Kultur-Jahresstipendien 2002 vergeben

Raus: Jahresstipendien an Judith Zillich, MMag. Gudrun Seidenauer und MMag. Alexandra Karastoyanova-Hermentin

Salzburger Landeskorrespondenz, 12.11.2002
 

LK Ÿ Judith Zillich, MMag. Gudrun Seidenauer und MMag. Alexandra Karastoyanova-Hermentin erhielten heute, Dienstag, 12. November, die Jahresstipendien des Landes Salzburg. Alle drei wurden von der Fachjury einstimmig vorgeschlagen. Die Stipendien sind mit je 10.000 Euro dotiert. Kulturreferent Landesrat Dr. Othmar Raus betonte bei der Übergabe, dass die Jahresstipendien als direkte Förderung der Künstler/innen besonders wichtig sind.

Judith Zillich erhielt das Jahresstipendium für Bildende Kunst. Die Künstlerin setzt sich seit drei Jahren intensiv mit Portraitmalerei auseinander. Das bevorzugte Thema ist das Selbstportrait. Judith Zillich hat einen konsequenten Weg eingeschlagen und sich mit der thematischen Konzentration auf das "Selbst" eine komplexe Aufgabe gestellt. Neben Ölbildern auf Leinwand, die meist in kleineren Formaten gehalten sind und manchmal auch textile Kollagen aufweisen, hat die Künstlerin auch den Kopf (oder auch nur Teile davon) auf dreidimensionale Holzobjekte gemalt. Diese Würfel- oder Puzzleteile ergeben in verschiedener Kombination einen variierten Gesichtsausdruck. Zillich setzte sich mit ihren Arbeiten unter 54 Bewerbungen durch.

Das Jahresstipendium für Literatur ging an MMag. Gudrun Seidenauer. Das von Gudrun Seidenauer eingereichte Romanprojekt "Der Kunstmann" ist ein überzeugendes Projekt, das Probleme und Konflikte der Zeitgeschichte (Identitäts- und Persönlichkeitswechsel ehemaliger SS-Leute) als bedrängende und verstörende Aktualität - gespiegelt in detailliert diagnostizierten Bewusstsein und Gefühlsstand einer männlichen Hauptfigur - wiedergibt. Auch hier entschied sich die Jury einstimmig. Es waren 24 Einreichungen vorgelegen.

Das Jahresstipendium für Musik erhielt MMag. Alexandra Karastoyanova-Hermentin. Vor allem das hohe Niveau der kompositorischen Ausarbeitung und der Ideenreichtum, der stimmungsvoll vermittelt wird, überzeugte die Jury. Sensibilität und Professionalität bilden die Grundlage für die kompositorische Kunst von Karastoyanova-Hermentin, so die Jurybegründung.

Judith Zillich wurde 1969 in Graz geboren, studierte 1992 bis 1995 an der Uni Wien Philosophie und besuchte 1993 und 1995 die Sommerakademie Salzburg. Von 1994 an studierte sie an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, an der sie 2000 die Diplomprüfung mit Auszeichnung ablegte. 1998 erhielt sie ein Leistungsstipendium und 1998/99 ein Auslandsstipendium für die Ecole Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris. Die Künstlerin zeigte ihre Werke in zahlreichen Gruppenausstellungen sowie als Einzelausstellungen in der Galerie Martine Moisan in Paris sowie in der Galerie Plank und in der Artothek-Galerie in Wien.

Gudrun Seidenauer wurde 1965 in Salzburg geboren und legte 1983 am BG III die Matura ab. Anschließend studierte sie Germanistik und Romanistik. Daneben begann sie ihre literarische Tätigkeit und widmete sich der Konzeption und Leitung von Werkshops und Kursen für "Kreatives Schreiben", Arbeit mit Frauen, ausländischen Jugendlichen usw. 1996 schloss sie das Diplomstudium mit einer Arbeit zu weiblichen Erinnerungsräumen ab. Anschließend begann sie das Lehramts-Studium für Deutsch und Italienisch, das sie im vergangenen Jahr abgeschlossen hat. MMag. Seidenauer ist unter anderem Trägerin des Rauriser Förderungspreises für Literatur (1991) und des Lyrikpreises des Landes Salzburg (1995). 1993/94 erhielt sie Nachwuchsstipendien des Bundes und 1998 das Österreichische Jahres-Staatsstipendium für Literatur. 1999 nahm sie am Internationalen Ingeborg-Bachmann-Bewerb für Literatur in Klagenfurt teil.

Alexandra Karastoyanova-Hermentin wurde in Moskau geboren und übersiedelte 1985 nach Sofia, wo sie an der staatlichen Musikakademie das Konzertfach Klavier- und Kammermusik mit Auszeichnung abgeschlossen hat. Seit 1994 lebt sie in Salzburg, wo sie am Mozarteum das Kompositions- und Klavierstudium fortsetzte. 1999 hat sie das Kompositionsstudium mit einer Arbeit zum Thema "Die IV. Symphonie Alfred Schnittkes - einige Besonderheiten ihrer musikalischen Sprache und der Komposition" mit Auszeichnung abgeschlossen. 2000 wurde der Künstlerin die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen und 2001 erhielt sie das österreichische Staatsstipendium. Als Komponistin nahm MMag. Karastoyanova-Hermentin am ZeitTon-Festival in Wien, am StArt-Festival in Salzburg am CHAIN-Festival in Holland, an den "Sound ways" in St. Petersburg, an der Nacht der Komponisten in Salzburg, an "Musica Nova", "Pianissimo" "Sofia Summer" und "Musicexange" in Sofia sowie "Skopsko leto" in Skopje teil. g221-11c

Franz Neumayr wird den Redaktionen Fotos von der Übergabe der Stipendien anbieten.