72 Mal Abwechslung beim Baden in Salzburg

Raus: Langfristig sichern, dass Zahl der Badestellen nicht geringer wird / Service für mehr Bade-Abwechslung

Salzburger Landeskorrespondenz, 13.06.2003
 

LK Ÿ Erst vor einer Woche konnte Salzburgs Umweltreferent Landesrat Dr. Othmar Raus die neuesten guten Zeugnisse für die heimischen Seen ausstellen. "Diese Ergebnisse haben wir nur durch massive Investitionen und Engagement der Öffentlichkeit erreicht. Die Öffentlichkeit hat deswegen ein Recht, diese Gewässer auch in vollen Zügen zu genießen," sagte Raus heute, Freitag, 13. Juni, bei einem Informationsgespräch. Ein Kataster mit 72 Badegelegenheiten an natürlichen Gewässern wurde nun erstellt.

Der Kataster soll zwei Funktionen haben. Erstens hat er einen klaren gesellschaftlichen Zweck: "Wir erlebten in den vergangenen Jahrzehnten, dass es einen schleichenden Rückgang der Möglichkeiten des freien Seezugangs gab. Nirgends wurde dieser Trend aber genau mitverfolgt. Mit dem neuen Kataster können wir genau registrieren, wenn wieder Badeplätze verloren gehen. Der Gemeingebrauch der Seen muss auch durch den praktischen Zugang zu ihnen gesichert bleiben," sagt Raus. Zuletzt hatte Raus mehrfach mit den Bundesforsten Gespräche geführt, von denen er die schriftliche Zusage hat, dass die Bundesforste ihre offenen Seezugänge nicht weiter einschränken werden. Raus stellte dabei klar, dass er jede Einschränkungen öffentlicher Seezugänge in Frage stellen werde: Egal ob diese kommerzielle Hintergründe haben oder diese mit dem Interesse des Naturschutzes argumentiert werden. "Der Mensch darf nicht systematisch ausgeschlossen werden, hier müssen wir eine Balance erhalten," so Raus.

Die zweite Funktion des Katasters ist das Service. Nicht selten denkt man, man sollte mal einen neuen Badeplatz ausprobieren und landet dann doch immer dort, wo man immer hingeht. Der Kataster bietet 72 Alternativen die helfen sollen, auf neue Ideen zu kommen. "Genießen wir unsere Seen und Bäche, wir haben auch viel Geld investiert, dass sie so schön sind," sagt Raus.

Der jedem im Internet zugängliche Kataster umfasst Badeplätze und Strandbäder an natürlichen Gewässern. Künstliche Freibäder sind nicht enthalten. Die Zusammenstellung ist in Kooperation mit den Gemeinden erfolgt. Ergänzungen sind jederzeit sehr willkommen.

Das Bundesland Salzburg besitzt insgesamt etwa 600 größere und kleinere Seen oder solche Gewässer, die umgangssprachlich als Seen bezeichnet werden. Neben den acht großen Seen Mattsee, Obertrumer See, Grabensee, Wallersee, Fuschlsee, Faistenauer Hintersee, Wolfgangsee und Zeller See bereichern etwa 30 kleine natürliche oder künstlich geschaffene Seen die Freizeitlandschaft. Der Großteil der stehenden Gewässer - es sind kleinere, meist entlegene auch im Sommer kalte Bergseen - befindet sich allerdings in hohen und höchst gelegenen Gebirgsregionen. Der höchstgelegene Badesee ist mit 1.514 Metern der Prebersee im Lungau, gefolgt vom Seewaldsee bei St. Koloman in 1.074 Metern Seehöhe.

Neben den wenigen kleinen natürliche entstandenen Badeseen wie Goldegger See, Böndlsee, Prebersee und Seewaldsee entstand in den Schotterfluren der Flusstäler durch Schotterentnahme eine größere Zahl künstlich geschaffener Bademöglichkeiten. Dazu gehören z. B. der Autobahnsee Viehhausen, der Bürgerausee in Kuchl, die Badeseen von St. Georgen, Liefering, Niedernsill, Uttendorf oder Hollersbach um einige zu nennen. Der Bürmooser See ist durch den Torfabbau entstanden.

In den vergangenen Jahren wurde eine größere Zahl von Kleinbadeteichen errichtet, deren Wasserreinhaltung in natürlicher Weise über Biologische Abbau- und Filtermechanismen erfolgt. Dieser wird dieser über eine Zwangsdurchführung des Wassers durch einen im Badegewässer integrierten Kieskörper unterstützt. Solche Badeteiche sind z. B. der Badeteich beim Augut in St. Johann, der Badesee in Werfenweng oder der "Seebad-Erlebnispark" in St. Martin am Tennengebirge.

Statistik

Strandbäder sind Bademöglichkeiten mit bester bis guter Infrastruktur, wie Restaurant, Büffet, sanitäre Einrichtungen, Aufsichtspersonal etc. Der Badeplatz bietet meist nur die Möglichkeit zum Baden.

In Salzburg gibt es

  • 20 Badeseen mit Strandbädern,

  • zwölf Badeseen mit anderen Badeplätzen,

  • 24 Strandbäder an den großen Seen,

  • 19 andere Badeplätze an den großen Seen,

  • zwölf kleine Badeseen mit Bädern,

  • zwölf kleine Badeseen mit Badeplätzen,

  • fünf Kleinbadeteiche mit Bädern,

  • fünf Badeplätze an Flüssen.

Die warmen Seen locken ...

