Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen auftreten

Berthold: Gemeinsame Aktivitäten von Stadt und Land Salzburg zu "16 Tage gegen Gewalt an Frauen 2016"

Salzburger Landeskorrespondenz, 17.11.2016
 

(LK)  16 Tage lang machen viele Frauen weltweit klar: Jedes Mädchen und jede Frau hat das Recht auf ein freies Leben ohne Gewalt. Die "16 Tage gegen Gewalt" starten am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, und enden am Internationalen Tag der Menschenrechte, 10. Dezember. Mit der Kampagne werden Wege aus der Gewalt und neue Handlungsmöglichkeiten für Mädchen und Frauen aufgezeigt. Denn auch heute noch ist jede fünfte Frau von Übergriffen und Gewalt betroffen.

Frauenlandesrätin Martina Berthold und Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer präsentierten heute, Donnerstag, 17. November, die Aktivitäten von "16 Tage gegen Gewalt an Frauen".

Gemeinsamer Weg der Prävention und Aufklärung

"Körperliche und psychische Gewalt findet größtenteils im sozialen Nahraum, in Beziehungen und in der Familie statt. Daher fällt es vielen Opfern schwer, die Übergriffe bei der Polizei anzuzeigen", so Berthold. "Ich ermutige jedoch alle Mädchen und Frauen: Niemand hat das Recht, eure Grenzen zu überschreiten und euer Nein zu missachten. Denn jede Grenzüberschreitung ist Gewalt und damit eine brutale Form von Diskriminierung. Wir treten 365 Tage im Jahr für ein gewaltfreies Zusammenleben ein und beziehen klare Stellung gegen jede Form von Gewalt. Daher sind sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz und im öffentlichen Raum, Belästigung und Hetze im Internet und Zwangsehen in keinem Fall zu tolerieren. Sexuelle Selbstbestimmung gilt für alle Frauen und Männer, egal ob sie in Österreich geboren sind oder zu uns geflüchtet sind. Dieser Grundwert steht außer Diskussion. Daher packen Stadt und Land gemeinsam an."

Die neue Aufklärungskampagne "Let's talk about sex" sei eine notwendige präventive Maßnahme. "Vor allem junge Flüchtlinge brauchen klare Orientierung und umfassende Information", betonte Berthold.

"Wir haben eine neue, große Gruppe von gewaltbetroffenen Frauen in Salzburg: die geflüchteten Frauen aus den Kriegs- und Krisengebieten im Nahen Osten und Afrika. Und wir müssen gegenüber den geflüchteten Männern von vornherein klar machen, dass Frauen bei uns die gleichen Rechte und unter allen Umständen das Recht auf ein Leben frei von Gewalt haben", sagte Anja Hagenauer, Bürgermeister-Stellvertreterin der Stadt Salzburg.

Einige der Projekte zielen genau darauf ab: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge lernen in Workshops mit dem Verein Selbstbewusst das österreichische Sexual- und Beziehungsrecht. Auf Anregung des Frauennotrufs haben Stadt und Land einfache Piktogramme entwickeln lassen. Alle, die mit Flüchtlingen arbeiten, können sie verwenden. "Ich will mit den Themen Sexualität, dem Recht auf körperliche Unversehrtheit und der Information über die strenge Ahndung von Gewalt gegen Frauen aktiv auf die Menschen zugehen", sagte Hagenauer weiter. Niemand solle sagen können, er hätte es nicht gewusst.

Neue Broschüre "Let's talk about sex"

"Let's talk about sex" ist eine neue Aufklärungskampagne für sexuelle Selbstbestimmung von Frauen und Männern, gegen geschlechterspezifische Gewalt und gegen das Ausnutzen von Schutzlosen.

Die neue Broschüre klärt Mädchen, Burschen, Frauen und Männer, die nach Österreich geflüchtet sind, über Fragen der sexuellen Integrität, die Rechte der Frauen und Männer sowie über sensible Themen wie Homosexualität, Prostitution und Zwangsverheiratung auf. Die Piktogramme und einfachen Texte ermöglichen Verständigung über sprachliche Barrieren hinweg. Das kritische Hinterfragen von bestehenden Rollenbildern ist dabei genauso wichtig wie die Vermittlung von Rechten und auch Pflichten im Zusammenleben.

