"Saftladen" hilft Benachteiligten seit 20 Jahren

Buchleitner: Gerchtigkeit kennt keine "Randgruppen"
Salzburger Landeskorrespondenz, 16. June 2000
Medium: Landeskorrespondenz
LK · Mit einem Festakt und einem anschließenden Konzert der Gruppe "Scheiblingseder" im Kulturgelände Nonntal feiert heute, Freitag, 16. Juni, eine einzigartige Sozialeinrichtung in der Stadt Salzburg ihr 20-jähriges Bestehen. Der "Saftladen" bietet Haftentlassenen, Wohnungslosen und Langzeitarbeitslosen untertags eine Aufenthaltsmöglichkeit. Neben einem preiswerten Mittagessen und alkoholfreien Getränken findet dort jeder, der Hilfe sucht, auch Gleichgesinnte und geschulte Sozialarbeiter/innen für ein Gespräch oder gemeinsame Aktivitäten. Landeshauptmann-Stell-vertreter Gerhard Buchleitner kennt den "Saftladen" seit den Gründungstagen und hat diese Einrichtung, die der Verein für Bewährungshilfe und soziale Arbeit betreibt, immer unterstützt. "Nach wie vor gelten Menschen, die aus der Haft entlassen wurden, auf Wohnungs- und Arbeitssuche sind oder Suchtprobleme haben, als so genannte 'Randgruppen', die von der Gesellschaft ausgegrenzt werden. Diese Haltung gewinnt leider wieder an Boden. Aber soziale Gerechtigkeit ist nur dann möglich, wenn auch die Benachteiligten eine Chance erhalten. Gerechtigkeit kennt keine Randgruppen", stellt Buchleitner klar.
Für den Sozialreferenten ist der "Saftladen" unter der langjährigen Leiterin Elrun Rothschädl zu einem fixen Bestandteil in der Sozialszene geworden: "Als erfolgreiche Tageseinrichtung hat der 'Saftladen‘ vielen Menschen Rückhalt und konkrete Hilfe geben können." Allein im Vorjahr wurden 22.337 Besucher/innen in der Schallmooser Hauptstraße 99 gezählt.
Pro Tag finden im Durchschnitt 80 Gäste den Weg in das Haus gegenüber dem Kleinen Theater. Viele Salzburger/innen geben dort ihre gut erhaltenen Kleidungsstücke ab, die dann einen Abnehmer unter den Saftladen-Besucher/innen finden. Dusche, Waschmaschine und Trockner stehen den Gästen ebenfalls zur Verfügung. Interessierte Besucher/innen können aber auch in der Schreibwerkstatt an der Straßenzeitung "Asfalter" mitarbeiten. Der "Saftladen" ist die Vertriebszentrale für dieses erfolgreiche Projekt, hier treffen sich die Straßenverkäufer/innen, denen die Hälfte des Kaufpreises von 20 Schilling für ihren Lebensbedarf bleibt.
"Für viele Menschen mit unterschiedlichen Problemen ist der Saftladen zum Wohnzimmer oder Familienersatz geworden. Selbstverständlich findet auch eine professionelle Beratung und Weitervermittlung durch die Sozialarbeiter/innen statt", erklärt Buchleitner. Sportliche Angebote wie Fußball oder Billard helfen, den Tag sinnvoll zu strukturieren.
"Drei Viertel der Besucher/innen sind arbeitslos, und zwar langfristig und wegen ihrer Probleme ohne echte Chancen auf einen Arbeitsplatz, 20 Prozent haben eine Haftstrafe hinter sich und können nur schwer wieder Tritt fassen", betonte der Sozialreferent. Finanziert wird die Einrichtung mit dem Schwerpunkt Straffälligenhilfe und Kriminalitätsprävention deshalb auch vom Justizministerium und dem Land. "Auch wenn ich mich häufig für diesen Bereich der Sozialpolitik rechtfertigen muss, unterstütze ich den 'Saftladen' aus voller Überzeugung", sagte Buchleitner. E123-11C