Bilanz des Salzburger Flughafens für das Geschäftsjahr 2016

Jahresüberschuss von fünf Millionen Euro trotz weniger Flugbewegungen und leichtem Passagierminus

Salzburger Landeskorrespondenz, 20.06.2017
 

(HP) Turbulent war das jüngste Geschäftsjahr des Salzburger Flughafens: Mit dem großen Umstrukturierungsprozess von Air Berlin und NIKI und der Neuorientierung von Germanwings/Eurowings wurde die europäische Luftverkehrsbranche kräftig durchgerüttelt und die Neugestaltung des europäischen Luftverkehrsmarktes eingeleitet. Diese Turbulenzen waren auch in Salzburg zu spüren. Anlässlich der jährlichen Pressekonferenz zu den Ergebnissen des Salzburger Flughafens zogen heute, Dienstag, 20. Juni, Aufsichtsratsvorsitzender Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl und Airport-Geschäftsführer Roland Hermann Bilanz.

Natürlich spürt man Einschränkungen, wirtschaftliche Engpässe oder geopolitische Umwälzungen dort am schnellsten, wo sich der touristische und der Geschäftsreisemarkt treffen - in der Transportindustrie. Gehen die wirtschaftlichen Erfolge zurück, gibt es in einem Land Terroranschläge oder sind etwa auf anderen Kontinenten tiefgreifende politische Änderungen zu verzeichnen, ist die Luftverkehrswirtschaft ein verlässliches Messinstrument für diese Veränderungen. Dort, wo es den Menschen schlecht geht, wird bei Urlauben und Reisen gespart. Anschläge in den Zielmärkten, wie etwa der Türkei, Ägypten oder unseren europäischen Nachbarländern, ein drohender "Brexit" - all diese Komponenten bestimmten die täglichen Änderungen im weltweiten Buchungs- und Reiseverhalten.

Der neu entwickelte integrierte Geschäftsbericht, der bereits 2015 seine erste Umstrukturierungsphase hinter sich gebracht hat, liegt nun vor. Neben Finanzzahlen werden vor allem den Bereichen Umwelt, Nachhaltigkeit, Social Responsibility und Human Ressources, Bauen und Risikomanagement großer Wert beigemessen.

Das Jahr 2016 in Zahlen

Gerade der Luftverkehr reagiert sehr sensibel auf äußere Einflüsse und das kann man auch aus den Verkehrsergebnissen 2016 herauslesen: 1.739.288 abgefertigte Passagiere entsprechen einem Minus von 4,9 Prozent im Vergleich zu 2015. Auch ein geringfügiger Passagierrückgang von 0,6 Prozent (1.373.454) im wichtigsten Verkehrssegment, dem Linienverkehr, wurde 2016 verzeichnet. Ganz dem Trend der vergangenen Jahre entsprechend - weg vom Charter und hin zum Linienverkehr - reduzierte sich der Passagieranteil im Charter-Outgoing-Bereich um 37,4 Prozent (141.417). Spannend war der Anstieg im Bereich der Charter-Incoming-Passagiere, der um 1,3 Prozent (221.799) zulegte. Ähnlich sieht es auch bei der Anzahl der Flugbewegungen aus. Mit -36 Prozent weniger Flugbewegungen im Charter-Outgoing Bereich (1.047 Bewegungen) und einer moderaten Steigerung im Charter Incoming-Bereich von +8,6 Prozent (1.647 Bewegungen). Bei den Linienflügen wurde ein Rückgang von -8,2 Prozent auf 14.558 Bewegungen verzeichnet. Bei der Allgemeinen Luftfahrt (General Aviation Verkehr) - das sind gewerbliche und alle privaten Flüge (Leichtflugzeuge, Geschäftsreiseflugzeuge, Privatflugzeuge, Rettungshubschrauber, militärische und behördliche Luftfahrt) - ist ein Rückgang von -6,2 Prozent auf 36.759 Bewegungen zu vermelden.

