ein schulischer Lebensraum, in dem HTL, Fachschule und Werkmeisterschule in Kombination mit dem Internat zusammenspielen", erläuterte der Amtsführende Präsident des Landeschulrates für Salzburg, Prof. Mag. Johannes Plötzeneder. "Das Holztechnikum ist auf diese Weise einzigartig in Österreich und erfreut sich über einen hohen Zustrom an Schülerinnen und Schülern auch über die Landesgrenzen hinweg. Holz ist nicht nur ein traditioneller Rohstoff, sondern im Hinblick auf die Erneuerbarkeit zukunftsweisend und sicher. Mit der gemeinsamen Finanzierung durch Land, Bund und Holzindustrie ist diese wichtige Ausbildung im Bundesland Salzburg auf lange Sicht sichergestellt."

Zwei Bauetappen für reibungslosen Schulbetrieb

Das Bauvorhaben konzentriert sich vorerst auf den Nordtrakt des L-förmigen Gebäudes, um den laufenden Schulbetrieb weiterführen zu können. Natürlich wird ein Holzbau errichtet. "Holz gewinnt als Baumaterial stetig an Bedeutung, und nicht zuletzt haben auch der Klimaschutz und die Ressourcenschonung im Bauwesen ein Umdenken hervorgerufen. Gleichzeitig machen heute technische Entwicklungen sowie computergestützte Fertigungsmethoden, ein hoher Vorfertigungsgrad und kurze Errichtungszeiten den Holzbau sehr attraktiv", berichtete Architekt Tom Lechner. "Beim Brand- und Lärmschutz wurden Verbesserungen bewirkt. Zudem ist Holz anderen Materialien in energetischer und ökologischer Hinsicht überlegen", begründete HTK-Präsident Wolfgang Hutter die Wahl des Baumaterials.

Solide gebaut mit "Brettsperrholz"

Herausragendes Merkmal des Neubaus am Holztechnikum Kuchl ist der moderne Holzwerkstoff "Brettsperrholz". Kreuzweise verleimte Bretter bilden die massive Tragstruktur der Wände und Decken. Hochgedämmt wird das Gebäude energieeffizient errichtet werden. "Mit dem Neubau können wir unserem Ruf als ausgezeichnete Ausbildungsstätte gerecht werden. Die gesamte Holzindustrie steht hinter dem Projekt und finanziert es mit", hob Präsident Wolfgang Hutter hervor.

"Das neue Schulgebäude wird den Anforderungen eines modernen Unterrichts vollinhaltlich gerecht. Das Konzept beinhaltet neben freien Bewegungsräumen, Gruppenarbeits- und Aufenthaltsräumen auch Platz für offene Unterrichtsformen für mehrere Klassen", erklärte HTK-Direktor Dipl.-Ing. Helmuth Kogler. Diese Klassen werden in einem räumlichen Verbund (Cluster) zusammengefasst. Die räumliche Infrastruktur soll einen möglichst flexiblen Wechsel zwischen verschiedenen Lernformen, wie Einzelarbeit, Gruppenarbeit oder auch Frontalunterricht, ermöglichen.

Dass Holz im Trend liegt, steht außer Frage. "Wir verzeichnen regen Zuspruch auf Berufsinformationsmessen. Anlässlich unserer Tage der offenen Tür konnten wir erstmals mehr als 800 Besucherinnen und Besucher begrüßen. Dieser Rekord ist für uns ein klares Zeichen, wie zukunftsträchtig der geniale Werkstoff Holz ist", so HTK-Geschäftsführer Hans Rechner. Der neue Lehrplan und die Neugestaltung der Holztechniker-Ausbildung bzw. Wirtschaftsingenieur-Ausbildung bringt somit immer mehr interessierte Schülerinnen und Schüler nach Kuchl.

Schule mit Job-Garantie

Wer das Holztechnikum Kuchl absolviert, hat so gut wie sicher einen Arbeitsplatz in der heimischen Holzwirtschaft. "Stolz sind wir in Kuchl auch auf die Tatsache, dass 82 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die in der ersten Klasse beginnen, ihre Schullaufbahn auch erfolgreich beenden", ergänzte Direktor Helmuth Kogler. Rund 400 Jugendliche, davon 40 Mädchen – Tendenz steigend, besuchen den Campus. Die Schülerinnen und Schüler, die von 50 Lehrerinnen und Lehrern und 15 Internatspädagoginnen und -pädagogen unterrichtet und betreut werden, kommen aus ganz Österreich, Südtirol und Deutschland. Das Markenzeichen des Holztechnikums Kuchl ist eine für Europa einzigartige Kombination aus Holz, Technik, Wirtschaft und Sprachen (Englisch, Italienisch, Russisch).

