Fachkongress zur Heilkraft der Alpen

Haslauer: Alpine Gesundheitsregion Salzburger Land hat sich zu österreichweitem Leuchtturmprojekt entwickelt

Salzburger Landeskorrespondenz, 19.04.2017
 

(LK) Die "Best Agers" stehen im Mittelpunkt von neuen gesundheitstouristischen Angeboten in Salzburg und Bayern. Eine aktuelle Studie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) zur Wirksamkeit von heimischen Naturressourcen auf ältere Gäste und eine umfassende Kundenbefragung sind unter anderem Thema beim kommenden Fachkongress am 5. und 6. Mai in St. Johann im Pongau.

Alpine Gesundheitsregion Salzburger Land

"Im Tourismus sind Spezialisierung und Innovation entscheidend, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Die Alpine Gesundheitsregion Salzburger Land hat sich seit der Gründung vor vier Jahren zu einem österreichweiten Leuchtturmprojekt entwickelt", sagte Landeshauptmann Wilfried Haslauer heute, 19. April. "Rund 80 Betriebe bieten inzwischen unter einer Marke Aufenthalte an, die die Naturressourcen unseres Landes hervorheben und medizinisch nachweislich positive Auswirkung auf die Gesundheit haben."

Die Vermarktung verläuft durchaus erfolgreich: "Mit der 'Alpinen Gesundheitsregion' setzt das SalzburgerLand echte Maßstäbe“, freute sich Leo Bauernberger, Geschäftsführer der Salzburger Land Tourismus GmbH. "Die natürlichen Gesundheitsressourcen im alpinen Raum zu erforschen, aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen buchbare Angebote zu entwickeln und diese unter einem gemeinsamen Dach einer interessierten Gästegruppe zugänglich zu machen – das sucht international seinesgleichen. Gerade aufgrund des demografischen Wandels, aber auch weil der Alltag von vielen als immer stressiger empfunden wird, ist Gesundheit den Menschen heute wichtiger denn je. Allein in Deutschland, dem wichtigsten Markt für den Tourismus im Salzburger Land, sagen 30 Prozent, dass Angebote rund um das Thema Gesundheit ein wichtiges Reisemotiv für sie darstellen. Für den Tourismus ergibt sich daraus eine riesige Chance, die wir im Salzburger Land frühzeitig erkannt haben und mit der 'Alpinen Gesundheitsregion' bestmöglich nutzen."

Bedeutsame Zielgruppe: Best Agers

Aus zwei Gründen ist die Zielgruppe der Gäste ab 65 Jahren – die Best Agers – von Bedeutung: durch die demografische Entwicklung zur alternden Gesellschaft ist sie erstens groß und wächst weiter. Zweitens sind die Trends zur Individualisierung, zur Erhaltung der Vitalität und der Attraktivität längst auch in dieser Gruppe angekommen. Damit die Tourismusregionen Salzburg und Oberbayern davon profitieren können, haben sich Partner auf beiden Seiten im EU-geförderten Projekt Trail for Health Nord zusammengetan, um die Wirkung von Heilressourcen auf ältere Gäste zu untersuchen und sie in buchbare Angebote zu gießen. Der kommende Fachkongress ist ebenso Teil des Projekts.

Heilkraft der Alpen – Fachkongress alpiner Gesundheitstourismus

Am 5. Und 6. Mai findet der Heilkraft der Alpen – Fachkongress alpiner Gesundheitstourismus statt, dessen umfassendes Programm heimische Heilressourcen und deren Wirkung als Grundlage für gesundheitstouristische Angebote rund um den älteren Gast in den Mittelpunkt stellt. Abgerundet wird die Veranstaltung durch praktisches Wissen rund um die Vermarktung solcher Angebote und Informationen zu den Rahmenbedingungen im Gesundheitstourismus wie beispielsweise die erforderlichen Fachkräfte.

