Frauenrechte sind auch Männersache

Troll-Borostyáni Preis 2018 für Initiatorinnen des Frauenvolksbegehrens 2.0 / Ehrenpreis für Teresa Lugstein

Salzburger Landeskorrespondenz, 08.03.2018
 

(LK)  Am heutigen Internationalen Frauentag wurde der Troll-Borostyáni Preis für herausragende feministische Initiativen im Unipark Nonntal vergeben. Diesjährige Preisträgerinnen sind Lena Jäger und Barbara Lea Schubert für die Initiative Frauenvolksbegehren 2.0. Zudem wird ein Ehrenpreis für den jahrelangen Einsatz von Teresa Lugstein für Mädchen und Frauen mit Behinderungen vergeben. Der Preis wird an Sonja Stadler, Gründungsmitglied des Vereins knack:punkt, Selbstbestimmt-Leben Salzburg, verliehen. Sie hat gemeinsam mit Teresa Lugstein viele junge Frauen gestärkt und wird diese Arbeit fortführen.

Fast 650.000 Frauen und Männer haben sich vor 20 Jahren mit ihren Unterschriften für die Gleichstellung von Frauen in Österreich stark gemacht. "Passiert ist seither wenig bis nichts." So steht es in den ersten Zeilen des Frauenvolksbegehrens 2.0. Nun tritt eine breite gesellschaftliche Bewegung an, um die volle Gleichstellung der Geschlechter mit verfassungsgesetzlichen Regelungen durchzusetzen. In die Forderungen werden alle Lebensbereiche miteinbezogen, von der Gewaltprävention über die Einkommensgerechtigkeit bis hin zur Bekämpfung von Frauenarmut, sowie der Ausbau der Kinderbetreuung. Eine gesellschaftspolitische Forderung, die Männer gleichermaßen betrifft.

Berthold: Selbstbewusst halbe-halbe machen

"Der Aufruf des Frauenvolksbegehrens geht an uns alle: Gestalten wir unsere Zukunft als eine gerechte Gesellschaft, in der Männer und Frauen gleichberechtigt leben können, in der alle Menschen in ihrer Vielfalt akzeptiert werden und in der Frauenarmut wirklich bekämpft wird. Als Politikerin ist es meine Aufgabe, mich für ein gutes Leben für alle einzusetzen. Ich trete für eine geschlechtergerechte Gesellschaft ein, in der Frauen und Männer selbstbewusst halbe-halbe machen und deshalb unterstütze ich das Frauenvolksbegehren", betont Landesrätin Martina Berthold.

Hagenauer: Eine kleine Gruppe, die viel bewegt

"Es ist bemerkenswert, wie viel Aufmerksamkeit und Unterstützung eine kleine Gruppen von Frauen erreichen kann – und zwar für mutige, zukunftsweisende Forderungen", sagt Anja Hagenauer, Bürgermeister-Stellvertreterin in der Landeshauptstadt und ressortzuständig für Frauenangelegenheiten. "Durch die gute Arbeit der österreichweiten Aktionsgruppe ist das Thema auch in Salzburg breit diskutiert und unterstützt worden", so Hagenauer.

Junge Frauen mit Behinderungen ermutigen und stärken

Seit dem Jahr 2000 war Teresa Lugstein Mädchenbeauftragte des Landes Salzburg. Ihr Projekt: ,make-it'. Ihre Aufgabe: Junge Frauen zu stärken und zu ermutigen, eigene Wege zu gehen. Die Aktivitäten des Mädchenbüros waren dabei vielfältig. Neben Beratung, Konferenzen oder Infobroschüren wie dem "Girls Guide", galt Lugsteins größter Einsatz jungen Frauen mit Behinderungen. Am 22. Dezember 2017 ist Teresa Lugstein überraschend gestorben. Sonja Stadler hat gemeinsam mit Lugstein die Konferenzen für Mädchen mit und ohne Behinderungen organisiert und eine Mädchengruppe aufgebaut. Stadler ist Vertreterin der Initiative "Selbstbestimmt-Leben". Ihre eigene Lebensgeschichte als "Rollifahrerin", Mutter und Peer-Beraterin ermutigt viele.

Über Irma von Troll-Borostyáni

Die 1912 verstorbene Irma von Troll-Borostyáni war eine österreichische Vorkämpferin für Frauenrechte und gilt zudem als erste Salzburger Frauenrechtlerin. Der Einsatz der Schriftstellerin, Journalistin und Musikerin galt dem Wahlrecht von Frauen, der Gleichstellung von Mann und Frau in der Ehe, dem Kampf für Frauen- und Jugendbildung und gegen die Prostitution.

Die befreundete österreichische Schriftstellerin, Frauenrechtlerin, Kulturphilosophin Rosa Mayreder schrieb 1912 in der Zeitschrift "Neues Frauenleben" über Troll-Borostyáni: "Ihr erstes Eintreten für die Sache der Frauen – 'Die Mission unseres Jahrhunderts', eine Studie zur Frauenfrage, 1878 – fiel noch in eine Zeit, in der diese Bestrebungen ganz allgemein als eine Verirrung und jedes 'Emanzipationsgelüst' bei einer Frau als ein Symptom der Entartung betrachtet wurden. Man muß diese Zeit selbst mitgemacht haben, um ermessen zu können, wieviel Unbeugsamkeit, Charakterstärke, Unabhängigkeitssinn dazu gehörte, für die Ideen der Frauenbewegung in der bürgerlichen Welt einzutreten. Und nicht weniger schwierig als die theoretische Arbeit war der praktische Lebenskampf für ein junges weibliches Wesen, das sich einen selbständigen Erwerb schaffen wollte."

Seit dem Jahr 1995 wird der Troll-Borostyáni-Preis von den Frauenbüros von Stadt und Land regelmäßig verliehen. Das Frauenvolksbegehren wird mit 4.000 Euro prämiert, der Ehrenpreis mit 2.000 Euro. Die Preisgelder werden zur Hälfte von Stadt und Land Salzburg getragen. 180308_60 (sm/mel)

Weitere Informationen: Philipp Penetzdorfer, Büro Landesrätin Martina Berthold, Tel.: +43 662 8042-4888, E-Mail: philipp.penetzdorfer@salzburg.gv.at.

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