Salzburg ist Österreichs Domainhauptstadt

Die Vergabestelle für alle at-Top-Level-Domains ist im Techno-Z zuhause

Salzburger Landeskorrespondenz, 03.03.2016
 

(LK)  Warum jede österreichische Internetadresse in der Mozartstadt an der Salzach vergeben wird, und das von einer privaten Firma unter bayerischer Führung, verrät dieser aktuelle Salzburger Grenzfall aus der gleichnamigen monatlichen Serie.

Was Hausadressen im 19. und 20. Jahrhundert waren, das sind heute im Internetzeitalter Webadressen, fachmännisch Domains genannt. Jedes Land dieser Erde, von Österreich (at) bis zu den exotischen Kokosinseln im Indischen Ozean (cc) ist im Internet mit zwei Buchstaben vertreten, einer sogenannten Top-Level-Domain. Prominenter im Netz vertreten zu sein geht praktisch nicht.  Das führt zu der Frage, wer in Österreich die at-Webadressen vergibt.

Domainanmeldung auf Zuruf

In den grauen Vorzeiten des österreichischen Internet vor weniger als drei Jahrzehnten liefen alle Fäden im Rechenzentrum der Universität Wien zusammen.

Peter Rastl, der damalige Leiter des Zentralen Informatikdienstes der Wiener Universität gilt als Geburtshelfer der at-Abkürzung. Er schrieb anno 1988 ein E-Mail an seinen Fachkollegen an der University of Southern California, ob er den bitte für Österreich diese Endung einrichten könne. Ein schlichtes "done" war die Antwort und der Beginn des österreichischen Internetzeitalters. Was heute über spezialisierte Registrare und manchmal heftigen Rechtsstreitigkeiten läuft, war damals eine Spielwiese für Technik-Freaks. Anfangs nutzte ausschließlich eine kleine Uni-Elite Webdomains, der Zuwachs blieb überschaubar. Die Eintragungen ins Register erfolgten auf Zuruf und kostenlos. Das änderte sich Ende der 1990er-Jahre, als das Internet in Österreich Fahrt aufnahm und die Universität den Ansturm personell nicht mehr bewältigen konnte.

Eine naheliegende Ortswahl

Kurz vor 1998 wurde die Firma nic.at gegründet, die die Vergabe von at-Domains übernahm. Von Behörde keine Spur, nic.at befand sich im Eigentum des Vereins ISPA, der Interessenvertretung der österreichischen Internetwirtschaft. Deren damaliger Präsident Herbert Vitzthum führte gleichzeitig die Geschicke der neuen Domainvergabestelle, mehr oder weniger vom PC im Wohnzimmer aus. Als Domain-Zentrale wurde später das Salzburger Techno-Z gewählt. Für den Halleiner erschien der kurze Weg nach Salzburg praktischer als der längere nach Wien, weshalb bis heute Salzburg Österreichs Domainhauptstadt ist. Der technische Betrieb läuft jedoch weiterhin über die Wiener Universität. Das Internetgeschäft entwickelte sich rasant, heute gibt es mehr als 1,23 Millionen at-Domains, die inzwischen eher unbedeutenden Endungen .co.at und .or.at bringen es auf knapp 50.000.

Ein Bayer wacht über Österreichs Webadressen

Zwei Jahre später wurde der gebürtige Bayer Richard Wein Geschäftsführer und damit Herr über die Vergabe aller österreichischen Top-Level-Domains. Zuletzt sind noch die neuen länderspezifischen Domains .wien und .tirol (andere wurden bisher noch nicht umgesetzt) dazugekommen. Für diese ist nic.at technischer Dienstleister. Seit 2000 ist der Eigentürmer der nic.at GmbH eine gemeinnützige Privatstiftung.

Kurioses über Grenzen hinweg

Die Salzburger Grenzfälle versammeln Kuriositäten rund um die Grenzen Salzburgs und bilden eine aufschlussreiche Lektüre zu Geschichte, Landeskunde und Politik des Bundeslandes. Der Autor Stefan Mayer beschäftigt sich seit 2002 mit grenzfälligen Besonderheiten in und um Salzburg. Er gestaltet die monatliche Serie "Grenzfälle", von der bereits drei Bücher erschienen sind. Die Bücher sind vergriffen, digitale Versionen stehen im Webshop des Landes zum kostenlosen Herunterladen zur Verfügung. Einzelne Grenzfall-Artikel können jederzeit abgerufen werden. 160303_60 (sm/grs)

Weitere Informationen: Franz Wieser, Pressesprecher Land Salzburg, Landes-Medienzentrum, Tel.: 0662/8042-2365, Redaktionshandy: 0664/3943735.