Die sauberen Seen Salzburgs waren schon immer Attraktionen. Der Großteil der Badeplätze (43) liegt an den großen Seen. Diese erreichen in warmen Sommern angenehme Badetemperaturen. Im Wallersee und Grabensee sind Temperaturen von mehr als 24°C nicht selten, Mattsee, Obertrumer See und Fuschlsee erreichen bis 23°C, am kühlsten bleiben der große Wolfgangsee und auch der Zeller See mit rund 22°C. Sogar der Prebersee und der Seewaldsee, beides Braunwasserseen, werden trotz ihrer Höhenlage in heißen Sommern bis zu 20°C warm. In "Normalsommern" beträgt die Badetemperatur erfrischende 16° bis 18°C.

Die Qualität der großen Seen wird durch das Baden praktisch nicht beeinträchtigt. In kleinen Badegewässern kann ein intensiver Badebetrieb bei mangelnder hygienischer Disziplin zu Nährstoffeinträgen führen, die eine stärkere Entwicklung von Schwebealgen verursacht. Da lange heiße Wetterperioden mit intensivem Badebetrieb bei uns nur Seltenheitscharakter haben, können sich die belasteten Gewässer meist wieder soweit regenerieren, dass eine anhaltende Gefährdung des Gewässers und auch der Badenden nicht gegeben ist.

Klares Wasser - ein durchsichtiges Vergnügen

Bemerkenswert ist die Klarheit der Salzburger Badeseen. Im Wallersee und den Trumer Seen erreicht die mittlere Sichttiefe derzeit Werte zwischen 3,5 und 4,5 Meter. Im Zeller See, Fuschl- und Wolfgangsee, die für ihre besondere Klarheit bekannt sind, liegt sie im Durchschnitt zwischen 6,0 und 7,5 Meter. Die größte Transparenz erreicht der Wolfgangsee mit 16,1 Meter, dem der Fuschlsee mit 12,3 Meter nur wenig nachsteht.

Baden im Strandbad - Salzburger Tradition seit 130 Jahren

Relativ früh begann der organisierte Badebetrieb in den Salzburger Seen. Das älteste Strandbad der Trumer Seen ist das Strandbad in Mattsee, das von Dr. Heinrich Wallmann 1869 errichtet wurde. 1928 wurde das Strandbad vom Wiener Architekten Franz Mörth an den heutigen Platz verlegt. Das Kabinen- und Buffetgebäude, heute ein liebevoll renoviertes Baujuwel, wurde im "Salzkammergut-Stil" erbaut. Im Jahr 1874 wurde im Gemeindepark der Stadt Zell am See und in Seeham eine "Badeanstalt" eröffnet. Am Wallersee wurde 1885 in Neumarkt unterhalb Mayrhof eine "Badehütte für Männer" und unterhalb Matzing eine für Damen errichtet. Um 1900 entstanden erste Badehütten in Henndorf - Seebrunn und 1912 wurde das Neumarkter Strandbad mit 24 Kabinen eröffnet. Die Badeanstalt in Wallersee/Zell besteht seit 1923. Den Senioren ist auch noch die Badeanstalt im Leopoldskroner Weiher bekannt, das im 2. Weltkrieg den Bomben zum Opfer fiel.

Auch Fließgewässer reizen zum Baden

1933 wurde vom Seekirchner Verschönerungsverein zum Sommerfest im neu eröffneten Flussstrandbad an der Fischach eingeladen. Bis zur Errichtung des Seebades Seekirchen im Jahr 1962 bestand dieses "moderne, herrliche, stets reines und erfrischendes Wasser besitzendes Flussstrandbad". Gegenwärtig werden fünf Flussbadeplätze häufig besucht. Es sind dies das Felsenbad bei Faistenau im Almbach, die Mündung der Königsseeache in die Salzach in Hallein-Rif, die Taugl bei der Römerbrücke in Bad Vigaun, die Lammermündung in Golling und das Naturerholungsgebiet Vorderkaser in St. Martin bei Lofer. Die Wassertemperaturen erreichen hier maximal frische 18°C.

Die Strandbäder und Badeplätze im Land Salzburg

Die Badeplätze Salzburgs sind auf einer Salzburg-Karte, die Badeplätze an den großen Seen in Nebenkarten detailliert dargestellt und finden sich im Internet unter www.salzburg.gv.at/gewaesserschutz. An die Vollständigkeit darf kein Anspruch gestellt werden. Manche Insider-Plätzchen sollen auch solche bleiben.

"EU-Badestellen"

Zum Schutz der Umwelt und der Volksgesundheit hielt es 1975 die Europäischen Union für erforderlich, die Verunreinigungen der Badegewässer zu verringern und sie vor weiterer Qualitätsverminderung zu bewahren. Deshalb wurde die Richtlinie über die "Qualität der Badegewässer" (76/160/EWG) erlassen. Die Salzburger EU-Badestellen werden während der Badesaison, die vom 15. Juni bis 31. August dauert, zumindest in monatlichen, bei nicht entsprechender Qualität im Vorjahr in 14-tägigen Abständen, durch die Entnahme und Untersuchung von Wasserproben auf ihre Badeeignung überprüft. Die Untersuchungen betreffen vor allem die Erhebung der gesamtcoliformen und fäkalcoliformen Bakterien sowie Temperatur, Sichttiefe und allfällige optisch wahrnehmbare Verschmutzungen. Im Bundesland Salzburg werden 37 Badestellen entsprechend dieser Richtlinie überwacht. Im vergangenen Jahr war die Badewassereignung an allen Salzburger Messstellen gegeben. Die Ergebnisse des Vorjahres sind unter http://europa.eu.int/water/water-bathing/index_en.html im Internet abrufbar. H113-11B