Brauchtum bewegt die Menschen

Eberle überreichte Tobi-Reiser-Preis 2007 an Harald Dengg

Salzburger Landeskorrespondenz, 01.03.2007
 

(LK)  Während der 25-jährigen Tätigkeit von Harald Dengg als Leiter des Referates für Volkskultur habe deren Popularität einen höchst bemerkenswerten Aufschwung erlebt. 6.500 aktive Blasmusiker/innen, 145 Musikkapellen, 12.000 Mitglieder in 300 Heimatvereinen und Brauchtumsgruppen, 5.100 Brauchtumsschützen in 100 Schützenkompanien, 11.000 Sänger/innen in 400 Chören und 3.500 Mitglieder in Volkslied- und Volksmusikgruppen seien ein eindrucksvoller Beweis dafür, das Brauchtum die Menschen bewegt. Dies betonte heute, Donnerstag, 1. März, Volkskulturreferentin Landesrätin Doraja Eberle, die in Vertretung von Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller den Tobi-Reiser-Preis 2007 an Prof. Harald Dengg überreichte. Der mit 3.700 Euro dotierte Preis, den der Verein Freude des Salzburger Adventsingens seit 1992 für herausragende, nachhaltige volkskulturelle Leistungen vergibt, wird heuer zum ersten Mal von der Stieglbrauerei gesponsert.  

Auf die manchmal gestellte Frage, ob wir Brauchtum heute überhaupt noch brauchen, gebe die ungebrochene Popularität von Brauchtum und Volkskultur eindrucksvoll Antwort. Die Pflege des vor allem in Salzburg so überreichen volkskulturellen Schatzes stifte nicht nur in einer unüberschaubaren Zahl und Dichte Gemeinschaft und Gemeinschaften, sondern trage auch zur Identitätsbildung bei, die in globalisierten Zeiten immer wertvoller wird, sagte die Landesrätin.

Harald Dengg sei als Spross einer wahren Dynastie von großen Persönlichkeiten der Volkskulturpflege und des Volksbildungswesens zum wahren Brückenbauer geworden. Er habe - freilich unterstützt von vielen Gleichgesinnten - in einer ganzen Reihe von wichtigen Rollen und Funktionen über Jahrzehnte hinweg den Weg in eine neue Form der Pflege von Volkskultur gesucht und gefunden. Dieser Weg bedeute, mit Stolz auf das Erbe der Generationen vor uns zu blicken und mit Freude in eine Zukunft zu schauen, in der Brauchtum, Volksmusik, Laientheater, Volkstanz, das Schützenwesen usw. ganz ohne Frage auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen werden.

Harald Dengg stehe für den zeitlosen Wert der Volkskulturpflege in unserem Bundesland mit einer weit darüber hinaus reichenden Strahlkraft. Umso mehr, als wir wissen, dass die Lebenslinien von Tobi Reiser und Harald Dengg einander unzählige Male überschnitten und dabei manchen Glücksfall für die Verbreitung und zugleich Vertiefung der Volksmusik in Salzburg hervorgebracht haben. Es könne wohl keinen würdigeren Träger für den Tobi-Reiser-Preis geben, als Harald Dengg, sagte Landesrätin Eberle abschließend.