"Die gesundheitlichen Ressourcen der Natur unseres Lebensraumes eröffnen auch nach heutigem wissenschaftlichen Stand eine Fülle von Möglichkeiten in Bezug auf Gesundheitsförderung, Prävention, Therapie und insbesondere Gesundheitstourismus“, so Ulrike Köstler, Vorstand der Plattform Heilkraft der Alpen und Mit-Organisatorin. "Die Wissenschaft bestätigt mittlerweile traditionelles Erfahrungswissen alpiner Heiltraditionen und liefert fundierte Belege für seriöse Angebote im Medizin- und Gesundheitstourismus. Immer mehr Menschen suchen gezielte Urlaubs-, Kur- und Freizeitangebote, die einen nachhaltigen Mehrwert für die Gesundung, bzw. Gesunderhaltung bieten. Vor allem die urbane Bevölkerung sucht zunehmend bewusster das gesundheitsfördernde und heilsame Potenzial der alpinen Region und das überlieferte Wissen rund um heilsame Naturressourcen. Hektik, Leistungsdruck und Natur-Entfremdung der modernen Konsumgesellschaft werden bewusster mit der Zunahme einer Vielzahl von Zivilisationserkrankungen in Verbindung gebracht."

Ebenfalls am Programm steht die Vorstellung von brandneuen Ergebnissen:

Klinische Studie und Kundenbefragung als Grundlagen für neue Angebote

Um passgenaue Angebote für Silver Agers zu entwickeln wurde der erste Schritt gerade abgeschlossen: Der Projektpartner Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg hat in der Jungbrunnen-BERG-Studie erstmals untersucht, ob ein aktiver Wander- und Heilbad-Urlaub das Immunsystem von Menschen ab 65 Jahren stärken kann. Durch Alterungsprozesse leidet auch das Immunsystem und wird mit der Zeit schwächer. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Ein einwöchiger Aufenthalt mit Wandern und Heilbaden verbessert signifikant das Gleichgewicht und erhöht langfristig die Sauerstoffsättigung und damit die körperliche Leistungsfähigkeit. Damit einhergehen die Erhöhung der Lebensqualität und die Verbesserung des Immunsystems.

Damit die neuen Angebote nicht nur auf fundierten wissenschaftlichen Säulen stehen, sondern auch praktisch nachgefragt werden sollen, wurde zeitgleich eine Kundenbefragung zum Thema Gesundheitsurlaub durchgeführt. Hauptaugenmerk lag dabei auf unterschiedlichen Altersklassen (14 bis 29, 30 bis 49, 50 bis 64, 65+). Im Ergebnis ist für 35 Prozent der Altersgruppe 65+ "Etwas für die Gesundheit tun" ein sehr wichtiges Reisemotiv.

"Aktive Natururlaube sind die beliebteste Urlaubsform in dieser Altersgruppe", sagte Arnulf Hartl, Studienleiter und Leiter des Instituts für Ecomedicine an der PMU. "Sie schätzen vor allem die Luftqualität und den Naturraum in Österreich und Bayern. Mehr als 75 Prozent der Betroffenen würden einen Gesundheitsurlaub auf Grund von 'Mangelnder Fitness, Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, mangelnde Beweglichkeit, Gleichgewicht und Übergewicht buchen'. Mehr als 80 Prozent der befragten Frauen in der Altersklasse 65 plus auch zur Stärkung ihres Immunsystems."

Angebotsentwicklung in Salzburg

In den drei Partnerorten Abtenau, Bad Wiessee und Bad Reichenhall werden in einem nächsten Schritt aus den Studienergebnissen Angebote entwickelt. "Im Mai und Juni bringen wir die Touristiker und Regionsvertreter erstmals zusammen und erarbeiten mit ihnen in mehreren Produktworkshops passgenaue und buchbare Angebote für ältere Gäste", erklärte Walter Haas, Geschäftsführer des ITG - Innovationsservice für Salzburg. "Damit sind wir das Bindeglied zwischen Forschung und Praxis. Ideal ist es, wenn alle innerhalb einer Destination an einem Strang ziehen und sich spezialisieren. Nur so kann auf Anbieterseite eine kritische Masse erreicht werden, um auf dem Markt gut sichtbar zu werden."

