Sohlstabilisierung Untere Salzach kurz vor Beginn

Eisl: Großprojekt soll weitere Eintiefung des Flussbetts bremsen

Salzburger Landeskorrespondenz, 09.10.2006
 

(LK)  Mit einem innovativen Großprojekt wollen Österreich und Bayern gemeinsam die fortschreitende Eintiefung der Salzachsohle zwischen der Stadt Salzburg und Oberndorf bzw. Laufen bremsen. Regulierungsmaßnahmen haben die Flusslandschaft seit 1820 wesentlich verändert, neben gewollten Effekten wie Hochwassersicherheit und stabilen Flussufern kam es auf weiten Strecken zum Sohldurchschlag und zur Austrocknung der angrenzenden Auen. In der Niederwasserperiode 2006/2007 sollen die Arbeiten zum Projekt "Sanierung Untere Salzach" starten. Finanziert werden soll das Millionenprojekt durch die Republik Österreich, den Freistaat Bayern und EU-Mittel.

Sohleintiefung durch Regulierungsmaßnahmen und Hochwässer

Salzachflusslauf, Geschiebedynamik und Geschiebetransport wurden vor allem durch Regulierungsmaßnahmen seit 1820 stark verändert. Verbauungsziel der Maßnahmen war neben der Schaffung von stabilen Flussufern zur Sicherung der Landesgrenze zwischen Bayern und Österreich auch die Verbesserung des Hochwasserschutzes für die angrenzenden Siedlungen. Die Salzach sollte durch technische Einbauten wie Verlandungsbauwerke und Querbauwerke in das vorgesehene Gewässerbett gedrängt werden. Nachdem größere Hochwässer zu Verlagerungen des Flusslaufes führten, ging man dazu über, die Salzach mit Parallelbauten zu regulieren. Die Flussbettbreite wurde ab dem Jahr 1873 von 150 Meter auf zirka 115 Meter reduziert, weitere Auflandungen wurden verhindert.

"Nach dem Hochwasser 1959 kam es zu einer Trendumkehr: Seither beobachten wir eine zunehmende, problematische Sohleintiefung, an manchen Stellen ist es bereits zum Sohldurchschlag gekommen", erklärte heute, Montag, 9. Oktober, Landesrat Sepp Eisl in einem Informationsgespräch zur aktuellen Situation. "Als Folge der Sohleintiefung kam es zum Absinken des Grundwasserspiegels und somit zu einer Entkopplung des Flusses von den Auen mit gravierenden Änderungen für das Auenökosystem und dessen Strukturvielfalt."

Kritischer Zustand

Die Eintiefung der unteren Salzach hat einen kritischen Zustand erreicht. Die vorhandene Kiesauflage ist über weite Strecken bereits ausgeräumt bzw. ist nur mehr eine relativ dünne Schutzauflage über dem feinkörnigen Seeton vorhanden. Das "Jahrhunderthochwasser" vom 12. August 2002 führte im Freilassinger Becken zu einem Sohldurchschlag auf einer Länge von mehreren Kilometern, wodurch dort der Seeton freiliegt. Da der Seeton nur einen sehr geringen Erosionswiderstand aufweist, ist die Standsicherheit der Böschungen entlang des Flusses gefährdet. Die Ergebnisse der Risikoanalyse bei Belassung der Salzach im Ist-Zustand zeigen erhebliche weitere Eintiefungen der Gewässersohle im Freilassinger Becken, im Ortsdurchgang Laufen/Oberndorf und folgend auch im Tittmoninger Becken. Auf der Grundlage der Wasserwirtschaftlichen Rahmenuntersuchung Salzach (WRS), der Gesamtuntersuchung Salzach (GUS) und der Risikoanalyse arbeiten Experten seit Mitte des vergangenen Jahres an der Detailplanung zur Umsetzung des Projekts "Sanierung der Unteren Salzach". Begonnen werden die Maßnahmen im Freilassinger Becken.

Projekt und einzelne Arbeitspakete

Aufbauend auf dem generellen Projekt für die Gesamtstrecke zwischen St. Georgen und der Sohlstufe Lehen sollen in den Niederwasserperioden 2006/2007 bis 2008/2009 im Freilassinger Becken und in der Laufener Enge die ersten Module umgesetzt werden. "Hauptziel ist dabei der Schutz der Städte Laufen und Oberndorf", so Eisl. "Konkret handelt es sich bei den Maßnahmen um eine aufgelöste Sohlabstufung bei Weitwörth, Schutzmaßnahmen im Ortsbereich von Laufen und Oberndorf und eine so genannte flächige Sohlsicherung unterhalb von Laufen und Oberndorf." Im Süden folgen die Sohlabstufung im Bereich Anthering, weitere Zonen mit weichen Ufern und die Anbindung des Nebengewässers "Kleine Salzach". Dieser Abschnitt ist zur Projektierung 2007 vorgesehen.