Floimair: Tobi Reiser ist zentrale Persönlichkeit der Volkskultur

Der Obmann des Vereines Freunde des Salzburger Adventsingens, Dr. Roland Floimair, betonte, der Namensgeber des Preises Tobi Reiser sei noch 100 Jahre nach seinem Geburtstag eine zentrale Persönlichkeit der Salzburger Volksmusik und Volkskultur. Dass die Volksmusik noch heuer in Salzburg einen so hohen Stellenwert genieße, sei ganz entscheidend Tobi Reiser zu verdanken. Dem begeisterten Volksmusikanten und Sänger sei es gemeinsam mit anderen Persönlichkeiten wie Otto Eberhard oder Cesar Bresgen gelungen, die Salzburger für das Singen, Musizieren und Tanzen zu begeistern. Darüber hinaus schuf Tobi Reiser mit dem Salzburger Adventsingen jene große Kulturveranstaltung, die den Ruf Salzburgs als Adventland begründete und viele kleine Nachahmer fand. Mit der Stiftung des Preises vor 17 Jahren habe der Verein ein starkes Zeichen für die Wertschätzung der Volkskultur im Land Salzburg gesetzt, betonte Floimair. Die heutige Preisverleihung sei der Auftakt zu einer Veranstaltungsreihe anlässlich der Feier "100. Geburtstag Tobi Reiser", die bereits am Freitag, 2., und Samstag 3. März, mit einem großen Symposion in St. Johann fortgesetzt werde. Der diesjährige Träger des Tobi-Reiser-Preises Prof. Harald Dengg habe mit großem Fleiß musikalische, bauliche und schulische Denkmäler für die Volkskultur im Land Salzburg gesetzt, sagte Floimair.

Deutsch: Verdienste um Ausbildung und Forschung gewürdigt

Wenn in einem Land das positiv Wirkende der Volkskultur als Aushängeschild seiner Unverwechselbarkeit dargestellt wird, dann bedürfe es der Menschen, die mit aufrichtiger Überzeugung hinter all den Manifestationen der traditionellen Kulturformen stehen. Ein Großteil der heute gebrauchten Inhalte und Formen der Volkskultur sei von Tobi Reiser gefördert oder neu gestaltet worden, der ohne Anleihe an modische Tendenzen seine innovativen Ideen verwirklicht habe. Nur deshalb haben sie sich über die Zeiten erhalten. Auf diesen Spuren Tobi Reisers ging der diesjährige Träger des Tobi-Reiser-Preises seinen großartigen unvergleichlichen Weg, betonte em. HS-Prof. Walter Deutsch in seiner Lobrede für Harald Dengg.

Aus den zahlreichen Verdiensten und Initiativen von Harald Dengg hob Walter Deutsch zwei hervor, die entscheidend die Zukunft der musikalischen Volkskultur im Land Salzburg sichern werden. Zum einen sei es dem Preisträger gelungen, innerhalb der Musiklehrerausbildung am Mozarteum einen "Lehrgang für alpenländische Volksmusikinstrumente" einzurichten. Seit 2003 sei in der nunmehrigen Universität für Musik und darstellende Kunst Mozarteum der Lehrgang gleichwertig mit allen anderen künstlerischen Hauptfächern in das ordentliche Studium der "Instrumental- und Gesangspädagogik" eingegliedert worden und kann mit einer Diplomarbeit abgeschlossen werden.

Zum zweiten sei Denggs Bemühung um die Forschung besonders hervorzuheben, betonte Prof. Deutsch. Mit Unterstützung durch das Wiener Institut für Volksmusikforschung und mit der Teilnahme von Wissenschaftern aus den Disziplinen Volkskunde, Germanistik, Musikwissenschaft und Musiksoziologie wurden von 1975 an in allen bedeutenden Landschaften Salzburgs Forschungsexkursionen durchgeführt, um den derzeitigen Stand der musikalischen Überlieferung zu erkunden, zu dokumentieren und in entsprechenden Buchreihen der Öffentlichkeit vorzulegen. Die daraus entstandenen Publikationen unterstreichen den hohen Standard der Volksmusikforschung in Salzburg.

Im Gesamtbild der Kultur stellen die Leistungen von Harald Dengg einen einzigartigen Fall dar. Denn wer sich in der Gegenwart und in der Geschichte der kulturellen Manifestationen umgesehen habe, werde zur Einsicht kommen, dass Harald Dengg alle Teilgebiete der Volkskultur in einem umgreifenden Realzusammenhang gesehen, verstanden und verwirklicht hat. Sein Werk sei des "Tobi Reiser-Preises" in einem hohen Maße würdig, betonte Prof. Deutsch abschließend.

