Keramikpreise des Landes überreicht

Lilo Schrammel, Gabriele Hain, Maria Baumgartner und Canan Dagdelen als Preisträgerinnen

Salzburger Landeskorrespondenz, 15.05.1998
 
Medium: Landeskorrespondenz

LK In der Galerie im Traklhaus wurde gestern, Donnerstag, 14. Mai, abend, der 3. Salzburger Keramikpreis und zusätzlich noch einen weiterer Preis des Landes Salzburg überreicht. Gleichzeitig wurden auch der Preis und das Stipendium der Kunstsektion des Bundeskanzleramtes (BKA) vergeben. Den mit 50.000 Schilling dotierten Keramikpreis des Landes erhielt Lilo Schrammel; der zusätzliche, mit 20.000 Schilling dotierte Preis des Landes ging an Gabriele Hain. Maria Baumgartner ist Preisträgerin des mit 30.000 Schilling dotierten Preises des BKA; Canan Dagdelen erhielt das Stipendium des BKA (20.000 Schilling). Darüber hinaus kaufte die Kunstsektion des BKA Werke von Rosemarie Benedikt und Anton Raidel an. Der Leiter der Kulturabteilung des Landes,
Dr. Herbert Werner, nahm die Preisverleihung vor. Die Arbeiten der Preisträgerinnen sowie Werke von elf weiteren Künstlern/innen, die sich für die Keramikpreise beworben haben, sind noch bis zum 6. Juni in der Galerie im Traklhaus zu sehen.

Alle drei Jahre schreibt das Land Salzburg den Keramikpreis aus; die Kunstsektion des Bundeskanzleramtes stellt ebenfalls nun zum dritten Mal einen Preis und ein Stipendium zur Verfügung. Die Ausschreibung erfolgte österreichweit. 79 Keramikkünstler und Künstlerinnen bewarben sich mit Fotomaterial und Katalogen. Die Jury (Dr. Erika Patka, Hochschule für Angewandte Kunst in Wien, Mag. Barbara Reisinger, Keramikkünstlerin, Lehrbeauftragte an der Hochschule Mozarteum, Salzburg, Dr. Ekkart Klinge, Hetjens Museum für Keramik, Düsseldorf) wählte aus den Unterlagen 15 Kunstschaffende aus, die eingeladen wurden, für die Ausstellung in der Galerie im Traklhaus Originalarbeiten zu bringen.

Bei der 1. Sitzung für die Keramikpreise legte die Jury auch Wert auf die Zusammenstellung einer qualitätvollen und vielfältigen Ausstellung, wobei insbesondere auch die konsequente Weiterentwicklung eines Werkes innerhalb der letzten Jahre berücksichtigt wurde. Neben einigen bekannten österreichischen Keramikkünstlern wurden auch originelle Außenseiter dazugenommen. Von allen beteiligten Künstlern wurden aktuelle Arbeiten ausgewählt, die viele verschiedene Standpunkte in der zeitgenössischen Keramikszene dokumentieren. Mit der Präsentation der "Anwärter auf die Keramikpreise" ist wieder ein Einblick in das österreichische Keramikschaffen ermöglicht.

Die 2. Jurysitzung fand in der Ausstellung statt. Die Jurymitglieder sind wieder nach eingehenden Fachgesprächen über die vorliegenden Arbeiten zu ihrem Ergebnis gekommen. Sie haben sich für folgende Preisträgerinnen entschieden und ihre Begründung lautet: "Der Salzburger Keramikpreis hat sich durchgesetzt. Fast alle der führenden Künstlerinnen und Künstler Österreichs haben sich um ihn beworben. Da so viele bekannte Keramiker eingereicht haben, wurde bei der Preisvergabe auch das Gesamtwerk mitberücksichtigt. Die Preisträger beschäftigen sich konsequent seit Jahrzehnten mit ihrem spezifischen Thema und entwickeln immer wieder, auf ihren Ergebnissen aufbauend, neue Werke." Die einzelnen Jurybegründungen lauten folgendermaßen:

Lilo Schrammel (Keramikpreis des Landes Salzburg): Durch rhythmische Reihung gleicher aber abgestufter Formen stoßen Schrammels Arbeiten in den Raum vor und lassen durch die offenen Elemente gleichzeitig Raum in sich einströmen. Die frostig-weiße Farbgebung läßt den Eindruck plötzlicher Erstarrung im Lauf entstehen. Die stärkere Farbigkeit der früheren Arbeiten wird zugunsten einer Monochromie zurückgenommen, während die Sprödigkeit, die dem Werkstoff inne wohnen kann, zum Ausdruck gebracht wird.

Maria Baumgartner (Preis der Kunstsektion des BKA): Das Thema ist das Gefäß, das gleichzeitig auch Skulptur ist. Sie gibt der voluminösen Form Bewegung. Riesige Schalen schlängeln sich als Paar, werden fast schwerelos. Die Wände sind malerisch aufgelöst, wobei die Künstlerin eine persönliche, freie Ausdrucksform gefunden hat. Sie verbindet überzeugend die Bewegung der skulpturalen Form mit der Bewegung der Farbe.

Gabriele Hain (zusätzlicher Preis des Landes Salzburg): Gabriele Hain wagt sich an die Grenzen des Möglichen, die Wandung der Porzellangefäße aufzubrechen. Die über Jahrzehnte dauernde Auseinandersetzung mit diesem Thema führt zu immer wieder neuen, erstaunlichen Ergebnissen. In fragilen Porzellan-Objekten demonstriert die Künstlerin die Dualität von Substanz und Leere, wobei sie feinstrukturierte Zwischenstufen einzusetzen vermag.

Canan Dagdelen (Stipendium der Kunstsektion des BKA): Canan Dagdelen erhält das Stipendium für ihre innovative Leistung, Anregungen aus anderen Medien wie Fotografie und Computertechnik, in ihre Arbeit mit Keramik einzubauen. Sie bezieht verschiedene Schriftelemente aus unterschiedlichen Kulturkreisen in ihre abstrahierend figürliche Darstellung ein. Die Oberfläche dieser Bildtafeln transportiert einen persönlichen Inhalt, durch den sich die Künstlerin von den anderen in der Ausstellung vertretenen Keramikern absetzt. c100-21

Die Redaktionen erhalten mit der heutigen Landeskorrespondenz Kurzbiografien der Preisträgerinnen.