Keramiken von Gudrun Baudisch in St. Gilgen ausgestellt

Eisl: Zinkenbacher Malerkolonie lädt zur Ausstellung "Gudrun Baudisch zum 100. Geburtstag"

Salzburger Landeskorrespondenz, 30.06.2007
 

(LK)  Eine Ausstellung anlässlich des 100. Geburtstages der österreichischen Keramik-Künstlerin Gudrun Baudisch eröffnete Landesrat Sepp Eisl als Vertreter des Landes heute, Samstag, 30. Juni, in der Zinkenbacher Malerkolonie in St. Gilgen. "Gudrun Baudisch kann zu Recht als eine der bedeutendsten österreichischen Keramikerinnen des 20. Jahrhunderts bezeichnet werden. Fast 60 Jahre lang arbeitete die vielseitige und unermüdliche Künstlerin mit den unterschiedlichsten Techniken. Ihre Arbeiten reichten vom Gebrauchsgeschirr zur künstlerischen Keramik, von der Stuckdekoration zur bauplastischen Gestaltung. Unzählige Objekte vermitteln den Eindruck einer lebensfrohen, einer bis ins Alter experimentierfreudigen und im besten Sinne 'schöpferischen' Künstlerin", so Eisl bei der Eröffnung. Die Sonderausstellung in der Zinkenbacher Malerkolonie ist zwischen 1. Juli und 30. September 2007 jeweils von Dienstag bis Sonntag von 15.00 bis 19.00 Uhr geöffnet.

Gudrun Baudisch wurde am 17. März 1907 als Tochter eines Landarztes in Pöls ob Judenburg geboren, ihre Jugendzeit verbrachte sie in Unzmarkt. Früh zeichnete sich ihr kreatives Wesen und ihre gestalterische Freude ab, der Wunsch, Bildhauerin zu werden, nahm immer konkretere Formen an. Die Eltern zeigten dafür Verständnis; sie ermöglichten der Tochter eine Ausbildung an der "Österreichischen Bundeslehranstalt für das Baufach und Kunstgewerbe" in Graz, zunächst in der Bildhauerklasse von Wilhelm Gösser, hierauf drei Jahre in der Keramikklasse bei Hans Adametz. 1926 wurde Gudrun Baudisch in die Entwurfsabteilung für Keramik an der Wiener Werkstätte aufgenommen, vorerst als Volontärin, bald darauf jedoch mit fixer Anstellung. Diese Zeit, die Zusammenarbeit mit den wichtigsten Keramikerinnen (es waren in der Tat hauptsächlich Frauen), vor allem mit Vally Wieselthier, haben die junge Künstlerin nachhaltig geprägt. Damals entstanden zahlreiche ihrer berühmten "Köpfe“ und andere Originalkeramiken, sowie Lampenfüße oder Kakteenschalen, welche in kleinen Serien erzeugt wurden. Über die Wiener Werkstätte lernte sie neben Joseph Hoffmann auch viele andere bedeutende Künstler kennen. Einer davon war Clemens Holzmeister, der Gudrun Baudisch für seine städtebaulichen Planungen in Ankara gewinnen konnte. Die junge Keramikerin begleitete ihn in die Türkei, wo sie für das Palais Kemal Atatürk verschiedene baudekorative Elemente und Stuckdecken schuf. Zeitlebens hat Baudisch immer wieder mit Holzmeister zusammengearbeitet; sei es bei Kirchenbauten, wie in Bregenz-Vorkloster (1931), Wien-Neufünfhaus (1934) oder Zwölfaxing (1967), oder bei öffentlichen Bauten, wie etwa dem Großen Festspielhaus in Salzburg (1959/60). Eine tiefe persönliche Freundschaft verband die Familien.

Ab 1936 erhielt Gudrun Baudisch etliche Aufträge für große Stuckdecken in Berlin. Im Zuge ihrer Tätigkeiten lernte sie Karl-Heinz Wittke kennen. Die beiden heirateten 1940. Bereits 1937 hatte Gudrun Baudisch ein Haus in Hallstatt erworben. Hierher kam sie nach Kriegsende, hier begann mit der Gründung der "Hallstätter Keramik" ein völlig neuer Lebensabschnitt. Praktisch aus dem Nichts und mit Nichts entstanden die ersten Tonwaren. Es entstanden verschiedenste Gebrauchskeramiken, Geschirre, kleine Souvenirs, Ofenkacheln, und vieles mehr. Besondere Herausforderungen stellten Großaufträge dar, wie die kompletten Speiseservice für das "Weiße Rössl" in St. Wolfgang und das Belgische Königshaus. Es waren arbeitsintensive aber auch gewinnbringende Zeiten.

Zahlreiche Lehrlinge und Gesellen wurden in Hallstatt ausgebildet. Der wohl prominenteste unter ihnen ist Franz Josef Altenburg. 1978 übergab Gudrun Baudisch die "Hallstätter Keramik" an Erwin Gschwandtner, dessen Söhne heute den Betrieb führen.

Eine wichtige Zusammenarbeit ergab sich ab 1968 mit Johannes Fürst Hohenburg, dem damaligen Besitzer der "Gmundner Keramik", mit der "Gruppe H" (für Hallstatt, Hohenberg), für die sie zahlreiche Gebrauchskeramiken und Keramikfiguren entwarf. 

In ihren letzten Jahren widmete sich Gudrun Baudisch vor allem wieder der künstlerischen Keramik. Ihre Lieblingstechnik war und blieb der freie, hohle Aufbau großer, manchmal überdimensionaler Objekte aus Ton, die naturalistisch anmutend wie ihre Tierplastiken oder völlig abstrakt wie die "Torsi" sein konnten. Ein kleines Atelier in Salzburg und eine Wohnung am Universitätsplatz ermöglichten ihr Aufenthalte in der Festspielstadt und freie künstlerische Entfaltung. Eine weitere Facette ihres Schaffens bildeten Aquarelle mit duftigen Blumengebinden und zarten Landschaften, wobei sie stets bedauerte, viel zu selten zum Malen zu kommen. Bis zu ihrem Lebensende blieb Gudrun Baudisch aktiv und kreativ. Sie starb am 16. Oktober 1982. L136-110