Anton-Faistauer-Preis für Malerei geht an Gerlind Zeilner

Brenner: Mit 7.300 Euro dotierter Preis ist einer der wichtigsten Kulturpreise des Landes und von überregionaler Bedeutung

Salzburger Landeskorrespondenz, 15.01.2008
 

(LK) Der mit 7.300 Euro dotierte Anton-Faistauer-Preis des Landes Salzburg für Malerei geht heuer an Gerlind Zeilner, gab heute, Dienstag, 15. Jänner, Kulturreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. David Brenner bekannt, der heute Abend den Preis in der Galerie im Traklhaus überreichen wird. "Gerlind Zeilner hat sich im Wettbewerb um diesen traditionsreichen Preis, den das Land heuer bereits zum 13. Mal vergibt, gegen fast 100 Mitbewerberinnen und -bewerber durchgesetzt", erklärte Brenner.

Der Faistauer-Preis wird alle drei Jahre an eine Künstlerin oder einen Künstler unter 40 Jahren vergeben. Der Preis wird österreichweit ausgeschrieben. "Der Faistauer-Preis ist einer der bedeutendsten Kulturpreise, die das Land Salzburg zu vergeben hat. Gerade durch die österreichweite Ausschreibung werden Salzburger Malerinnen und Maler in einen größeren Kontext gesetzt; der Preis hat dadurch weit über die Landesgrenzen hinausgehende Bedeutung", so Brenner weiter.

Die hochkarätige Jury, bestehend aus dem Maler Hubert Schmalix, der Direktorin des BA-CA-Kunstforums in Wien, Dr. Ingried Brugger, und der Faistauer-Preisträgerin von 2005, Eva
Wagner, votierte geschlossen für Zeilner. In der Jurybegründung heißt es: "Uns überzeugten die inhaltliche Komplexität und formale Vielschichtigkeit des Werkes sowie die Ausweitung des Begriffes ‘Malerei‘ ins ‘gemalte Objekt‘. Zeilner verarbeitet Erlebtes und Erträumtes und räumt die Erzählung entsprechend einer von ihr erdachten ‘Bedeutungsproportion‘ in eine verschachtelte, bühnenartige Architektur."

Biographie Gerlind Zeilner

Gerlind Zeilner wurde 1971 in Mödling geboren, ist in Salzburg aufgewachsen und studierte Anfang der Neunzigerjahre an der Hochschule Mozarteum bei Professor Peter Prandstetter. Anschließend setzte sie ihre Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Professor Gunter Damisch fort. Sie lebt und arbeitet heute in Wien. Gerlind Zeilner gewann bereits zahlreiche Preise: Neben dem Goldenen Fügerpreis für Graphik (1994) und einem Würdigungspreis des Kunstministeriums (1998) erhielt Zeilner 2001 auch den Preis des Theodor Körner-Fonds sowie 2005 den Georg-Eisler-Preis.

Anerkennungspreise für Daniel Domig und Alfons Pressnitz

Zwei Anerkennungspreise, dotiert mit jeweils 1.700 Euro, gingen an Daniel Domig (1983 in Vancouver geboren; aufgewachsen in Salzburg, lebt und arbeitet in Wien) und Alfons Pressnitz (1982 in Wagna in der Steiermark geboren; lebt und arbeitet in Berlin).

Die Jury urteilt: "Daniel Domig entwickelt seine Bilder aus der Skizze heraus. Seine vielschichtige Malerei definiert ein Oeuvre zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Diese ambivalente Position scheint in verborgene Rasterstrukturen eingeschrieben zu sein, um sich in der Folge im Malprozess selbst zu verdichten und alsbald wieder aufzulösen."

Über die Bilder unseres zweiten Anerkennungspreisträgers, Alfons Pressnitz, sagt die Jury: "Seine Bilder evozieren eine Welt zwischen Idylle und Abgründigkeit, die in eine uniforme, kleinteilige Malerei eingegossen ist. Der auf den ersten Eindruck fotografische Blick auf die Landschaft und das Landleben erweist sich bei näherer Betrachtung als eigentlich konzeptuell. Inhaltliche und kompositionelle Irritationen treten an die Oberfläche der vermeintlich heilen Welt."

Galerie im Traklhaus: Auswahl der Einreichungen und Preisträger-Arbeiten

Neben Werken der drei Ausgezeichneten werden noch bis 1. März Einreichungen von sieben weiteren Künstlerinnen und Künstlern in der Galerie im Traklhaus zu sehen sein. Auch diese waren ursprünglich in die engere Wahl genommen worden. Es handelt sich dabei um Christoph Holzeis, Michael Horsky, Luisa Kasalicky, Ronald Kodritsch, Markus Proschek, Patricia Reinhart und Letizia Werth.

Anton Faistauer (1887-1930)

Anton Faistauer wurde 1887 in St. Martin bei Lofer im Bundesland Salzburg geboren. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien (1906-09). 1909 gründete er die "Neukunst-Gruppe" in Wien, mit der er einige Ausstellungen organisierte. Während des Krieges kehrte er ins Land Salzburg zurück. 1919 war er in Salzburg Mitbegründer der Künstlervereinigung "Der Wassermann". Er unternahm viele Reisen, seine Bilder waren in erfolgreichen Ausstellungen zu sehen, er erhielt Aufträge und Auszeichnungen. Er galt unbestritten als einer der Führer der modernen österreichischen Malerei seiner Zeit, wie Prof. Franz Fuhrmann 1972 schrieb. 1930 starb er als allgemein anerkannter Künstler.

Bisherige Preisträger

1970 hat die Salzburger Landesregierung die Stiftung des Anton-Faistauer-Preises beschlossen. Das erste Mal wurde der Preis zu gleichen Teilen an einen österreichischen und einen ausländischen Künstler aufgeteilt:

 

1972   Wolfgang Denk und Kuno Küster,

1975   Ines Höllwarth und Herbert Stejskal.

Anlässlich des 90. Geburtstages von Anton Faistauer vergab das Land Salzburg einen Sonderpreis für Zeichnung:

1977   Johann Jascha

Seit 1979 wird der Preis nur noch österreichweit an Maler/innen unter 40 Jahren vergeben.

1979   Drago J. Prelog

1983   Wolfgang Böhm

1987   Johanes Zechner

1990   Jakob Gasteiger

1993   Elmar Trenkwalder

1996   Gunter Damisch

1999   Suse Krawagna

2002   Esther Stocker

2005   Eva Wagner

2008   Gerlind Zeilner                          M10-114

 

Franz Neumayr wird den Redaktionen für das Landespressebüro Fotos von der Preisverleihung anbieten.