Nahversorger-Förderung sichert Vielfalt im Lebensmittelhandel

Haslauer: Salzburger Lebensmitteleinzelhändler erhalten für zwei weitere Jahre investive Unterstützung vom Land

Salzburger Landeskorrespondenz, 11.03.2016
 

(LK)  Ein Erfolgsprogramm geht in die nächste Runde: Mit der Verlängerung der Nahversorgerförderung erhalten Salzburger Lebensmitteleinzelhändler für zwei weitere Jahre investive Unterstützung vom Land. Das berichteten Landeshauptmann Wilfried Haslauer und Vertreter der Salzburger Wirtschaftskammer heute, Freitag, 11. März.

Bei der regionalen Versorgung der Bevölkerung mit Waren des täglichen Bedarfs und zur Stärkung der regionalen Wirtschaft erfüllen kleine und mittlere Lebensmittelnahversorger zentrale Aufgaben. Damit sie diesen auch weiterhin nachkommen können, wurde die Nahversorgerförderung des Landes um weitere zwei Jahre verlängert. Bis Ende 2017 steht Lebensmitteleinzelhändlern damit eine Fördersumme von 180.000 Euro für Investitionen zur Verfügung. Gefördert werden damit Nahversorger, die höchstens zehn Betriebsstätten betreiben, deren Lebensmittelverkaufsfläche 500 Quadratmeter nicht übersteigt und die pro Jahr maximal 2,5 Millionen Euro Umsatz pro Standort erwirtschaften.

"In der Stadt und besonders auf dem Land spielen Lebensmittelhändler eine wichtige Rolle als leicht erreichbare Dienstleister für die lokale Bevölkerung", betonte Wirtschaftsreferent Landeshauptmann Haslauer bei einem Informationsgespräch im frisch renovierten Spar-Markt von Franz Grubinger in Salzburg-Aigen. "Die Kundinnen und Kunden schätzen besonders das Eingehen auf individuelle Wünsche und das Angebot regionaler Spezialitäten. Das Förderungsprogramm konnte verlängert werden und gilt als eines der attraktivsten für kleine und mittlere Lebensmittelhändler in ganz Österreich. Unser Ziel bleibt es, die Lebensmittelhändler auf dem Weg in die Zukunft zu unterstützen. Nahversorger sind wichtige Treffpunkte für die Bürgerinnen und Bürger in den Gemeinden und leisten einen zentralen Beitrag zur Belebung von Ortskernen. Indem wir sie unterstützen, tragen wir wesentlich dazu bei, die Frequenz an Kundinnen und Kunden zu erhöhen und die Wertschöpfung in den Regionen zu behalten."

Auch Franz Grubinger nahm die Nahversorgerförderung in Anspruch und sagte: "Sie ist eine wesentliche Unterstützung für uns Lebensmittelhändler und ein wichtiger Faktor, um investitions- und wettbewerbsfähig zu bleiben. Damit können wir auch in Zukunft die regionale Nahversorgung und Angebotsvielfalt sicherstellen."

Gestiegenen Ansprüchen Rechnung tragen

Der Bundesobmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer, Peter Buchmüller,  und Christian Winzer, Gremialobmann des Salzburger Lebensmittelhandels, begrüßten die Fortsetzung der Förderinitiative: "Seit 24 Jahren gibt es die Nahversorgerförderung des Landes. Sie hat sich als Erfolgsprogramm erwiesen. Vor allem die gestiegenen Ansprüche der Kundinnen und Kunden an ein modernes Lebensmittelgeschäft bedeuten für die Betriebe hohe Investitions- und Betriebsmittelkosten, bei denen das Land bedarfsorientiert unterstützt." Die Salzburger Förderung trage damit indirekt zur Existenzsicherung der Unternehmen bei, schilderte Buchmüller. "Der Lebensmittelhandel in Salzburg bilanziert mit plus minus null. Das heißt, viele Lebensmittelhändler leben tendenziell von der Substanz. Wer drei oder vier Prozent Gewinn macht, gehört bereits zu den Vorzeigebetrieben. Und wenn man bedenkt, dass es 500.000 Euro kostet, die Einrichtung eines 500 Quadratmeter großen Geschäftes zu modernisieren, und das Nettowarenlager für einen Betrieb in dieser Größenordnung mit rund 150.000 Euro zu Buche schlägt, wird klar, dass die investive Nahversorgerförderung lebensnotwendig ist. Das Land Salzburg hat österreichweit die beste Nahversorgerförderung. Diese stellt eine wesentliche Erleichterung für die Lebensmittelhändler dar und bietet vielen kleineren eine Überlebenschance."

Seit Bestehen der Förderung 1992 wurden bis heute 1.531 Förderfälle abgewickelt. Die Fördersumme betrug insgesamt 6,1 Millionen Euro. Sechsmal höher sind mit mehr als 36 Millionen Euro die Investitionen, die die Förderungen ausgelöst haben. "Das sind Investitionen, die ohne Förderung in dieser Höhe niemals passiert wären", wie Buchmüller betonte.

