Unteres Blockhaus am Paß Lueg wird gerettet

Schausberger besichtigte Fortschritte der Sanierungsarbeiten

Salzburger Landeskorrespondenz, 24.07.1997
 
Medium: Landeskorrespondenz

LK Landeshauptmann Dr. Franz Schausberger überzeugte sich gestern Mittwoch, 23. Juli, am Paß Lueg über die Arbeiten zur Rettung des sogenannten "Unteren Blockhauses" der Festungsanlagen. Sicherungsarbeiten waren unter anderem auch deswegen erforderlich, weil auf längere Sicht sich lösende Steine vom Festungsbauwerk den Verkehr auf der Bundesstraße gefährdet hätten. Die Arbeiten wurden über das Burgensicherungsprogramm des Landes abgewickelt.

Schon im Jahr 1258 und 1291 werden Befestigungen im Bereich des Paß Lueg erwähnt. Größere Baumaßnahmen setzten um 1560 ein, als Erzbischof Kuen Belasi auch die Burg Hohenwerfen verstärken ließ. Weitere große Baumaßnahmen erfolgten dann um 1620, als Erzbischof Paris Lodron das Salzburger Landesgebiet vor der Gefahr einfallender Truppen sichern ließ. An den damaligen Arbeiten war als Architekt auch der Dombaumeister Santino Solari beteiligt.

In späterer Zeit wurde der längst nicht mehr erhaltene Torbau, durch den die Paßstraße führte, verbreitert, so daß auch zweispännige Wagen seit 1740 den Paß durchgehend befahren konnten. In der Zeit der Napoleonischen Kriege gab es insbesondere 1809 erbitterte Kämpfe zwischen bayerisch-französischen Truppen und den Salzburger Schützen unter dem Kommando des Schützenhauptmannes Josef Struber aus Stegenwald.

In der Folge wurden auf französischen Befehl Teile der Befestigung gesprengt. Bei einem Aufenthalt von Kaiser Franz I. 1832 in Werfen besuchte dieser auch den Paß Lueg und gab den Befehl zu einer Instandsetzung der Festungsanlagen, die zur Wiedererrichtung des sogenannten "Unteren Blockhauses", sowie den Neubau des "Oberen Blockhauses" führte. Die beiden Blockhäuser wurden nach dem Stand der Wehrtechnik 1834 bis 1836 gestaltet. Beeindruckend ist die Exaktheit, mit der die großen behauenen Quadersteine ineinandergefügt wurden. 1901 gingen die Festungsanlagen von der Militärverwaltung in die Verwaltung des k.k. Forstterrains über.

In der Folge wurden durch die jeweiligen Erfordernisse des Straßenbaues die ursprünglich eindrucksvollen Toranlagen etappenweise abgebrochen. 1939 fielen auch die bis dahin noch sichtbaren gemauerten Pfeiler der Brückenanlage am Torbau. In den 60er Jahren wurde auch noch die steinerne Stiegenanlage zum unteren Blockhaus abgerissen, um die Paßstraße neuerlich zu erweitern. Erst in den vergangenen Jahren wurde die Bedeutung der Festungsanlagen für die Landesgeschichte Salzburgs und deren bauhistorischer Wert neu erkannt. B143-11C