Salzburger Kultur-Barometer liegt erstmals vor

Brenner: Studie künftig alle vier Jahre, um Trends und Entwicklungen aufzuzeigen / Grundlage innovativer Kulturpolitik

Salzburger Landeskorrespondenz, 26.11.2008
 

(LK)  Das Salzburger Kultur-Barometer, die erste repräsentative Studie zum kulturellen Konsumverhalten und zu kulturpolitischen Werteinstellungen der Salzburgerinnen und Salzburger, wurde heute, Mittwoch, 26. November, von Kulturreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. David Brenner präsentiert. Gemeinsam mit Mag. Ernestine Depner-Berger vom Institut für Grundlagenforschung (IGF), die im Auftrag des Kulturressorts die empirische Studie durchführte, informierte Brenner über die Ergebnisse der Studie.

"Die durch diese Studie gewonnenen Erkenntnisse sind sehr aufschlussreich und eine gute Grundlage für eine innovative Weiterentwicklung der Kulturpolitik und -verwaltung. Deshalb möchten wir in Zukunft alle vier Jahre eine solche Studie durchführen, um Entwicklungen, Tendenzen und Trends frühzeitig erkennen und darauf reagieren zu können sowie kulturpolitische Maßnahmen des Landes zu evaluieren. Auch Veranstalter, Kunst- und Kulturschaffende erhalten dadurch Orientierungshilfen", schilderte Brenner weiter. Zum Aufbau der Studie erläuterte Ernestine Depner-Berger vom IGF: "Wir haben im Oktober und November insgesamt 1.002 Salzburgerinnen und Salzburger über 15 Jahren in allen Salzburger Bezirken befragt. Durch diese relativ große Auswertungsbasis bekommen wir aussagekräftige Ergebnisse."

Die Ergebnisse im Detail:

1. Veranstaltungsbesuche: Museen bei Älteren, Kinos bei Jungen am beliebtesten

"Museen- und Kinobesuche sind die beliebtesten kulturellen Aktivitäten der Salzburgerinnen und Salzburger", schilderte Kulturreferent Brenner.

"Es zeigte sich auch, wie aufgrund der Konzentration der großen Museen in der Stadt nicht anders zu erwarten, dass die Stadtbevölkerung in merklich höherem Ausmaß Museen besucht. Lediglich 23 Prozent der Befragten aus der Stadt  besuchten in den letzten zwölf Monaten kein Museum", so Brenner weiter.

Aber: "Jüngere Menschen werden von den Museen weniger angesprochen. Von den unter 29-Jährigen hat in den letzten zwölf Monaten die Hälfte keinen Museumsbesuch gemacht", präzisierte Ernestine Depner-Berger. "Dafür sind Kinobesuche die große Domäne der jungen Salzburger: Fast 90 Prozent von ihnen haben in den letzten zwölf Monaten einen oder mehrere Filme im Kino gesehen", erläuterte Depner-Berger.

Die Bandbreite derer, die so genannte Hochkultur-Veranstaltungen (Theater, Oper, klassische Konzerte) frequentiert haben, liegt bei den entsprechenden Sparten zwischen 25 und 38 Prozent. Bei der Mehrzahl handelt es sich um Personen, die ein- bis zweimal, gelegentlich auch öfter diese Aufführungen besuchen und sich ein solches "Kulturereignis" auch leisten. Die Angebote der "Hochkultur" werden stärker von den "oberen" Bildungsschichten besucht. 

2. Männer sind "Hochkultur-Muffel"

Bei den Hochkultur-Veranstaltungen ist ein signifikantes Stadt-Land-Gefälle zu beobachten. Während in der Stadt Salzburg nur 49 Prozent "nie" Schauspielaufführungen in größeren Bundes- oder Landestheatern besuchen, steigt dieser Anteil Innergebirg auf bis zu 80 Prozent an. Junge Probanden sind für diese Veranstaltungen nicht zu begeistern: "85 Prozent besuchen nie eine Schauspielaufführung dieser Art - bei den Opernbesuchen steigt der Anteil gar auf 98 Prozent."

Männer sind in höherem Ausmaß "Hochkultur-Muffel" als Frauen. "67 Prozent der Männer besuchten nie ein klassisches Konzert - bei den Frauen beträgt der Anteil 58 Prozent. Der Besuch klassischer Konzerte ist eine Altersfrage: je älter die Befragten sind, umso häufiger werden klassische Konzerte besucht", machte Brenner klar

3. Eigene kulturelle Aktivitäten: Musizieren, Malen, Singen als Spitzenreiter

Fast die Hälfte aller Salzburgerinnen und Salzburger (45 Prozent) ist selber kulturell aktiv: Davon musizieren 20 Prozent; 17 Prozent beschäftigen sich mit Malen, Zeichnen oder Bildhauerei und 16 Prozent singen regelmäßig. Immerhin noch zwölf Prozent sind selber literarisch aktiv. "Auch hier zeigte sich, dass Frauen kulturell aktiver sind als Männer und Ältere aktiver als Jüngere (bis 29 Jahre)." 

