Ehemaliger Landesbediensteter erhielt Goldenen Ehrenring

Burgstaller beim "dies academicus" der Universität Salzburg

Salzburger Landeskorrespondenz, 09.12.2008
 

(LK)  Die Universitätslandschaft Salzburgs mit den drei starken Säulen Paris-Lodron-Universität, Kunstuniversität Mozarteum und Paracelsus Medizinische Privatuniversität biete ein überzeugendes Anschauungsbeispiel für ein neues akademisches Selbstbewusstsein. Das betonte Bildungsreferentin Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller heute, Dienstag, 9. Dezember, beim zweiten "dies academicus" der Universität Salzburg in der Großen Aula. Als "dies academicus" bezeichnet man einen an vielen Universitäten üblichen akademischen Feiertag.

Beim Festakt in Anwesenheit von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer wurden MMag. Christina Maria Kreinecker und Mag. Andreas Freinschlag promoviert sowie die Habilitationen des vergangenen Jahres vorgestellt. Außerdem wurde an den Salzburger Schriftsteller Walter Kappacher die Würde eines Ehrendoktors und an Dr. Gerhard Heinrich die Würde eines Ehrenbürgers verliehen. Hofrat Dr. Peter Mittermayr und Hofrat Mag. Dr. Walter Thaler erhielten für ihre besonderen Verdienste um die Universität Salzburg Goldene Ehrenringe.

Dr. Peter Mittermayr bekam den goldenen Ehrenring für seine außerordentlichen Verdienste um die Universität. Durch seinen Einsatz und seine Verbundenheit mit der Universität hat er wesentlich zur Förderung ihres Ansehens, ihrer Einbettung in das regionale Umfeld sowie ihrer Kooperation mit Politik und Wirtschaft beigetragen. Hofrat Dr. Mittermayr leitete von 1966 bis 1970 das Kabinett von Landeshauptmann Dr. Hans Lechner und war von 1973 bis zu seiner Pensionierung 2003 Leiter der Präsidialabteilung des Amtes der Salzburger Landesregierung. Sein Aufgabenbereich umfasste die Agenden Forschung, Wissenschaft und Kultur. Große Verdienste erwarb sich Mittermayr um die Restaurierung der Großen Universitätsaula. Mit seiner Vermittlung konnten Dr. Donald Kahn und dessen Gattin Jeanne für eine bedeutende Geldspende zur Mitfinanzierung des Umbaus gewonnen werden. Weiters wirkte er an der Gründung der Internationalen Salzburg Association, des Christian-Doppler-Fonds, des Instituts für Menschenrechte und des Österreichischen Instituts für Rechtspolitik mit. Er verfasste zahlreiche Publikationen und engagierte sich auch ehrenamtlich.

Mag. Dr. Walter Thaler wurde der goldene Ehrenring der Universität Salzburg für seine hervorragenden Verdienste um die Universität und um die der Universität anvertrauten Gebiete der Wissenschaften verliehen. Durch seine Verbundenheit mit der Universität hat er wesentlich zur Förderung ihres Ansehens, ihrer Einbettung in das regionale Umfeld mit Politik und Wirtschaft beigetragen. Dr. Thaler, geboren 1941, studierte Germanistik und Anglistik und arbeitete zunächst als Lehrer und AHS-Direktor. Sodann war er 35 Jahre in der Salzburger Landes- und Kommunalpolitik tätig, davon zwölf Jahre als Bürgermeister von Zell am See und 23 Jahre im Salzburger Landtag. Als Wissenschafts-, Schul- und Kultursprecher sowie als Klubobmann der SPÖ und Zweiter Landtagspräsident hat er sich laufend für die Belange der Universität Salzburg engagiert. So setzte er sich für die Errichtung einer Medizinischen Fakultät an der Universität Salzburg ein. Als diese aus bildungspolitischen Gründen nicht mehr realisierbar war, forcierte er zur Stärkung es Bildungs- und Universitätsstandortes die Errichtung der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg. Von 1999 bis 2002 war Dr. Thaler stellvertretender Vorsitzender des Universitätsbeirates. Durch seine Vermittlung lukrierte die Universität erhebliche Geldbeträge.