Dengg: Volkskultur gibt Land eigenständiges Antlitz

In seiner Dankesrede betonte Preisträger Prof. Harald Dengg unter anderem, dass eine gesunde, lebendige und qualitätsvolle Volkskultur künftig noch mehr als bisher eine wichtige Säule sei, um dem Land in der globalisierten Welt ein eigenständiges, selbstbewusstes Antlitz zu geben und das Land als eine in der Welt einzigartige Heimat erleben zu können. Tobi Reiser habe uns für diese Herausforderung ein großartiges Fundament gelegt. Auf diesem weiterzubauen, sei für jeden, der sich darauf einlässt, nicht nur ein Dienst an unserer Heimat. Dieses Fundament sei vor allem die beste Hilfe zum Bauen tragfähiger Brücken hin zum Anderen, sagte Harald Dengg, der in diesem Zusammenhang ankündigte, den mit dem Tobi-Reiser-Preis verbundenen Geldbetrag dem Salzburger Volksliedwerk zur Unterstützung eines Projektes, das sich dieses Brückenbauen zur Aufgabe gemacht hat, zu stiften.

Begründung der Jury

"Harald Denggs Beziehung zu Tobi Reiser und dessen Werk begann schon während seiner Schulzeit als 'Hiatabua' in den Anfangsjahren des 'Salzburger Adventsingens'", heißt es in der Würdigung der Jury. "Die nachfolgende Übernahme des 'Salzburger Volksliedchores' für die chorische Bereicherung des sich zum vorweihnachtlichen Großereignis entwickelnden Adventsingens hat Harald Dengg in die unmittelbare Zusammenarbeit mit Tobi Reiser gebracht und daraus auch wertvolle und zukunftsweisende volksmusikalische Ideen empfangen. Harald Denggs Bestellung zum Leiter des Referates für Volkskultur beim Amt der Salzburger Landesregierung im Jahr 1975 brachte für das Land eine Periode größter und äußerst positiver Entwicklungen. Sein Engagement für alle Bereiche volkskultureller Inhalte und gesellschaftlicher Formen führte zu einem bisher nie erreichten Reichtum an Kreationen und selbstbewussten Trägern und Schaffenden für die lebenden Traditionen in diesem Land. Harald Denggs 'Kulturoffensiven' in Hinblick auf die Errichtung fachgerechter Zentren der Schulung, der Publizierung, der Forschung und wissenschaftlichen Aufarbeitung brachliegender Themen von historischem Wert wurden in seinem Wirkungsbereich zu Hauptthemen mit starker Ausstrahlung auf benachbarte Gebiete. Das Schlagwort 'zeitgemäß' war von Anfang an für Harald Dengg ein selbstverständliches Motiv für sein Denken, Lenken und Handeln und hat seine vielfach verzweigten Bestrebungen für die 'Salzburger Volkskultur' wesentlich mitgeprägt", heißt es in der Begründung der Jury für die Verleihung des Tobi-Reiser-Preises 2007 an Prof. Dengg unter anderem.

Der "Tobi-Reiser-Preis" wurde 1992 das erste Mal vergeben, und zwar an den Volksmusikpfleger Wastl Fanderl. Seither wurden weitere 15 Preisträger ausgezeichnet:

1993: Pongauer Viergesang,

1994: Musiker Anton Mooslechner und Matthias Häusler,

1995: Moderator und Volkskulturexperte Philipp Meikl,

1996: Theatermann Charly Rabanser und der Verein m2 Kulturexpress,

1997: em. HS-Prof. Wilhelm Keller,

1998: der Instrumentenbauer Konrad Schlegl,

1999: der Südtiroler Volksmusikpfleger Franz Kofler,

2000: der Mundartdichter Max Faistauer,

2001: die Geschwister Eisl,

2002: der Ramingsteiner Bürgermeister Johann Bogensberger,

2003: HS-Prof. i.R. Walter Deutsch,

2004: Hermann Mayrhofer, Leiter des Bergbaumuseums Leogang,

2005: Prof. Peter Moser, Tiroler Musiker und Medienfachmann,

2006: Marianne Böckl, Kathi Greinsberger, bayerische Liedermacherinnen,

2007: Prof. Harald Dengg. 

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Franz Neumayr wird den Redaktionen für das Landespressebüro Fotos von der Überreichung das Tobi-Reiser-Preises 2007 an Prof. Harald Dengg anbieten.