Die Holzindustrie hat in Österreich eine lange Tradition und stellt eine wichtige Säule der Wirtschaft dar. Diese Position kann nur mit entsprechend qualifizierten Arbeitskräften gehalten und ausgebaut werden.

Fakten zum Bau

  • Bauherr: Holztechnikum Kuchl
  • Bruttogeschoßfläche: 2.200 Quadratmeter
  • Holzeinsatz Rohbau: Brettschichtholz: 72 Kubikmeter, Brettsperrholz: 676 Kubikmeter
  • Abmessungen: Nordtrakt: 39,50 Meter x 17,20 Meter, Aula: 21,60 Meter x 11,20 Meter
  • Baubeginn: Juli 2015
  • Fertigstellung: September 2017
  • Errichtungskosten: 9,8 Millionen Euro (in zwei Bauetappen)
  • Förderung: Fachverband und Fachgruppen der Holzindustrie Österreichs, Land Salzburg, Bundesministerium für Bildung und Frauen

Ausführende Unternehmen

Vorbehaltlich der Vergabefristen bis Anfang Juni werden folgende Unternehmen beauftragt (Vergabeverfahren: Billigstbieterverfahren): Baumeisterarbeiten: Firma Kreuzberger-Bau, Salzburg; Zimmererarbeiten: Firma Appesbacher, Abersee; Dachdeckerarbeiten: Firma Dachbau, Piesendorf; Elektroarbeiten: Firma Berger, Salzburg; HKLS-Arbeiten: Firma Schwaiger, St. Johann im Pongau.

Für den ersten Bauabschnitt konnten somit in Summe 2,4 Millionen Euro (50 Prozent der Bruttobausumme) an Auftragswerten an Salzburger Unternehmen vergeben werden, das heißt, man liegt bis dato bei 100 Prozent der Vergaben an heimische Unternehmen.

Fakten zum Holztechnikum Kuchl

Schirmherr ist der Fachverband der Holzindustrie. Folgende Zweige werden angeboten: Fachschule für Holzwirtschaft, HTL für Wirtschaftsingenieurwesen und Holztechnik, Internat, Weiterbildung und Dienstleistung, Werkmeisterausbildung (ab Herbst 2015). Insgesamt werden 400 Schülerinnen und Schüler betreut, davon sind 300 im Internat untergebracht. 50 Lehrkräfte und 15 Internatspädagoginnen und -pädagogen und acht Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter sind beschäftigt.

Meilensteine am Ausbildungsort Kuchl

  • Gegründet: 1943 als Privatschule
  • Während des 2. Weltkrieges erste Berufsschulkurse
  • 1946   Private Berufsschule des Fachverbandes
  • 1952   Öffentliche Berufsschule
  • 1953   Private Fachschule für Sägetechnik (dreijährig)
  • 1962   Private Fachschule für Holzwirtschaft und Sägetechnik (vierjährig)
  • 1973   Höhere Technische Lehranstalt für Holzwirtschaft (fünfjährig)
  • 1980   Beginn der einjährigen Schule für Einrichtungsberater
  • 1990   Berufsschule für Tischler, Tapezierer und Säger
  • 1995   Fachhochschul-Studiengang "Holzwirtschaft und Holztechnik“
  • 1999   Eröffnung des "Holzturms“, damals höchstes vierstöckiges Holzgebäude Österreichs
  • 2002   Fachhochschul-Studiengang "Design- und Produktmanagement“
  • 2003   Eröffnung des neuen Fachhochschulgebäudes
  • 2004   Übernahme der Fachhochschulstudiengänge durch die FH Salzburg
  • 2008   Errichtung des Studentenwohnheims durch das Salzburger Siedlungswerk
  • 2010   Eröffnung der Werkstättenhalle und Gründung der Holztechnikum Kuchl BetriebsgmbH
  • 2012   Eröffnung der Turnhalle am Holztechnikum Kuchl
  • 2013   Fachhochschul-Studiengang "Smart Building“
  • 2015   Werkmeisterschule am Holztechnikum Kuchl

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Weitere Informationen: Christian Blaschke, Büro Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer, Tel.: 0662/8042-2325, E-Mail: christian.blaschke@salzburg.gv.at.