4. Zufriedenheit mit dem kulturellen Angebot in der näheren Umgebung: Innergebirg und
    bei jungen Menschen besteht noch Aufholbedarf

"Die Analyse zeigt einmal mehr auf, dass das Angebot in der Stadt Salzburg sehr zufriedenstellend ist, weniger jedoch in den ländlichen Gebieten und Gauen. Ich fühle mich daher darin be-stätigt, dass wir insbesondere Innergebirg noch einiges tun müssen. So muss auch der Lungau - als letzter Salzburger Bezirk - endlich ein eigenes Kulturzentrum bekommen. Aus diesem Grund führe ich derzeit intensive Gespräche mit Vertretern der Gemeinde Tamsweg und der Lungauer Kulturvereinigung, um auch im Lungau endlich ein regionales Kulturzentrum zu errichten", sagte David Brenner.

Die Zufriedenheit mit dem kulturellen Angebot in der näheren Umgebung zeigt noch weitere signifikante Unterschiede auf. "Rund zwei Drittel aller Befragten sind mit dem Angebot sehr/ziemlich zufrieden. Weniger zufrieden sind Menschen unter 29 Jahren, die in ihrer näheren Umgebung nicht alle die Angebote finden, die sie anscheinend suchen", präzisierte Depner-Berger. Interessant sind jedoch die regionalen Unterschiede: Während 43 Prozent der Stadtbewohner sehr und 32 Prozent ziemlich zufrieden mit dem kulturellen Angebot in der Umgebung sind, sind unter den Befragten Innergebirg  nur 28 Prozent sehr und 34 Prozent ziemlich zufrieden. 

5. Breite Akzeptanz für Kunst- und Kulturförderung

"In der Salzburger Bevölkerung besteht ein Grundkonsens darüber, dass Kunst und Kultur mit öffentlichen Mitteln gefördert werden sollen", freute sich Kulturreferent Brenner. Nur 15 Prozent sind grundsätzlich gegen eine Kulturförderung und meinen, dass sich "Künstler selber erhalten sollen". 58 Prozent stimmen dieser Aussage gar nicht zu. Dieser Befund bestätigt sich auch dadurch, dass 70 Prozent der Befragten die Ansicht vertreten, Kulturförderung sei eine wichtige Sache, auch dann wenn sie keinen wirtschaftlichen Nutzen bringt.

6. Salzburger geben im Schnitt 50 Euro pro Monat für Kulturgenuss aus

Fast ein Drittel aller Befragten (31 Prozent) konnte oder wollte keine Angaben über seine monatlichen Kulturausgaben machen. "Rund ein Viertel gibt bis zu 20 Euro im Monat für Kulturaktivitäten aus, 30 Prozent geben zwischen 21 und 60 Euro im Monat aus. Zwischen 61 und 100 Euro geben neun Prozent der Befragten aus, und rund sieben Prozent der Befragten lassen sich ihre Kulturaktivitäten mehr als 100 Euro im Monat kosten", erklärte IGF-Geschäftsführerin Ernestine Depner-Berger.

Wie die nachfolgende Tabelle aufzeigt, geben Ältere im Durchschnitt mehr für ihre Aktivitäten aus als Junge. "Das hängt natürlich auch mit dem verfügbaren Einkommen zusammen, aber sicher nicht nur", stellte David Brenner fest. "Weitere Studienergebnisse zeigen, dass sich jüngere Menschen auch schwerer tun, für sie attraktive Kulturangebote zu finden." Ebenfalls interessant: "Die Ausgaben steigen tendenziell mit dem Bildungsniveau. Und die höchsten Ausgaben werden in der Stadt Salzburg genannt", schilderte Depner-Berger.


Die nachfolgende Tabelle zeigt die Ausgaben im Detail. Die letzte Spalte zeigt die Ausgaben im Durchschnitt in Euro (Basis: Angaben sind erfolgt).

 

(Angaben in Prozent):

w.n.