Ortsdurchgang Laufen/Oberndorf

"Im Ortsbereich Laufen/Oberndorf haben sich auf Grund der extremen Kurvenströmung ausgeprägte Kurvenkolke - also Löcher - mit Tiefen von bis zu sechs Metern entwickelt. Um der Gefahr einer schlagartigen weiteren Eintiefung der Kolke bei Hochwasser zu begegnen, haben wir 1997 bis 2000 auf österreichischer Seite fünf Buhnen - in den Fluss ragende Befestigungen - errichtet, um die Strömung und den Krümmungskolk zur Flussmitte zu drängen und damit das Ufer und den Hochwasserschutzdamm zu sichern", so Dipl.-Ing. Wolfgang Haussteiner von der Fachabteilung Wasserwirtschaft. Auf bayerischer Seite wurde der Uferverbau im Jahre 2000 und nach dem Hochwasser im August 2002 instand gesetzt. Um die Hochwasserschutzanlagen in Laufen und Oberndorf zu sichern, sind folgende Maßnahmen vorgesehen: Die Kolke sollen teilweise angefüllt werden, die Buhnen am Oberndorfer Außenbogen werden ergänzt. Die Entwurfsplanung ist abgeschlossen, die Maßnahmen in Laufen sollen noch in dieser Niederwasserperiode fertig gestellt werden. Auf der österreichischen Seite ist die bauliche Umsetzung für die Niederwasserperiode 2007/2008 vorgesehen.

Flächige Sohlsicherung unterhalb Laufen/Oberndorf

Durch die örtlichen Gegebenheiten bestehen in diesem Projektsabschnitt keine seitlichen Entwicklungsmöglichkeiten. "Aufgrund von wirtschaftlichen und gewässerökologischen Überlegungen planen wir den Einbau eines so genannten offenen Deckwerks. Offene Deckwerke sind eine naturnahe Lösung zur Sohlstabilisierung von Kiesflüssen. Ein wesentliches Merkmal dieser Methode ist, dass zwischen größeren aufgelegten Belegungssteinen ein Teil der ursprünglichen Sohle frei bleibt und dennoch der Sedimentaustrag unterbunden wird. Der Schutz der Kiessohle vor Erosion erfolgt durch den Strömungsschatten der deutlich größeren Belegungssteine. Für die Sohlsicherung im Bereich der Laufener Enge verwenden wir Steingewichte von 60 kg bis 100 kg in einer Belegungsdichte von 40 Prozent der Gewässersohle", erklärt Dipl.-Ing. Haussteiner vom Land Salzburg die konkreten Maßnahmen. Die bauliche Umsetzung dieser Maßnahme ist für die Niederwasserperiode 2007/2008 vorgesehen.

Aufgelöste Sohlabstufung oberhalb Laufen/Oberndorf

"Oberhalb von Laufen/Oberndorf planen wir eine ‚aufgelöste Sohlrampe’, die eine Fortsetzung des Sohldurchschlages aus dem Freilassinger Becken in die Ortsbereiche von Laufen und Oberndorf verhindern soll. Bei einer ‚aufgelösten Sohlrampe’ bauen wir Riegel und Becken, um den schnellen Durchfluss und damit die Eintiefung der Sohle einzubremsen. Anders als die bisher nach dem Stand der Technik umgesetzten Bauwerke ist die ‚aufgelöste Sohlrampe’ naturnäher, verursacht geringere Baukosten und erzeugt die gleiche Stabilität", so Eisl zu den geplanten Maßnahmen. Begleitend dazu wird die Ufersicherung kontrolliert entfernt, um dem Fluss eine eigendynamische Aufweitung zu ermöglichen. Damit wird die Eintiefung in diesem Abschnitt reduziert. Auf österreichischer Seite wird zusätzlich die Uferhöhe angepasst. Dieser Bauabschnitt soll in der Niederwasserperiode 2008/2009 umgesetzt werden.

Projektierung für den Süden des Freilassinger Beckens

Die Projektierung für den Süden des Freilassinger Beckens soll im Jahr 2007 erfolgen. Unmittelbar danach sollen die erforderlichen Genehmigungsverfahren in Österreich und Bayern eingeleitet und nach deren Abschluss die Umsetzung so schnell wie möglich vorangetrieben werden.

Keine UVP-Pflicht - Verbesserungen aus Sicht des Naturschutzes

Seit dem 8. September 2006 liegt die behördliche Feststellung, dass die Maßnahmen zur Sanierung der Unteren Salzach nicht der UVP-Prüfungspflicht unterliegen, vor. Vergangenen Mittwoch und Donnerstag wurden die ersten Umsetzungsschritte wasserrechtlich verhandelt. Da die gesamten Maßnahmen im NATURA-2000-Gebiet liegen, wurden umfangreiche Naturschutz-Untersuchungen vorgenommen. "Die kritischsten akuten Gefahrenstellen, von denen eine unmittelbare Bedrohung für geschlossene Siedlungen und Infrastruktureinrichtungen ausging, wurden nach dem Augusthochwasser 2002 mittels Sofortmaßnahmen gesichert. Eine Entspannung der Gesamtgefahrenlage kann damit aber nicht erreicht werden. Das haben auch die Hochwässer im Juli und August 2005 gezeigt, die einen weiteren Austrag von Geschiebe aus dem Freilassinger Becken bewirkt haben. Wirklich zielführend und auch zwingend notwendig ist deshalb die umgehende Umsetzung der ‚Sanierung der Unteren Salzach’. Sobald wir alle erforderlichen Genehmigungen aus fachlicher Sicht und Zusagen der Finanzierung durch Bund, Bayern und die Europäische Union haben, beginnen wir mit der Umsetzung."

"Neben dem Hauptziel des Projekts, der Eindämmung der Sohleintiefung der Salzach, erreichen wir durch die geplanten Maßnahmen eine deutliche ökologische Verbesserung, vor allem im Bereich der Aulandschaften. Damit entsprechen wir auch den Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie zur Verbesserung der ökologischen Situation von Fließgewässern", so Eisl abschließend. k202-110a

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