Salzburger Archivalien kehrten nachhause zurück

Burgstaller: "DNA" des historischen Landes Salzburg nun leichter zu entschlüsseln / Schub für landesgeschichtliche Forschung

Salzburger Landeskorrespondenz, 16.03.2009
 

(LK)  Nach jahrelangen Bemühungen konnte nun die Rückführung der Salzburger Archivalien, die während der Wirren der napoleonischen Zeit "geraubt" und nach München oder Wien gebracht worden sind, abgeschlossen werden. Es sind nicht alle Akten im Original zurückgekehrt, dafür sind aber alle 19.000 Urkunden digitalisiert und stehen damit - was bei Originalen nicht einmal denkbar wäre - jedem interessierten Nutzer unmittelbar zur Verfügung. Hinzu kommt die Rückkehr der Salzburger Kammerbücher in sechs Bänden (2.500 mittelalterliche Urkunden) mit Inhalten zur Vermögens- und Finanzverwaltung des Erzbistums. Schließlich ist auch der bayerisch-salzburgische Archivalienaustausch, unter anderem anhand von Kostbarkeiten aus der Salzburger Landkartensammlung, nach 200 Jahren zu einem positiven Abschluss gebracht worden.

"Was uns jetzt wieder vollständig zur Verfügung steht, ist so etwas wie die ‘DNA‘ des historischen Landes Salzburg: die an historischen Dokumenten festgehaltene rechtliche Substanz unseres Landes. Der eigentlichen vollständigen Entschlüsselung durch die historische Wissenschaft, die bisher nur fragmentarisch und mit viel Reiseaufwand möglich war, steht nun nichts mehr im Weg. Ganz im Gegenteil - einen besseren und breiteren Zugang zu den 19.000 Urkunden als deren Digitalisierung kann man sich gar nicht vorstellen. Wir dürfen also mit der Zeit einen kräftigen Schub landesgeschichtlicher Forschung erwarten und viele Antworten auf Fragen, die wir bisher noch gar nicht zu stellen wagten - insbesondere, weil die Dokumente fehlten", stellte Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller heute, Montag, 16. März, in einem Informationsgespräch im Salzburger Landesarchiv fest.

Manchmal müsse man einfach ein bisschen Geduld haben. Nach rund 200 Jahren lösen sich die Probleme zwar noch immer nicht von allein. Aber wenn zur richtigen Mischung aus Sachverstand, Beharrlichkeit und Charme dann auch noch die berühmte Gunst der Stunde hinzukomme, dann könne ein wirklich großer Wurf wie dieser gelingen, so Burgstaller weiter, die sich beim Leiter des Salzburger Landesarchivs, Hofrat Dr. Fritz Koller, und seinen Mitarbeitern und zugleich auch bei den Verantwortlichen in München und Wien für deren Kooperationsbereitschaft bedankte.

Für die Landeshauptfrau ist der Abschluss der Rückführung der Salzburger Archivschätze einer der Höhepunkte des Gedenkjahres 2009: "Es ist das formale und vor allem gute Ende von 200 Jahren der Verwirrung um die Aktenbestände des früher eigenständigen Landes Salzburg. Damit wird eine der längsten ‘Entlehnungen‘ der jüngeren Geschichte beendet. Vielleicht ist das sogar etwas für das Guinness-Buch der Rekorde."

Lösung in bestmöglicher Form verwirklicht

"Nach dem Ende der Selbstständigkeit Salzburgs als eigenes Reichsfürstentum 1805 wurden die Schätze aus dem Archiv der Salzburger Fürsterzbischöfe teils nach Wien, teils nach München ‘verbracht‘. Umfangreiche Bestände blieben in Salzburg. 200 Jahre lang wurde nach einer Lösung für diese unbefriedigende Situation gesucht. Das Salzburger Landesarchiv hat sie nun in der bestmöglichen Form verwirklicht", erläuterte Hofrat Dr. Fritz Koller.

Virtuelle Rekonstruktion des Urkundenarchivs der Fürsterzbischöfe

Im Österreichischen Staatsarchiv in Wien befinden sich mehr als 15.000 Salzburger Original-urkunden und mehr als 100 Handschriften. Juristische und finanzielle Gründe schließen eine Rückführung aus. Als bisher einziges Ergebnis der Vermögensverhandlungen zwischen dem Bund und dem Land Salzburg konnte erreicht werden, dass sich Bund und Land die Kosten von 50.000 Euro für eine Sicherheitsverfilmung dieser Archivalien teilen. "Die Notwendigkeit von Sicherheitsverfilmungen wurde jüngst mit der Katastrophe von Köln verdeutlicht", so Hofrat Dr. Koller. Ohne Mehrkosten für das Land übernahm die private wissenschaftliche Organisation "Icarus" gleichzeitig eine Digitalisierung dieser Urkunden. "Icarus" hat auch die zirka 1.000 Salzburger Urkunden in München und die zirka 2.500 Urkunden in Salzburg digitalisiert. Im Salzburger Landesarchiv werden diese insgesamt rund 19.000 Urkunden-Digitalisate mit Inhaltsangaben versehen und ohne Rücksichtnahme auf den heutigen Standort des Originals chronologisch gereiht. Damit entsteht eine virtuelle Rekonstruktion des vor 200 Jahren zerrissenen Urkundenarchivs der Salzburger Fürsterzbischöfe, in das jede Forscherin und jeder Forscher vom Bildschirm aus im Internet unter www.monasterium.net Einsicht nehmen kann.

Rückkehr aus Wien: Die Salzburger Kammerbücher

Was für den Salzburger Archäologen die Schnabelkanne vom Dürrnberg ist, sind für den Salzburger Archivar die "Salzburger Kammerbücher". Sie waren das Herz vom Herzen des fürsterzbischöflichen Archivs. Die sechs Bände stammen aus dem Mittelalter und beinhalten die Abschriften von etwa 2.500 Urkunden, die vielfach nur in dieser Form erhalten sind. 1806 kamen sie nach Wien. Die Rückkehr der Kammerbücher im Original nach 200 Jahren ist mehr als ein Symbol. Besitzrechtliche Fragen wurden in Form einer Dauerleihgabe entschärft, führte der Leiter des Salzburger Landesarchivs aus.

Bayerisch-salzburgischer Archivalienaustausch

Von 1810 bis 1816 bedienten sich die Bayern an den Resten des Alt-Salzburger Archivs. Sie nahmen mit, was sich auf die Erhebung 1809 gegen Bayern und Franzosen bezog und was für zukünftige Verhandlungen mit Österreich über Grenze, Salz und Holz brauchbar schien. Unter anderem kamen Kostbarkeiten aus der Salzburger Landkartensammlung nach München. Glücklicherweise "vergaßen" die Bayern 1816 in Salzburg einige Bestände. 200 Jahre lang redete man über Nach- bzw. Rückforderungen. 2003 bis 2006 wurde mit dem bayerisch-salzburgischen Archivalienaustausch eine einvernehmliche nachbarschaftliche Lösung erreicht, mithilfe dieser konnten u.a. unersetzliche Originale historischer Karten nach Salzburg zurückgebracht werden. n62-20

 

 

Franz Neumayr wird den Redaktionen für das Landespressebüro Fotos anbieten.  

 

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