Schwierige Verkehrslage in Europa - positiver Blick in die Zukunft

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen, die 2016 vorherrschten, kann der Flughafen auf ein gutes Finanzergebnis verweisen. Die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr sind durchaus positiv, ein neuer Partner ist mit Eurowings "an Bord" gekommen und konnte bereits Anfang des Jahres 2017 Verluste ausgleichen. 2016 lag der Fokus für den Incoming Verkehr nach wie vor auf den bis zu mehrmals täglich angebotenen Verbindungen aus den europäischen Metropolen wie Frankfurt, Wien, Düsseldorf, Berlin, Köln, Zürich, Palma de Mallorca, Amsterdam (im Winter die dritte Allianz in Salzburg: Skyteam) und den London Airports. Die politischen Unruhen und terroristischen Anschläge trafen leider auch den Partner Turkish Airlines im vergangenen Jahr heftig. Von zehn gut ausgelasteten wöchentlichen Verbindungen wurde wegen der vorherrschenden Situation in der Türkei das Angebot auf vier wöchentliche Flüge reduziert. Auf Grund der Tatsache, dass die Weiterflüge über den Istanbul Hub großen Anklang gefunden haben, ließ Turkish Airlines an der Destination Salzburg festhalten. Viele europäische - darunter einige deutsche Flughäfen - wurden aus dem Flugprogramm komplett gestrichen.

"Das vergangene Geschäftsjahr war ein sehr herausforderndes Jahr im Luftverkehr. Alle hatten mit der europäischen Airline-Situation zu kämpfen, aber wir wissen ja, dass jeder Change-Prozess mit teilweise unerfreulichen Begleitumständen zu kämpfen hat. Die Situation mit Air Berlin und NIKI hat den europäischen Luftverkehrsmarkt ordentlich getroffen! Umso erfreulicher ist das laufende Geschäftsjahr zu betrachten, das uns Eurowings nach Salzburg gebracht hat. Schon Mitte August 2016 wurde die frohe Botschaft über die Errichtung einer Eurowings-Basis in Salzburg bekanntgegeben. Das ist ein wichtiger Schritt in der weiteren Entwicklung des Salzburger Flughafens. Eurowings ist ein Partner, der mit der weltbekannten hohen Qualität einer Lufthansa fliegt und mit dem damit verbundenen Streckennetz günstige Flugverbindungen anbieten kann. Die Stationierung von Eurowings in Salzburg ist ein wichtiges Signal für die Zukunft. Schon der große Leonardo da Vinci hatte den Traum vom Fliegen, den Traum den Himmel zu erobern und sagte: Wenn du einmal das Fliegen empfunden hast, wirst du für immer auf der Erde wandeln mit deinen Augen himmelwärts gerichtet, denn dort bist du gewesen und dort wird es dich immer wieder hinziehen. Mir geht es schon mein ganzes Leben nicht anders! Der Himmel, die Luftfahrt, die Fliegerei, der Flughafen Salzburg hat mein Leben die letzten Jahrzehnte geprägt und bestimmt. Ich bin dankbar, dass ich einem so tollen Unternehmen lange Jahr vorstehen durfte und danke allen Freunden, Mitarbeitern und Partnern, die mit mir zum Wohle des Salzburger Flughafens zusammengearbeitet haben. Das laufende Jahr, ist das Eurowings Jahr am Salzburg Airport, ein Jahr das positiv begonnen hat und - da bin ich mir sicher - auch positiv enden wird", so Flughafengeschäftsführer Roland Hermann.

Erfreuliche Entwicklung beim Frachtgeschäft

Erfreulich entwickelte sich das Frachtgeschäft am Salzburg Airport. Ein Zuwachs bei der Luftfracht (excl. Trucking) von 18,6 Prozent auf 253.070 Kilogramm sowie ein Anstieg der Luftfracht-Ersatztransporte von 5,56 Prozent auf 11.682.940 Kilogramm ist mehr als erfreulich.

Die Finanzen im Überblick

"Es ist das erste Geschäftsjahr, bei dem ich auch als alleiniger Geschäftsführer über den Finanzbereich berichten darf. Trotz schwieriger Begleitumstände im letzten Geschäftsjahr können wir auf einen Jahresüberschuss von mehr als fünf Millionen Euro zurückblicken", so Geschäftsführer Hermann zu den Ergebnissen.