Mag. Andreas Freinschlag hat seine Dissertation zum Thema "Theorie der literarischen Provokation. Eine Grundlegung" geschrieben. Der aus Kirchdorf an der Krems (Oberösterreich) stammende Freinschlag wurde 1979 geboren, studierte an der Universität Salzburg Germanistik und Klassische Philologie und absolvierte Forschungsaufenthalte an der Freien Universität Berlin und an der Universität Fribourg. Freinschlag verfasste zahlreiche Beiträge für wissenschaftliche Tagungen, organisierte interdisziplinäre Symposien, erhielt verschiedene Stipendien und ist Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Gesellschaften. Darüber hinaus lehrte er an den Universitäten Salzburg und Fribourg. Derzeit arbeitet er an mehreren Publikationen, unter anderem an der Monographie "Die Wiener Gruppe". Das Werk soll im kommenden Jahr im Böhlau Verlag erscheinen. Außerdem ist er Mitherausgeber der "Literarischen Provokationen in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur".

MMag. Christina Maria Kreinecker verfasste ihre Dissertation zum Thema "Er hat ihn auferweckt". Es handelt sich um eine Darstellung der biblischen Auferstehungsgeschichte in der sahidisch-koptischen Handschriftenbezeugung im Vergleich zum griechischen Text anhand von textkritischen, syntaktischen, philologischen und synoptischen Untersuchungen. Kreinecker leistet einen wichtigen Beitrag zur neutestamentlichen Textforschung und entfacht gleichzeitig eine Diskussion, wie künftig an die Analyse zumindest des koptischen Bibeltextes heranzugehen ist. Christina Kreinecker wurde 1980 in Wels (Oberösterreich) geboren. 1999 begann sie ihr Studium an der Universität Salzburg mit der Lehramtkombination Klassische Philologie und Kombinierte Religionspädagogik. Von September 2002 bis Juli 2003 studierte sie an der päpstlichen Universität "Gregoriana" und der staatlichen Universität "La Sapienza" in Rom. Nach dem Abschluss ihres Studiums 2007 war Kreinecker als Studienassistentin am Institut für Klassische Philologie an der Universität Salzburg tätig, ab März 2005 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt "Biblia Coptica - die koptischen Bibeltexte". Zurzeit arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Projekt "Papyrologischer Kommentar zum 1. und 2. Thessalonikerbrief". In ihrer Freizeit ist Kreinecker begeisterte Musikerin, spielt Saxophon und Violine und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet.

Ehrendoktorat an Walter Kappacher

Aufgrund der außerordentlichen literarischen Qualität seines Werkes und zu seinem 70. Geburtstag verleiht die Universität Salzburg an den Schriftsteller Walter Kappacher das Ehrendoktorat der Philosophie. Kappachers Werk ist der Idee universitärer Bildung und vor allem dem Salzburger Schwerpunkt von "Wissenschaft und Kunst" in besonderer Weise verbunden. Fast in jedem seiner Bücher geht es um den wichtigen Stellenwert des Lesens und der Erfahrung der Kunst. Hintergrund und Erfahrungsfundus seiner Bücher ist der eigene biographische Weg des Autors, der ihn von der Mechanikerlehre und von der Arbeit im Reisebüro in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung führte. Aus einfachen Verhältnissen stammend, in Liefering aufgewachsen, seit mehreren Jahren in Obertrum lebend, ist Walter Kappacher ein Schriftsteller der zeitgenössischen Moderne, der im deutschsprachigen Raum von Kennern geschätzt wird, aber doch außerhalb des Literaturbetriebs und Bestsellermarkts steht.

2005 wurde Walter Kappacher in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung gewählt, 2004 erhielt er den international vergebenen Hermann-Lenz-Preis. Schon sein erster Roman "Morgen" wurde ein Jahr nach seinem Erscheinen im kleinen Salzburger Winter-Verlag (1975)  in den Suhrkamp Verlag übernommen. "Selina", der 2005 erschienene Roman, gilt als einer der schönsten Romane der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur.