In Österreich geltende Gesetze zu Menschen- und Frauenrechten, Jugendschutz, Gewalt- und Opferschutz bieten allen Orientierung. Weiters wird der Blick für selbstbestimmte Lebenswege in Sexualitäten, Beziehungen und Familie geschärft. Die Broschüre und die Piktogramme kommen vor allem in Workshops mit minderjährigen Flüchtlingen in Stadt und Land Salzburg zum Einsatz.

Laher: Hohe Standards in Bezug auf Frauenrechte und Opferschutz

"Österreich hat hohe Standards in Bezug auf Frauenrechte und Opferschutz", so Andrea Laher vom Frauennotruf Salzburg. "In manchen Bereichen hat es sogar eine Vorreiterstellung im europäischen Vergleich eingenommen. Auch das mit 1. Jänner 2016 in Kraft getretene Strafgesetzbuch neu hat eine Reihe von weiteren diesbezüglichen Verbesserungen – insbesondere hinsichtlich der sexuellen Selbstbestimmung – mit sich gebracht. Mit dieser Broschüre wird den bereits hier lebenden und den neu hinzugekommenen Menschen eine Richtlinie, wie das soziale Miteinander im Bereich der Sexualität funktionieren soll, mitgegeben. Die Einhaltung dieser Spielregeln und der Normen wird entscheidend dafür sein, ob die geflüchteten Menschen im Aufnahmeland auf Akzeptanz oder Ablehnung stoßen."

Schmidt: Viele Verbesserungen geschafft

"Die hohe Anzahl von Gewalt betroffenen Frauen ist unerträglich. Aber wir haben viele Verbesserungen geschafft: zuletzt, dass ein Nein genügen muss. Die Piktogramme kommen ab sofort in der konkreten Arbeit zum Einsatz, und die Stadt Salzburg verstärkt das Angebot der Selbstbehauptungskurse an den städtischen Neuen Mittelschulen", sagte Alexandra Schmidt, Frauenbeauftragte der Stadt Salzburg.

Lugstein: Präventionsangebote für unterschiedliche Zielgruppen setzen

"Gewalt gegenüber Mädchen und Frauen kennt keine Ländergrenzen. Sie findet überall und in allen Gesellschaftsschichten statt. Um dem entgegenzuwirken, ist es wichtig, unter anderem entsprechende Präventionsangebote für die unterschiedlichen Zielgruppen zu setzen", sagte Teresa Lugstein von make it – Büro für Mädchenförderung. "Die Workshops für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge stellen eines davon dar. Wichtig war, gemeinsame Qualitätsstandards – zum Beispiel bei der Ausbildung der Trainerinnen und Trainer, bei Dauer und Inhalten der Workshops oder bei den Rahmenbedingungen – für die Workshops festzulegen, einen laufenden Erfahrungsaustausch zu ermöglichen und somit rasch auf weitere Anforderungen zum Beispiel bei der Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen reagieren zu können.

Die Workshops wurden im Auftrag von Frauen- und Integrationslandesrätin Berthold sowie Vizebürgermeisterin Hagenauer konzipiert. Sie sind ein kostenloses Angebot, verfolgen einen geschlechtersensiblen und gewaltpräventiven Ansatz und richten sich vor allem an jugendliche unbegleitete Flüchtlinge. Die Umsetzung in Landgemeinden erfolgt durch das Referat Jugend, Generationen, Integration des Landes in Kooperation mit dem Verein akzente Salzburg. In der Stadt wird die Kampagne vom Verein Selbstbewusst umgesetzt.

Inhalte und Ziele

Die Workshops vermitteln Orientierung für das Zusammenleben (Welche Rechte und Pflichten habe ich? Was ist erlaubt und was ist verboten?) und informieren über Beratungsangebote. Auf dem unverhandelbaren Grundwert der Gleichstellung der Geschlechter setzen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kritisch mit ihren Rollenbildern und Haltungen auseinander. In den Workshops werden verschiedene sexualpädagogische Themen aufgegriffen: sexuelle Orientierung und Identitäten, Aufklärung, Verhütung, Schwangerschaft, Sexualität, sexualisierte Gewalt. Gleichzeitig werden selbstbestimmte Lebenswege bei der Berufswahl und in Beziehungen aufgezeigt.