Nahversorger bringen Lebensqualität

Auch die soziale Komponente von Nahversorgern dürfe nicht unterschätzt werden, betonte Winzer: "Abgesehen von der Tatsache, dass Lebensmittelhändler allgemein Frequenzbringer für Ortskerne sind, kommt den Nahversorgern auch im Hinblick auf den demografischen Wandel eine große Bedeutung zu. Denn vor allem ältere Bürgerinnen und Bürger sind häufig in ihrer Mobilität eingeschränkt und auf den regionalen Lebensmittelhändler angewiesen. Neben der individuellen Betreuung schätzen sie diesen auch als Ort der Begegnung." Zudem sei der Lebensmittelhandel ein wichtiger Arbeitgeber und Ausbildner und trage wesentlich zur hohen Jugendbeschäftigung bei, ergänzte Winzer. "Der Lebensmittelhandel bietet Jugendlichen attraktive Karrieremöglichkeiten in einem abwechslungsreichen Berufsfeld, in dem sie viel über den Wert regionaler Produkte lernen und im direkten Kontakt mit Kundinnen und Kunden stehen."

Wer kann die Förderung in Anspruch nehmen?

Gefördert werden Unternehmen, die dem Gremium Lebensmittelhandel oder der Innung Bäcker oder Fleischer der Wirtschaftskammer Salzburg angehören – aber nur, wenn es im Ort keinen Lebensmittelhändler gibt – und die jeweils höchstens zehn Betriebsstätten betreiben.

Die Förderung kann von Nahversorgern, die jährlich maximal 2,5 Millionen Euro Umsatz mit Lebens- und Genussmitteln pro Standort erwirtschaften und deren reine Lebensmittelverkaufsfläche maximal 500 Quadratmeter beträgt, in Anspruch genommen werden.

Die Investitionsförderung erfolgt durch einen Zinszuschuss von sechs Prozent pro Jahr für fünf Jahre bei einer Kreditnominale von maximal 180.000 Euro sowie durch einen Direktzuschuss von zehn Prozent zu Investitionen bis zu 35.000 Euro.

Die Betriebsmittelförderung beträgt 70.000 Euro und sieht einen Zinsenzuschuss von drei Prozent pro Jahr für fünf Jahre vor.

Daten und Fakten zum Lebensmitteleinzelhandel

Im Land Salzburg haben derzeit 215 Lebensmitteleinzelhändler, 124 Bäcker und 102 Fleischer ihren Hauptsitz. Vor zehn Jahren waren es noch 260 Lebensmitteleinzelhändler.

Rund 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beziehungsweise mehr als 30 Prozent aller Beschäftigten sind in Salzburg im Lebensmitteleinzelhandel beschäftigt. Österreichweit sind es insgesamt 97.500 Beschäftigte, der Salzburg-Anteil beträgt acht Prozent.

Der Filialisierungsgrad im Lebensmittelhandel liegt bei 67 Prozent, im gesamten Einzelhandel dagegen nur bei 37 Prozent.

Trotz einer rückläufigen Zahl an Lebensmitteleinzelhändlern ist die Zahl der Beschäftigten in dieser Branche in Salzburg angestiegen: 2015 um 1,2 Prozent im Vergleich zum Jahr 2014.

Der Lebensmitteleinzelhandel ist die umsatzstärkste Einzelhandelsbranche: Für 2014 sind österreichweit 32 Prozent der Einzelhandelsumsätze dieser Branche zuzurechnen. In Salzburg sind 2014 rund sieben Prozent der Erlöse des österreichischen Einzelhandels erzielt worden.

Für die aktuell vorliegenden Bilanzjahre 2013/2014 weisen die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) des Lebensmitteleinzelhandels mit Sitz im Land Salzburg im Durchschnitt ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit in Höhe von 1,1 Prozent der Betriebsleistung auf. Das bedeutet, dass im Durchschnitt ein Gewinn (vor Ertragssteuer) von 1,1 Prozent des Umsatzes erzielt werden konnte. Damit liegt die Ertragskraft der Salzburger Lebensmitteleinzelhändler (nur KMU) über dem Österreich-Niveau von 0,8 Prozent.

Der größte Kostenbrocken der KMU im Salzburger Lebensmitteleinzelhandel ist der Handelswareneinsatz, der 74,8 Prozent der Betriebsleistungen ausmacht. Weitere 15,6 Prozent der Betriebsleistungen werden für Personalkosten ausgegeben.

Nur noch neun Salzburger Gemeinden haben derzeit keinen Nahversorger mehr: Göming, Plainfeld, Scheffau, Göriach, Lessach, St. Andrä, Thomatal, Unternberg und Weißpriach. 2014 waren es noch elf Gemeinden: Die zwei Gemeinden Tweng und Untertauern verfügen heute indirekt nur im Ortsteil Obertauern über Lebensmittelgeschäfte.

429 junge Menschen absolvieren derzeit im Salzburger Lebensmittelhandel eine Lehre, 2014 waren es 439 Lehrlinge. Ausschließlich mit Schwerpunkt im Fachbereich Lebensmitteleinzelhandel sind es aktuell 334 Jugendliche. 160311_51 (lmz/grs)

Weitere Informationen: Christian Blaschke, Büro Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Tel.: 0662/8042-2325, E-Mail: christian.blaschke@salzburg.gv.at.