Salzburger Idee macht (Fahr)-Schule

Scharer: Präventionsprojekt gegen Alkohol am Steuer in anderen Ländern kopiert
Salzburger Landeskorrespondenz, 16. July 2007

(LK)  Nachdem sich ein Projekt mit Vorträgen zur Prävention gegen Alkohol am Steuer in Salzburgs Fahrschulen etabliert hat, ist das Salzburger Projekt inzwischen "Vorbild" für Initiativen in anderen Bundesländern geworden. Landesrätin Erika Scharer stellte heute, Montag, 16. Juli, die erfolgreiche Aufklärungsarbeit für Jugendliche zu diesem ernsten Thema in einem Informationsgespräch vor. Am Anfang stand eine Probephase, seit vergangenem Jahr sind die Vorträge von Max Rauchegger fixer Bestandteil des Kursprogramms der Fahrschule Koch. Das Land unterstützt das Projekt mit 10.000 Euro und sorgt dafür, dass es regelmäßig angeboten werden kann und zwischenzeitlich auch auf zwölf weitere Fahrschulen im Land ausgeweitet werden konnte.

"Es war eine frische neue Idee, wir wollten möglich machen, dass solche Ideen ausprobiert und umgesetzt werden können", betonte Landesrätin Scharer. "In diesem Bereich gab es ja keine Erfahrungswerte oder Konzepte aus anderen Ländern, auf die wir zurückgreifen konnten. Das Land und die Fahrschule Koch waren mutig und haben auf ein neues Konzept gesetzt. Der Erfolg gibt uns Recht."

Ganz am Anfang stand lediglich der Wunsch des ehemaligen Schwerstalkoholikers Max Rauchegger, junge Menschen vor der "Hölle der Abhängigkeit", die er 30 Jahre lang erlebte, zu schützen. Max Rauchegger (63), hat 30 Jahre seines Lebens als "Schwerstalkoholiker" verbracht. Für ihn stand der Verlust des Führerscheins aufgrund seiner Alkoholisierung am Beginn eines 30-jährigen Abstiegs in die Abhängigkeit: "Mir hat man den Führerschein für acht Jahre entzogen. Damit war ich auch meinen Job los und habe meinen letzten Halt verloren." Es folgten etliche Entziehungskuren, ein Selbstmordversuch sowie zahllose verzweifelte Versuche, wieder zurück ins Leben zu gelangen - und ebenso viele Rückschläge. Heute ist Max Rauchegger seit sechs Jahren trocken, studiert Psychologie und will "der Gesellschaft etwas zurückgeben", indem er die Jugend vor den Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum warnt.

Ein erster Erfolg war die Nominierung des Salzburger Erfolgprojekts für den österreichweiten Verkehrssicherheitspreis "Aquila" des Kuratoriums für Verkehrssicherheit, in der das Projekt in die Endrunde der drei besten Konzepte kam. Noch viel erfreulicher ist auch die reale Anerkennung in Form von großem Interesse in der Fachwelt. Bereits mehrere Wiener Fahrschulen haben das Konzept auch in ihrem Bereich umgesetzt und in ihre Standardkurse integriert. Auch in Linz wurde vor kurzem eine der größten Fahrschulen für das Projekt gewonnen, Interesse gibt es auch von einer Fahrschule aus Graz. Max Rauchegger ist daher ein gefragter Mann, der mit Rat und Tat zur Seite steht. "Eigentlich könnte man die Vorträge in ganz Österreich anbieten. Die Schwierigkeit ist eher, die geeigneten Vortragenden zu finden. Nicht jeder Ex-Alkoholiker ist dafür geeignet, Jugendliche zu unterrichten. Bei mir war die Erfahrung aus meinem Psychologie-Studium hilfreich. Mir ist die Qualität des Vortrags wichtig, ich arbeite da auch mit den zuständigen Stellen beim Land und bei der Exekutive zusammen." Rauchegger ist es wichtig, dass auch in den anderen Bundesländern gute Präventionsarbeit geleistet wird: "Dipl.-Ing. Wilhelm Koch von der Fahrschule Koch ist uns dabei eine große Hilfe, er kennt die Fahrschulen in den anderen Bundesländern und kann uns gute Kontakte vermitteln."