Qualifikation der Trainerinnen und Trainer

Die Trainingsteams haben viele Qualifikationen in den Bereichen Gender- und transkultureller Kompetenzen. Viele Trainerinnen und Trainer sind ausgebildet im Bereich der Sexualpädagogik. Sie arbeiten in der Gewaltprävention und bringen langjährige Praxiserfahrung in der geschlechterreflektierten Jugendarbeit mit. In den Teams wird zudem Geschlechtergerechtigkeit sichtbar vorgelebt.

16 Tage gegen Gewalt an Frauen – die Aktivitäten

Freitag, 25. November, TriBühne Lehen, Salzburg

Benefizabend zugunsten des Vereins Selbstbewusst unter dem Motto "Heiteres und Weiteres", Texte und Lieder mit: Werner Friedl, an der Harfe: Sabine Kraus, in Kooperation mit dem Frauenbüro der Stadt Salzburg.

Freitag, 25. November, Graz

Alexandra Schmidt, Frauenbeauftragte der Stadt Salzburg, referiert über die Piktogramme und über die Aktion "ein Nein muss genügen" bei der Tagung "Selbst Sicher!" in Graz, Informationen auf der Webseite der Stadt Graz.

Montag, 28. November, Innsbruck

Teresa Lugstein, Mädchenbeauftragte des Landes Salzburg, präsentiert die Broschüre "Let's talk about sex – Beziehungen – Kultur – Rechte" bei der Fachtagung "Frauen und Flucht" in Innsbruck, Informationen auf der Webseite des Landes Tirol.

Mittwoch, 30. November, Mozartkino Salzburg

Filmabend im Mozartkino: "Precious – Das Leben ist kostbar" – Salzburgs Opferschutzeinrichtungen stellen sich vor. Inhalt: Sie wird Precious genannt, kostbar, doch wertvoll oder gar geliebt fühlt Claireece sich nicht. Seit ihrer Kindheit wird sie von der Mutter drangsaliert und vom Vater vergewaltigt. Die Folge: zwei Kinder, HIV, keine Perspektive. Als Precious von der Schule zu fliegen droht, schließt sie sich einem alternativen Lehrprogramm an und stößt auf eine verständnisvolle Lehrerin. Diese Lehrerin entdeckt das schöpferische Potenzial in ihrer Schülerin. Der Filmabend ist eine gemeinsame Veranstaltung von Frauennotruf Salzburg, Frauenhaus Pinzgau, Gewaltschutzzentrum, Weißer Ring, auf Initiative des Landes Salzburg, Referat Frauen, Diversität, Chancengleichheit und von make it – Büro für Mädchenförderung, Begrüßung durch Landesrätin Martina Berthold.

Montag, 5. Dezember, Schloss Mirabell, Salzburg

Das Frauenbüro der Stadt Salzburg, make it – das Büro für Mädchenförderung des Landes und der Frauennotruf Salzburg laden zur Präsentation der Broschüre "Let's talk about sex – Beziehungen – Kultur – Rechte" im Schloss Mirabell, Pegasus-Zimmer, ein: Die Broschüre ist ein Beitrag, Verständigung über sprachliche Barrieren hinweg zu ermöglichen. Die darin aufgelisteten und in Österreich geltenden Rechte und Gesetze bieten Orientierung. Sie schärfen den Blick für selbstbestimmte Lebenswege in Sexualitäten, Beziehungen und Familie. Anschließend findet eine Diskussion mit Andrea Laher, Teresa Lugstein und Gabriele Rothuber, Sexualpädagogin im Verein Selbstbewusst, statt. Moderation: Alexandra Schmidt, Frauenbeauftragte Stadt Salzburg.

Dienstag, 13. Dezember, Salzburg, Mönchsberg 2, Edmundsburg, Europasaal

Alexandra Schmidt am Podium bei "Gewalt zu Hause", Tagung des Instituts für Menschenrechte der Universität Salzburg. Informationen können im Internet abgerufen werden.

Laufend während der 16 Tage

Workshops mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (männlich und weiblich getrennt), Stadt Salzburg in Kooperation mit Selbstbewusst, Land Salzburg (Mädchenbeauftragte des Landes Salzburg) in Kooperation mit den Sprachhelferinnen und Sprachhelfern von akzente Salzburg. 161117_10 (ram/grs)

Weitere Informationen: Philipp Penetzdorfer, Büro Landesrätin Martina Berthold, Tel.: +43 662 8042-4888, E-Mail: philipp.penetzdorfer@salzburg.gv.at.

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