Neuer Steg verbindet "Schwestern" Oberndorf und Laufen

Haslauer: Sichtbarer Ausdruck starker emotionaler und nachbarschaftlicher Verbindungen / Bereicherung für Infrastruktur

Salzburger Landeskorrespondenz, 08.12.2006
 

(LK)  "Diese Verbindung ist gut für beide: Oberndorf und Laufen. Wir schlagen heute eine sichtbare Brücke, wo ohnehin seit Generationen starke emotionale und nachbarschaftliche Verbindungen vorhanden sind. Damit ist dieser Steg auch ein Symbol für die Bereitschaft zum Dialog", erklärte Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Wilfried Haslauer heute, Freitag, 8. Dezember, bei der Verkehrsfreigabe des neuen Europastegs über die Salzach zwischen dem Ortsteil Altach in der Stadtgemeinde Oberndorf und der bayerischen Stadt Laufen. "Diese Brücke ist eine wertvolle Bereicherung für die Infrastruktur. Ihre Bauweise fügt sich gut ins Ortsbild. Die Brücke ist damit auch ein Sinnbild für das, was uns die EU gebracht hat: Wege zu einander, Brücken zwischen den Völkern und Ideen, die uns auf Generationen verbinden werden", so Haslauer. Der Landeshauptmann-Stellvertreter betonte, dass auch das Land Salzburg einen Beitrag zum Zustandekommen leisten konnte und dass es in Oberndorf nun ein Symbol für diese verbindenden Gedanken gibt.

Der Europasteg wird an historischer Stelle zwischen Laufen und Oberndorf wieder neu errichtet. Die jahrhundertelang bestehende Verbindung wurde durch das Hochwasser der Salzach im Jahr 1899 weggerissen. Bis zum Jahr 1920 bestand an gleicher Stelle ein Notsteg, der wiederum einem Hochwasser zum Opfer fiel. Seit diesem Zeitpunkt gab es Pläne zur Wiederherstellung des historischen Steges. Zahlreiche Hindernisse wie Geldmangel, befürchtete "Zollvergehen“ und Uneinigkeit über die Konstruktionsweise verhinderten bis jetzt eine Rekonstruktion. Nach Entwürfen des Berliner Architekten Klaus Reuter vom Architekturbüro Reuter, Henchion und Partner wurde seit November 2005 ein neuer Fußgänger- und Radfahrersteg in Stahl-/Holzkonstruktion errichtet, der den historischen und geografischen Besonderheiten Rechnung trägt. Der Höhenunterschied von 1,8 Metern auf der Laufener Seite, bedingt durch den in der Zwischenzeit errichteten Damm, wird durch eine Rampen- und Treppenanlage überwunden, das alte Untere Stadttor wurde in die Planung einbezogen, die barocke Stiegenachse mit der Kreuzigungskapelle und dem Nepomukdenkmal auf österreichischer Seite ist klarer Bezugspunkt. Auf bayerischer Seite wurde die Laufener Stadtstruktur planerisch berücksichtigt. Die Piloten der alten Joche der ursprünglichen Holz-Salzachbrücke, die bei Niedrigwasser "auftauchen“, bleiben erhalten und bilden einen spannenden Kontrast zum neuen Steg.

Europaweit erste grenzüberschreitende Brücke als PPP-Modell

Probebohrungen wurden bereits im Sommer 2005 durchgeführt, Baubeginn war der 1. Februar 2006. Bei dieser grenzüberschreitenden Projektrealisierung sind HYPO Leasing Salzburg, Stadtgemeinde Oberndorf und die Stadt Laufen gleichberechtigte Partner. Zur Abwicklung wurde die "Europasteg Errichtungs- und Betriebs GmbH“ gegründet, deren Eigentümer zu 51 Prozent die HYPO Leasing Salzburg und zu je 24,5 Prozent die Kommunen Oberndorf und Laufen sind. Die Finanzierung der Gesamtinvestitionskosten von rund zwei Millionen Euro erfolgte durch die HYPO Leasing Salzburg. Zusätzlich konnten EU-Förderungen des Interreg III A Programms zwischen Österreich und Deutschland/Bayern sowie auf österreichischer Seite Förderungen des Landes Salzburg und des Fremdenverkehrsverbandes Oberndorf erreicht werden. Damit konnte das europaweit erste grenzüberschreitende Brückenbauwerk in Form eines PPP-Modelles (Private-Public-Partnership) verwirklicht werden.

Impuls für Radtourismus

Das Projekt kann nicht nur als Zeichen für die Verbindung der beiden Städte und der Länder Österreich und Deutschland nach dem Wegfall der Grenzkontrollen ab dem EU-Beitritt Österreichs gesehen werden, sondern auch als Wiedervereinigung zweier Gemeinden, die erst durch die Münchner Verträge von 1816 getrennt wurden. Darüber hinaus setzt man durch den Lückenschluss mehrerer Geh- und Radwege, so z.B. des "Tauernradweges“ und des "Bajuwarenradweges“, auf Belebung des Tourismus und der Wirtschaft beider Grenzstädte sowie deren angrenzenden Regionen. Durch die Schaffung dieser neuen Verbindung erhält der Zusammenschluss der EuRegio Salzburg - Berchtesgadener Land - Traunstein einen neuen und wichtigen Impuls. Das Projekt ist sowohl wirtschaftlicher als auch touristischer und verkehrstechnischer Impulsgeber für die ganze Region. k244-60e

Franz Neumayr wird den Redaktionen für das Landespressebüro Fotos von der Verkehrsfreigabe anbieten.