Alpines Bauen als besondere Herausforderung

Haslauer: "Intelligentes Bauen und Siedlungssysteme" ist ein Schwerpunkt der neuen Wissenschafts- und Innovationsstrategie Salzburg 2025

Salzburger Landeskorrespondenz, 06.04.2016
 

(LK)  Höhenlagen, Wetterextreme und große Temperaturunterschiede stellen für das Bauen im alpinen Bereich eine besondere Herausforderung dar. Dazu kommen ständig neue Anforderungen im Hinblick auf Energieverbrauch, Klimaschutz, Ökologie und Nachhaltigkeit. Daher kommt der Bauforschung, der Weiterentwicklung der alpinen Baukompetenz, der Intensivierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit sowie innovativen Musterprojekten und Konzepten eine Schlüsselrolle zu. Genau hier setzt das "Forschungs- und Innovationsnetzwerk (F+I) Alpines Bauen" an, in dem das Wirtschaftsressort des Landes (ITG – Innovationsservice für Salzburg), die Bauinnung der Wirtschaftskammer Salzburg, die Fachhochschulen in Salzburg und Rosenheim, die Universität Innsbruck und die Handwerkskammer für München und Oberbayern zusammenarbeiten. 

Das Thema "Intelligentes Bauen und Siedlungssysteme" ist auch einer der Schwerpunkte der neuen Wissenschafts- und Innovationsstrategie Salzburg 2025 (WISS 2025) aus den Ressorts von Landeshauptmann Wilfried Haslauer (Wirtschaft) und Landesrätin Martina Berthold (Wissenschaft und Forschung), die auf den regionalen Stärken in Wissenschaft, Forschung und Unternehmen aufbaut. "Unser Ziel ist es, die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Salzburger Baubranche zu stärken. Daher setzen wir auf eine anwendungsorientierte Forschung mit einer starken Beteiligung der Unternehmen, damit die neuen Erkenntnisse möglichst rasch in die Praxis übernommen werden können", so Haslauer. Für den Ausbau der Salzburger Bauforschungsinitiative werden bis Herbst 2018 rund 1,2 Millionen Euro eingesetzt, wobei ein Großteil der Summe aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung "Interreg Österreich-Bayern 2014-2020" kommt.

Fünf Tage ohne Heizung

In Sachen Bauforschung und Grundlagenforschung zu Energieeffizienz und Klimaschutz wurden in jüngster Zeit maßgebliche Erfolge erzielt. Koordiniert werden diese Aktivitäten von der in der Salzburger Bauakademie beheimateten Forschungs- und Innovationsstelle Bau.

Mehrere Salzburger Unternehmen forschten zu nachhaltiger "Bauteilaktivierung" und deren breiterer Anwendbarkeit. Die Idee dahinter: Betonbauteile sollen als Energiespeicher eingesetzt werden, die sowohl heizen als auch kühlen können. So sind beispielsweise fünf Tage ohne Heizung für ein gut gedämmtes Gebäude mit großen Speichermassen kein Problem. Genau diese Eigenschaft kommt dem Einsatz alternativer Energiesysteme, wie etwa thermischer Solarenergie, sehr entgegen.

In der Arge Salzburger Netzwerk für nachhaltige Bauteilaktivierung" arbeiten folgende Mitglieder aus den Bereichen Bau und Beton zusammen: die Baufirmen Kreuzberger, Hillebrand, Spiluttini und Heissenberger sowie die SSK Salzburger Sand- und Kieswerke, Moldan Baustoffe, Moosleitner Beton Salzburg, LEUBE sowie die VÖZ (Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie).

Energieeffizienz und Behaglichkeit auch ohne Dämmung

Im Kooperationsprojekt "Ziegelbau Zukunft" ging es um Energieeffizienz und Behaglichkeit auch ohne Dämmung. Ziel war es, vom Trend zu immer größeren Dämmstärken mit in der Regel erdölbasierten Dämmmaterialien wieder wegzukommen und die gute sommerliche Behaglichkeit von Ziegel-Massiv-Bauten aufzuzeigen.

Holz ist noch besser als bisher angenommen

Bei der Forschung über die bauphysikalische und ökologische Bewertung des Werkstoffes Holz und beim Wissen über die Werkstoffeigenschaften ist die Salzburger Holzwirtschaft führend. In enger Zusammenarbeit mit der Holzbauinnung und dem Holzcluster Salzburg konnte im Projekt "Salzburger Holzbau 2020+" unter anderem nachgewiesen werden, dass Holzbauten beim Heizenergiebedarf deutlich besser abschneiden als das derzeit in gängigen Berechnungsmethoden abgebildet wird. Darüber hinaus wurde ein Berechnungsverfahren entwickelt, das die tatsächlichen Auswirkungen auf Energieeinsatz und Treibhausgase über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes hinweg berücksichtigt. Diese beiden Aspekte ermöglichen nachhaltige und umweltfreundliche Lösungen.

Vorreiter in puncto Energieeffizienz sind auch die neuen Gebäude in den Landwirtschaftlichen Fachschulen des Landes, so beispielsweide der Speisesaal und die Küche sowie die Tischlerwerkstätte der Landwirtschaftlichen Fachschule Bruck. Aktuell wird das neue Schülerheim in der Landwirtschaftliche Fachschule Kleßheim wird als Holzbau in Passivhausstandard errichtet.

Regionale Spezialisten für alpines Bauen

Die Salzburger Bauwirtschaft ist mit rund 2.000 Unternehmen mit 23.000 Beschäftigten und einem jährlichen regionalen Bauvolumen von rund einer Milliarde Euro traditionell ein sehr starker Wirtschaftszweig. Gleiches gilt für die Partnerregionen Tirol und Oberbayern im "Forschungs- und Innovationsnetzwerk (F+I) Alpines Bauen". Der Wirtschaftsschwerpunkt im Bausektor wird von vielen kleinen und mittleren Unternehmen getragen: Was als "alpines Bauen" bezeichnet wird, ist die Kompetenz der KMU, regionale Baumaterialien, Bautechniken, Know-how und Nachhaltigkeit mit alpiner Bautradition zu verbinden.

Durch höhere Anforderungen in der Klima-, Energie- und Ökoeffizienz, durch neue und sich rasch wandelnde Technologien und durch den wachsenden internationalen Wettbewerb werden die Herausforderungen im alpinen Bau immer komplexer. KMU müssen sich deshalb verstärkt mit Innovationsfragen zu neuen Produkt- und Dienstleistungsmöglichkeiten sowie neuartigen technischen Lösungen befassen. So können sie ihre Rolle als Spezialisten für alpines Bauen weiterentwickeln und damit Wertschöpfung und Arbeitsplätze regional sichern.

Besonders im wachsenden Markt der Sanierung von älteren Gebäuden bestehen für KMU Chancen, mit neuartigen Konzepten und Technologien alpine Bausubstanz intelligent weiterzuentwickeln und mit ganzheitlichen Sanierungskonzepten zu "punkten". Das Projekt "F+I Netzwerk Alpines Bauen" will KMU in diesen Bereich speziell unterstützen. 160406_22 (kg/ram)

Weitere Informationen: Franz Wieser, Pressesprecher Land Salzburg, Landes-Medienzentrum, Tel.: 0662/8042-2365, Redaktionshandy: 0664/3943735.