               Authentische Vorträge schärfen Problemsicht

Am Anfang reagieren die Jugendlichen meist skeptisch auf den "älteren Herrn". Die ruhige, aber sehr eindringliche Art der Vorträge Raucheggers regt dann allerdings doch zum Nachdenken an. "Die Jugendlichen sind von den Vorträgen am Ende echt bewegt, reagieren immer positiv, fast begeistert. Den Meisten wird dabei erst so richtig klar, wie knapp man am Abgrund steht, wenn man sich alkoholisiert ans Steuer setzt. Das kann man im Unterricht betonen, aber aus erster Hand, wie von Herrn Rauchegger vermittelt, wirkt das natürlich viel stärker", berichtete der Fahrschulbesitzer Dipl.-Ing. Wilhelm Koch, der gemeinsam mit Rauchegger das Projekt ins Leben gerufen hat. Mit der Unterstützung des Landes wurde der Vortrag von Max Rauchegger fix im Programm der Fahrschule etabliert. Mehr noch, Rauchegger und Koch haben es geschafft, nun auch die anderen Salzburger Fahrschulen in das Projekt einzubinden. Der stellvertretende Branchenobmann Wilhelm Koch unterstützt diese Idee: "Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Eine Fahrschule ist nicht nur zur Erlangung des Führerscheins da, sondern begleitet junge Menschen ein Stück auf ihrem Lebensweg. Wir haben also Verantwortung und stellen uns dieser auch."

Salzburg bei Verkehrsunfällen mit Alkoholeinfluss im Mittelfeld

"Für Salzburg war Max Rauchegger ein Glücksfall, und ich finde es wunderbar, wenn eine Salzburger Idee bundesweit (Fahr-)Schule macht", so Landesrätin Scharer, die auf den ernsten Hintergrund des Projekts aufmerksam macht: Salzburg liegt nach der Unfallstatistik 2006 "nur" im österreichischen Mittelfeld: mit 57,4 Unfällen pro 10.000 Einwohner (Österreich: 49,6) und 9,9 Verkehrstoten je 10.000 Einwohnern (Österreich: 9,1). Der Großteil der Unfälle sind kleinere Blechschäden, aber während alkoholisierte Verkehrsteilnehmer nur für 7,1 Prozent der Unfälle auf Salzburgs Straßen verantwortlich zeichnen, sind Unfälle unter Alkoholeinfluss in der Regel deutlich folgenschwerer: 2006 waren auf Salzburgs Straßen zwar "nur" 209 Unfälle unter Alkoholeinfluss (insgesamt: fast 3.000 Unfälle) zu verzeichnen, dabei gab es jedoch 301 Verletzte und vier Tote. Überproportional daran beteiligt waren junge Autofahrer zwischen 15 und 34 Jahren, sie stellen 56 Prozent der Unfallopfer. "Genau deshalb ist es so wichtig, bei den jungen Verkehrsteilnehmern anzusetzen. Und wenn man die Betroffenheit der Jugendlichen nach einem Vortrag von Max Rauchegger sieht, dann erkennt man, dass das etwas bewirkt hat", betonte Landesrätin Scharer, der das Thema ein besonderes Anliegen ist. Schon als Nationalrätin unterstützte sie privat das Präventionsprojekt für Jugendliche "Junges Leben - rasend schnell vorbei", das besonders auf die "vernünftigeren" Mädchen setzte. Dieses Projekt soll heuer - diesmal als Gemeinschaftsprojekt von Land und Polizei - als weiterer Baustein im Kampf gegen Alkohol auf der Straße, neu aufgesetzt werden.

Alkohol am Steuer ist Spiel mit der eigenen Existenz

"Alkohol am Steuer ist kein Kavaliersdelikt und leider allzu oft keine Seltenheit, sondern regelmäßiges Verhalten. Alkohol ist eine der gefährlichsten Drogen, weil er - gesellschaftlich akzeptiert - ganze Existenzen vernichten kann. Deshalb fördern wir auch dieses Präventionsprojekt von Max Rauchegger, um den Jugendlichen zu zeigen, dass das kein Jux ist, sondern bitterer Ernst", fasste Sozialreferentin Scharer die Intentionen für die Unterstützung des Projekts der Fahrschule Koch mit Max Rauchegger zusammen. "Der Verlust des Führerscheins ist bei einem Unfall mit Personenschaden noch das geringste Problem, da gibt es noch zivilrechtliche Prozesse, Entschädigungszahlungen, etc., von der menschlich-psychischen Komponente ganz zu schweigen. Unsere Botschaft an die Jugendlichen ist klar: Spaß haben ist okay, auch Alkohol trinken ist - in Maßen - okay, das betonen wir in allen unseren Präventionsprojekten", betonte Scharer, für die klar ist: "Aber am Steuer hat Alkohol wirklich nichts verloren, da hört sich der Spaß auf. Die Gefahr, die eigene Existenz oder die anderer zu gefährden oder zu zerstören, zahlt sich wirklich nicht aus. Und genau das kommt bei den Vorträgen von Max Rauchegger am besten zu den Jugendlichen hinüber." L150-80

 

 

Franz Neumayr wird den Redaktionen für das Landespressebüro Fotos von der Pressekonferenz anbieten.