Angebotsentwicklung in Bayern

Neben bayerischen Forschungseinrichtungen ist auf Anbieterseite die Bayerisches Staatsbad Kur-GmbH Bad Reichenhall/Bayerisch Gmain Projektpartner. Hier arbeitet man an neuen innovativen gesundheitstouristischen Produkten mit den AlpenSole Heilquellen. "Die Kombination Baden in AlpenSole und Wandern wird von vielen langjährigen Gästen seit Jahren praktiziert", sagte Geschäftsführerin Gabriella Squarra. "Mit der Studie wollten wir überprüfen, ob die Erfahrungsberichte unserer Gäste den Tatsachen entsprechen oder sogar viel effektiver und effizienter wirken als erwartet. Persönlich schätze ich sehr die bisherigen guten Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der Ecomedizin der Paracelsus Medizinischen Universität unter Leitung von Prof. Arnulf Hartl und seinem Team. Hier begegnen sich Forschung, Wissenschaft und Rahmenbedingungen für die marktfähige Produktentwicklung. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Beteiligten sind für uns ein Gewinn."

Bad Reichenhall wurde im vergangenen Jahr für sein AtemOrt Kompetenznetzwerk und für die Stressprävention "Durchatmenzeit" als Leitprodukt für die Marke Gesundes Bayern ausgewählt. Die DurchatemZeit ist auch ein wissenschaftlich evaluiertes Produkt - in Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität München - das nunmehr marktreif adaptiert wird.

"Mit dem positiven Ergebnis aus unserer Jungbrunnenstudie werden wir diese Reihe fortsetzen: Ziel für unsere bayerischen Kurorte sind wissenschaftlich nachweislich wirksame Gesundheitsprodukte, die das kurortspezifische Heilmittel mit den Kernkompetenzen des Kurortes für neue Indikationen und Zukunftsbedürfnisse der Menschen erschließt."

Der Heilkraft der Alpen - Fachkongress alpiner Gesundheitstourismus 2017 findet in Kooperation mit der Alpinen Gesundheitsregion Salzburger Land und innerhalb des Projekts Trail for Health Nord statt und wird durch das europäische Programm Interreg Österreich-Bayern 2014-2020 gefördert.

Projekt Trail for Health Nord

Das EU-Projekt "Trail for Health Nord" (Interreg V-A Österreich-Bayern, AB40) fokussiert auf die wachsende Zielgruppe der älteren Menschen mit dem Motiv einer aktiven Verlängerung der Lebensqualität über gesundheitsfördernde Maßnahmen. Dazu werden in einem grenzüberschreitenden Kooperationsnetzwerk aus Forschungseinrichtungen, Transferorganisationen und touristischen Regionen evidenzbasierte gesundheitstouristische Produkte und Wertschöpfungsketten entwickelt. Die Basis bildet dabei eine klinische Studie in den drei Regionen Tennengau/Abtenau, Tegernsee/Bad Wiessee und Bad Reichenhall. Dabei wurde untersucht, wie sich ein Urlaub mit Kombination aus Bewegung im Naturraum und ortsgebundenen Anwendungen auf das Immunsystem und die Fitness älterer Menschen auswirkt. Darauf aufbauend werden in den jeweiligen Regionen evidenzbasierte gesundheitstouristische Angebote entwickelt, welche auf die spezifischen Ansprüche und Bedürfnisse älterer Menschen eingehen. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels im Tourismus wird im Rahmen des Projekts außerdem ein Fachkräftekonzept mit einer strategischen Ausrichtung auf das Kernangebot des Gesundheitstourismus entwickelt, um auch touristischen KMU einen Zugang zu einem professionellen Personalmanagement zu ermöglichen. Zum nachhaltigen gesundheitstouristischen Kompetenzaufbau werden zudem Qualifizierungs- und Transfermaßnahmen für Regionen und KMU entwickelt und angeboten (Trail for Health Nord, 2016).Infos könne im Internet unter www.trail-for-health.com abgerufen werden. 170419_10 (rb/sm).

Weitere Informationen: Thomas Kerschbaum, Büro Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Tel.: +43 662 8042-2332, Mobil: +43 664 1020564, E-Mail: thomas.kerschbaum@salzburg.gv.at.

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