Bis 20 Euro

21-40 Euro

41-60 Euro

Mehr als 60 Euro

Durch- schnitt

Gesamt

31

23

15

16

16

49,1

Männer

36

24

12

14

14

48,3

Frauen

26

22

17

17

16

49,8

Bis 29 Jahre

33

24

19

19

5

31,7

30-44 Jahre

33

21

12

15

19

54,7

45-59 Jahre

25

28

12

13

22

51,3

60 Jahre und älter

33

18

16

16

16

57,5

Pflichtschule

28

24

17

15

13

52,8

Pflichtschule mit Lehre

33

30

13

14

12

36,1

Fachschule

37

23

13

15

11

39,3

Matura/Universität

28

13

14

19

26

64,2

Salzburg Stadt

20

16

14

27

23

59,1

Flachgau/Tennengau

35

18

16

15

15

48,1

Pongau/Pinzgau/Lungau

36

33

14

7

10

39,5

 

 

7. Preiseinschätzung: "Luxus" Oper?

Zusätzlich wurde nach der individuellen Preiseinschätzung von Eintrittskarten für verschiedene Kulturangebote gefragt. So empfinden beispielsweise 53 Prozent der Befragten Opernkarten als zu teuer und 23 Prozent als angemessen ein (24 Prozent "weiß nicht"-Antworten). Karten für klassische Konzerte empfinden 30 Prozent als zu teuer und 42 Prozent als angemessen (29 Prozent "weiß nicht"). Theaterkarten halten 28 Prozent der Salzburgerinnen und Salzburger für zu teuer, 53 Prozent halten die Preise in dieser Sparte für angemessen (19 Prozent "weiß nicht). 

Als zusätzliche Referenz wurde auch nach der Preiseinschätzung von Schi-Tagespässen gefragt. Hier waren es sogar überwältigende 65 Prozent, die Schi-Tagespässe für zu teuer halten, lediglich 18 Prozent für angemessen (17 Prozent "weiß nicht"). Schifahren wird also mittlerweile als größerer Luxus wahrgenommen als Opernbesuche.

8. Durchschnittsnote 2,5 für die Kulturpolitik / Konsequenzen aus dem Salzburger
      Kultur-Barometer

Die Durchschnittsnote bezüglich der Zufriedenheit mit der Kulturpolitik im Land Salzburg beträgt 2,5 auf der Schulnotenskala. Zwölf Prozent aller Befragten sind sehr zufrieden mit der Kulturpolitik im Land Salzburg, 36 Prozent eher zufrieden. "Bemerkenswert ist die Tatsache, dass mit zunehmendem Bildungsniveau die Zufriedenheit mit der Kulturpolitik merklich ansteigt", ergänzte Depner-Berger.

Definitiv unzufrieden sind lediglich 13 Prozent aller Befragten. Der doch merkliche Anteil von 39 Prozent der Befragten, die "so teils/teils“ zufrieden sind und die Note 3 vergaben, lässt darauf schließen, so Depner-Berger, "dass man doch Angebote vermisst - oder diese aber zu wenig kennt oder aus diversen anderen Gründen nicht oder zu wenig in Anspruch nehmen kann." 

Kulturangebote im ländlichen Raum forcieren

Besonders oft wurde hier die große räumliche Distanz zu Veranstaltungsorten bemängelt. "Das zeigt klar, dass wir uns verstärkt auch um den ländlichen Raum kümmern müssen und Kulturangebote dort ermöglichen müssen, wo die Menschen zuhause sind", lautet Brenners Schlussfolgerung. 

Verstärkt Maßnahmen für unzufriedene junge Generation setzen

"Auffallend ist, dass die jüngeren Befragten hier deutlich unzufriedener sind. Ich denke, das ist auch ein Auftrag an eine innovative Kulturpolitik, mehr Angebote für junge Menschen zu setzen und mehr zu ermöglichen", machte Kulturreferent David Brenner klar.

"Ein erster Schritt in diese Richtung war sicher >Podium ´08<, wo wir 100.000 Euro speziell für kulturelle Ausdrucksformen der neuen Generation bereitgestellt haben. Diese Ausschreibung war ein Riesen-Erfolg, es wird daher auch in den kommenden Jahren eine >Podium<-Ausschreibung geben. Und wir werden uns weitere Schritte einfallen lassen, um auch von der Kulturpolitik vermehrt Akzente für junge Menschen zu setzen", so Brenner weiter.

FH-Studie wird Mehrwert der Kulturförderung für Gemeinden
aufzeigen

Man müsse auch in den Gemeinden Bewusstsein schaffen, dass Kulturförderung sinnvoll ist und einen großen Mehrwert für die Orte bringt, hielt der Kulturreferent fest. "Auch aus diesem Grund ist das Kulturressort eine Partnerschaft mit einem studentischen Projekt der Fachhochschule Urstein eingegangen. In diesem Projekt sollen die ökonomischen Auswirkungen einer gezielten Kunst- und Kulturförderung im ländlichen Raum aufgezeigt werden. Wir sind schon gespannt auf die Ergebnisse dieses Projekts", erklärte Landeshauptmann-Stellvertreter David Brenner abschließend. M240-110 

Der gesamte Studienbericht ist unter www.salzburg.gv.at/sbg_kultur_barometer.pdf abzurufen.