Dr. Gerhard Heinrich wird für sein besonderes Engagement um die Universität Salzburg der Titel  eines Ehrenbürgers verliehen. Heinrich war Vorsitzender der Stiftungs- und Förderungsgesellschaft, die vor allem wissenschaftliche Publikationen sowie die Anschaffung von Anlagen für die Forschung durch Subventionen fördert. Heinrich wurde 1939 in Wien geboren, studierte dort Rechtswissenschaften und begann seine berufliche Laufbahn in der Vereinigung Österreichischer Industrieller. Von 1977 bis 2004 war er Geschäftsführer der Salzburger Industriellenvereinigung. Sein Hauptarbeitsgebiet lag vor allem im Arbeitsrecht und in der Arbeitsmarktpolitik. Er wirkte am Kommentar zum Arbeitsverfassungsgesetz sowie am Handbuch "Arbeitsrecht" mit. Neben seiner beruflichen Tätigkeit war er unter anderem als Mitglied des Sozialausschusses der UNICE (Dachverband der europäischen Unternehmerverbände) in Brüssel, als Mitglied des AMS-Landesdirektoriums Salzburg und als Rechnungsprüfer der Freunde der Salzburger Festspiele tätig.

Burgstaller: Universität im Aufbruch

"Die Universität Salzburg befindet sich seit einigen Jahren in einem sehr positiven Prozess des Aufbruchs und auf einem erfolgreichen Weg", sagte Landeshauptfrau Burgstaller weiter. "Die Evaluierung der universitären Schwerpunkte, die seit heuer vorliegt, hat die in Salzburg verwirklichte Schwerpunktsetzung und Profilbildung eindrucksvoll bestätigt. Es gibt auch äußere Zeichen für diesen Aufbruch. Im Jänner dieses Jahres erfolgte der Spatenstich für den Neubau der Kultur- und Gesellschaftswissenschaften; ein Großprojekt, das als Uni-Park Nonntal auch im Salzburger Stadtbild deutliche Spuren hinterlassen wird. Rund 200 Beschäftigte und zirka 5.000 Studierende werden den Wissenschafts- und Forschungsstandort zentrumsnah mit Leben erfüllen. Ende Oktober wurde das Zentrum für European Union Studies auf der renovierten und adaptierten Edmundsburg auf dem Mönchsberg eröffnet, einem der schönsten Standorte Salzburgs. Auch das ist ein sichtbarer Ausdruck für den inhaltlichen und baulichen Erneuerungsschub, in dem sich die Universität seit einigen Jahren befindet."

Darüber hinaus wurde im November auch heuer wieder die Veranstaltung "Uni hautnah" im Salzburger Europark statt - "eine große, beeindruckende Leistungsschau, die zeigt, dass an der Universität spannende, herausfordernde und für Wirtschaft und Gesellschaft bedeutsame Wissenschaft und Forschung betrieben wird", so Burgstaller. Diese dreitägige Schau wurde erstmals durch eine "Lange Nacht der Forschung" ergänzt, an der sich auch die anderen Wissenschaftseinrichtungen in Salzburg beteiligten.

"Das Land wird der Universität ein guter und verlässlicher Partner bleiben", führte Burgstaller weiter aus. "Wir können und wollen nicht als Lückenbüßer für andere agieren. Aber wir werden weiterhin gemeinsam mit der Universität versuchen, besondere Projekte und gut sichtbare Leuchttürme für Wissenschaft und Forschung in Salzburg zu verwirklichen. In den vergangenen Jahren habe ich schwerpunktmäßig Ressortgelder in die Biowissenschaft, Gesundheit und Medizin investiert. Das wird auch weiterhin ein Thema bleiben. Aber beginnend mit 2009, unterstützt durch den Wissenschafts- und Forschungsrat des Landes, beabsichtige ich, auch schwerpunktmäßig Gelder für Kunst, Kultur und Geisteswissenschaften zur Verfügung zu stellen. Dabei ist mir auch die Unterstützung von Kooperationen mit der Universität Mozarteum oder der Fachhochschule ein großes Anliegen", so Burgstaller. M250-53