Mit einem Umsatz von 63,870 Millionen Euro wurde das Vorjahresergebnis um 4,33 Prozent unterschritten. Beim Betriebsergebnis (EBIT), das bei 5,088 Millionen Euro lag, musste ein Rückgang von 24,42 Prozent im Vergleich zum Ergebnis des Vorjahres verbucht werden. Der Jahresüberschuss von 5,314 Millionen Euro wies ein Plus von 2,07 Prozent im Vergleich zu 2015 auf. Sowohl die Eigenkapitalquote (69,89 Prozent) als auch die Eigenkapital-Rentabilität (7,5 Prozent) konnten in etwa gehalten werden.

Knapp sieben Millionen Euro Investments im Jahr 2016

Investitionen sichern die Zukunft eines jeden Wirtschaftsbetriebes. Der Salzburger Flughafen muss, um in der Zukunft auch konkurrenzfähig zu bleiben, auf einem modernen und technisch hohen Niveau gehalten werden.

"In einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld und in Zeiten, in denen jeder ausgegebene Cent dreimal umgedreht werden muss, ist es dennoch wichtig, in Arbeitsplätze und die heimische Wirtschaft zu investieren. Der Salzburger Flughafen, von dem knapp 1.500 Arbeitsplätze abhängig sind, investierte 2016 mehr als 6,8 Millionen Euro. 90 Jahre alt ist er geworden, der Flughafen der Salzburger, ein Traditionsbetrieb, der für die Salzburger Wirtschaft und den Tourismus unverzichtbar ist. Ich bedanke mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mit viel Einsatz und Engagement zum Erfolg des Salzburger Flughafens beitragen - und heute ganz besonders bei Flughafenchef Roland Hermann, der mit Ende dieses Jahres in den Ruhestand tritt und ein gut aufgestelltes Unternehmen hinterlässt", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende des Salzburger Flughafens, Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl.

2016 wurden verschiedene Investitions- und Instandhaltungsprojekte umgesetzt. Unter den Investment-Projekten stachen vor allem die neue Energiezentrale Mitte (1,9 Millionen Euro), die Sicherung der Flughafenunterführung durch Verbau von Niroster-Lamellen (0,42 Millionen Euro) und die Vorbereitungsarbeiten und Planungen für die Generalsanierung der Piste (0,59 Millionen Euro) im Jahr 2019 heraus. Für Fahrzeuge, IT und kleinere Baumaßnahmen wurden in Summe mehr als 1,4 Millionen Euro aufgewendet.

Umwelt, Nachhaltigkeit und Nachbarschaftsbeziehungen

Nach dem erfolgreichen UVP-Verfahren (Umweltverträglichkeitsprüfung) 2015 stand auch das abgelaufene Geschäftsjahr stark im Focus von Umwelt, Nachhaltigkeit und Anrainer. Spezielles Augenmerk sei auf den von den deutsch-österreichischen Ministerien eingesetzten technischen Ausschuss gelegt, bei dem auch das Airport-Kernteam des Bürgerinnenbeirates beratend vertreten war. In diesem technischen Ausschuss wurden Verbesserungspotenziale für Bayern speziell im Bereich von alternativen Flugrouten erarbeitet und in Wien und Berlin nach Abschluss der Arbeiten vorgelegt. Die Eigentümer des Flughafens, Land und Stadt Salzburg, haben in diesem technischen Ausschuss die Interessen des Salzburger Flughafens gegenüber den deutsch-österreichischen Ministerien gemeinsam vertreten.

"Unser Flughafen ist ein Verkehrsunternehmen, dessen Betrieb wie bei der Straße und bei der Schiene, zu Umwelt- und Lärmbelastungen der direkt daneben wohnenden Bevölkerung führen kann. Dessen sind wir uns durchaus bewusst. Aber wir haben in den vergangenen Jahren gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern diesseits und jenseits der Grenze, den Airlines und der Austro Control den richtigen Weg eingeschlagen und sind mit unseren Bemühungen und den damit verbundenen vielen positiven Änderungen, die es in der jüngsten Zeit gegeben hat, auf fruchtbaren Boden gestoßen. Diesen gemeinsamen Weg werden wir auch in der Zukunft auf Österreichs größtem Bundesländerflughafen weiterverfolgen", so Aufsichtsratsvorsitzender Stöckl.

