Oberalm feierte vor 50 Jahren Trennung von Hallein

Landesgeschichtliche interessante Darstellung vom Leiter des Landesarchivs Fritz Koller in "Unser Land"

Salzburger Landeskorrespondenz, 26.03.2002
 
Medium: Landeskorrespondenz
LK · Mit Glockenläuten und Böllerschießen feierte die Marktgemeinde Oberalm am Abend des
16. März 1952 das überwältigende Abstimmungsergebnis zu Gunsten einer Trennung von Hallein. Über dieses Ereignis vor fast genau 50 Jahre berichtet der Leiter des Salzburger Landesarchivs,
Dr. Fritz Koller, in der jüngsten Ausgabe der Salzburger Landes-Zeitung „Unser Land", die heute, Dienstag, 26. März, erschienen ist.
Am 1. Jänner 1939 wurde der Großteil von Oberalm nach Hallein eingemeindet. Ein kleinerer Teil, das vordere Wiestal, kam an Adnet, das dafür den „Adneter Riedl" an Hallein abtreten musste. Das Ganze war Teil der Schaffung von Großgemeinden durch die Nationalsozialisten. Manche dieser „Zwangsehen" hielten auch nach 1945, etliche wurden wieder „geschieden".
Den meisten Staub wirbelte die Auflösung von „Groß-Hallein" auf. Eine Unterschriftenaktion in Oberalm brachte schon 1946 eine Mehrheit von ca. 85 Prozent für eine Trennung von Hallein. Darauf aufbauend agierte ein Komitee von zwölf „Oberalmer Patrioten" mit dem Ziel „Los von Hallein". Taktisch geschickt verlangten sie nicht die sofortige Trennung, sondern eine Volksbefragung. Am 4. Jänner 1952 redete zum ersten Mal der Halleiner Gemeinderat offiziell mit ihnen. Die basis-demokratischen Forderungen der Oberalmer waren kaum zu widerlegen.
Die Halleiner Sozialisten unter Bürgermeister Johannes Döttl, die entschieden gegen eine Ausgemeindung auftraten, sprachen, so Dr. Koller in seinem Artikel, trotzdem von einem „Missbrauch der Demokratie". Für sie kam eine Ausgliederung deshalb nicht in Betracht, weil auf ehemals Oberalmer Gemeindegebiet in Neualm eine neue Wohnsiedlung, vor allem aber mit den Firmen Friedmann, Maier, Solvay, Halvic und dem Aula-Pöckelsalz-Werk ein bedeutender Industriekomplex im Entstehen war. Das zuletzt genannte Werk gehörte Anton Rieß, der als Vizebürgermeister mit seinem Wohnsitz auch nach dem Willen der Halleiner ÖVP unbedingt bei Hallein verbleiben sollte.
Ohne Illusion über den Ausgang einer Befragung in Oberalm verlangten die Halleiner, Neualm und das Industriegelände von der Abstimmung auszunehmen. Das Oberalmer Komitee, im sicheren Gefühl des zukünftigen Sieges, forderte eine Befragung im gesamten Oberalmer Gebiet. Unversehens sah sich das Komitee jedoch mit Widerstand in den eigenen Reihen konfrontiert: Die Stadtgemeinde Hallein mobilisierte Oberalmer Unternehmer, die bislang an kommunalen Aufträgen gut verdient hatten und nun bei Wirtschaftskammer und Landeshauptmann gegen die Abtrennung auftraten. Nachdrücklich wurde dabei auch die Frage nach der demokratischen Legitimation des Oberalmer Komitees gestellt. Solcher Art unter Druck lenkte das Komitee ein: Neualm und das Industriegelände, ausdrücklich unter Einschluss der Wohnstätte vor Vizebürgermeister Rieß, wurden vom Abstimmungsgebiet ausgenommen.
Der Landtag griff den Kompromiss umso eifriger auf, als die Oberalmer Angelegenheit mittlerweile eine Lawine auszulösen drohte: In einer merkwürdigen Trotzreaktion wollte Bürgermeister Döttl bei Ausscheiden von Oberalm auch den 1939 eingemeindeten Dürrnberg wieder ausgliedern. In Taxach, das schon 1895 zu Hallein gekommen waren, regten sich nie erloschene Unabhängigkeitsbestrebungen, Adnet, das mit dem Verlust von Vorderwiestal rechnete, wollte dafür von
Hallein den „Adneter Riedl" zurück und selbst in Puch, das von all dem überhaupt nicht betroffen war, träumten laut Koller Separatisten von einer eigenen Gemeinde St. Jakob am Thurn.
Die Abstimmung am 16. März 1952 brachte das erwartete Ergebnis: In dem mit Hallein verbundenen Oberalmer Abstimmungsgebiet stimmten 78 Prozent, im Vorderwiestal 88 Prozent für ein selbstständiges Oberalm. Obwohl der Landtag nicht an dieses Ergebnis gebunden war, konnte er ein so deutliches Votum nicht übergehen. Alles spitzte sich jetzt auf die Frage der Grenzziehung zwischen Oberalm und Hallein zu. Das Oberalmer Komitee war entschlossen, um jeden Fußbreit zu kämpfen. In Neualm und im Industriegelände, wo man an der Abstimmung vom 16. März nicht hatte teilnehmen dürfen, wurde jetzt eine Befragung initiiert, die gleichfalls ein überwältigendes Ergebnis für eine Trennung von Hallein brachte. Demgegenüber setzte sich im Landtag, dessen Verfassungsausschuss eine Grenzbegehung vornahm, die Erkenntnis durch, dass landespolitisch ein breiter Konsens nur bei einem Verbleib dieses Gebietes bei Hallein zu erreichen sein würde.
Am 11. Juni 1952 verabschiedete der Salzburger Landtag das Gesetz „über die Wiedererrichtung einer Marktgemeinde Oberalm". Die abgetrennten Teile verblieben als Katastralgemeinde
„Oberalm II" bei Hallein. Am 22. Februar 1953 wählte Oberalm seinen neuen Gemeinderat. Der letzte „Souveränitätsakt" der Stadtgemeinde Hallein in Oberalm betraf die Funktion von Bürgermeister Döttl als Leiter der Wahlbehörde. Die rege Teilnahme der Oberalmer Bevölkerung an der Konstituierung des neuen Gemeinderates und an der Wahl von Bürgermeister Josef Ernstbrunner am 28. Februar 1953 gestaltete die Abstimmung zu einem Festakt, der aus dem Gemeindeamt mit Lautsprechern auf die Straße übertragen wurde, berichtete Dr. Koller in „Unser Land". G60-30