Das Jubiläumsjahr: ein historischer Rückblick von 1926 bis 2016

Seit der Eröffnung des Flugfeldes Maxglan im August 1926 sind viele Jahre vergangen und die Welt hat sich verändert. Bereits in den 30er Jahren konnte man vom Flugplatz Maxglan-Salzburg 34 Städte im Tagesanschluss erreichen. Um den Herausforderungen in der Zukunft gewachsen zu sein, wurde am 1. Juli 1969 die neue 2.200 Meter lange Nord-Süd Piste in Betrieb genommen. Nur drei Tage später landete erstmals der österreichische National Carrier, Austrian Airlines, in Salzburg. Die folgenden Jahre waren geprägt durch intensiven Aufbau im Bereich Infrastruktur mit begleitenden überregionalen Marketing- und Werbemaßnahmen für die Region Salzburg. In den 80er Jahren entwickelte sich der Flughafen - dank der hervorragenden Skipisten in der Region - allmählich zum "Gateway to the Alps". Die vorangegangenen Marketingbemühungen - vor allem auf dem britischen Markt - zeigten die ersten Früchte und Salzburg mauserte sich zum zweitgrößten Flughafen Österreichs mit großen Passagier-Spitzen im Winter. Mit der Installation des Präzisionsanflugsystems, dem Instrumenten Anflug System (ILS und NDB-System), gelang es dem Flughafen, international wettbewerbsfähig zu bleiben und computergesteuerte Anflüge auch bei schlechten Wetterbedingungen in Salzburg sicherzustellen. Die Anbindung an internationale Drehkreuze wie Amsterdam, Düsseldorf, Frankfurt, Paris, Wien und Zürich folgten mit Beginn der 90iger Jahre. Damit konnte das Angebot ab Salzburg zu fliegen, deutlich verbessert werden. Mit der Jahrtausendwende kam auch die Zeit des LCC Verkehrs nach Österreich. Billigfluggesellschaften wie etwa Ryanair oder Skyeurope präsentierten ein neues Konzept: günstig fliegen mit wenig Service. Viele Passagiere nutzten diese neue Art des Reisens und sorgten für einen Aufschwung auf den europäischen Flughäfen. In Salzburg kamen jetzt neben den Traditions-Gästen aus England und Skandinavien zunehmend mehr Passagiere aus dem zahlungskräftigen Russland, der Ukraine oder Estland. Das bescherte den Tourismusregionen von Stadt und Land Salzburg ein deutliches Umsatzplus.

Um die Winter-Passagierspitzen bei steigenden Sicherheitsvorgaben der EU noch qualitativ gut abfertigen zu können, wurde ein zweites Terminal als "Overflow Area" errichtet. Die Passagierspitzen konnten so auch im Winter gut bewältigt werden. Neben seiner Funktion als Abfertigungsterminal während der Wintersamstage, fungiert das amadeus terminal 2 während des restlichen Jahres als Eventlocation für Veranstaltungen aller Art. Ein ganz besonderes Jahr war das Jahr 2007. Mehr als 1,9 Millionen Fluggäste konnten in diesem Jahr am Salzburg Airport begrüßt werden. Der Einbruch kam im darauffolgenden Jahr mit der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise. In solchen Zeiten spüren der Tourismus und die Luftfahrt die Auswirkungen unmittelbar. Für Salzburg bedeutete das, dass im Jahr 2009 ein Rückgang von knapp 400.000 Passagieren verkraftet werden musste. Durch geschickte strategische Maßnahmen der Geschäftsführung und tiefgreifende Sparprogramme innerhalb des Flughafenkonzerns gelang es, das Unternehmen auf einem wirtschaftlich stabilen Kurs zu halten.

Mit einem abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramm lud der Flughafen am 18. September zum großen Flughafenfest. Mehr als 20.000 Besucher konnten das bunte Programm - von ORF-Bühne, Flugzeug- und Hubschrauberausstellungen (Bundesheer, Flying Bulls, Polizei, ÖAMTC, Airlink, Heli Austria, S-Air etc.), einer Show des Skydive Teams bis hin zu diversen Kinderaktivitäten - genießen. Highlights waren "The Race", ein Rennen zwischen einem Alpha Jet und einem Formel I Rennwagen auf der Start- und Landebahn und eine "Abfangübung der Luftraumüberwachung des österreichischen Bundesheeres" mit zwei Mehrzweckkampfflugzeugen des Typs Eurofighter Typhoon. 170620_27