Volkskultur ist individuelles Merkmal einer Region

Burgstaller und Eberle: Museum Bramberg Wilhelmgut erhielt Museumsschlüssel / Volkskulturmedaille in Gold an Erich Urbanek

Salzburger Landeskorrespondenz, 06.10.2010
 

(LK)  Den Salzburger Museumsschlüssel überreichten Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller und Volkskulturreferentin Landesrätin Doraja Eberle gestern, Dienstag, 5. Oktober, Abend bei einem großen Festakt in der Salzburger Residenz an das Museum Bramberg Wilhelmgut. Anerkennungspreise zum Salzburger Museumsschlüssel gab es für das Museum Tauernbahn in Schwarzach im Pongau und für das Museum Burg Golling. Darüber hinaus erhielt Regierungsrat Erich Urbanek die Salzburger Volkskulturmedaille in Gold.

Für großes Engagement auf dem Gebiet der Salzburger Volkskultur wurden weiters 14 Verdienstzeichen des Landes für verdiente Persönlichkeiten in der Salzburger Volkskultur sowie 41 Jungmusikerinnen- und Jungmusiker-Leistungsabzeichen und sechs Musikerinnen- und Musiker-Leistungsabzeichen in Gold verliehen. Außerdem wurden drei Personen mit dem Volkstanz-Leistungsabzeichen in Gold, drei Absolventen des Kapellmeisterkurses und 20 Absolventen der Stabführerprüfung geehrt.

Erich Urbanek ist seit Jahrzehnten als ehrenamtlicher Museums-Kustos tätig und hat sich um das Salzburger Museum Burg Golling besondere Verdienste erworben. Durch seine frühere berufliche Tätigkeit als Verwaltungsleiter im Salzburger Museum Carolino Augusteum konnte er seine Erfahrungen in der Museumsarbeit auch in den Arbeitskreis Heimatsammlungen, den Zusammenschluss der Salzburger Orts-, Regional- und Fachmuseen einbringen.

Museum Wilhelmgut: Informativ und stimmungsvoll

Die Jury empfand den Besuch im Museum Bramberg Wilhelmgut als aufschlussreich, informativ und stimmungsvoll, das Team des Hauses zeigte sich kompetent und engagiert und dem Projekt verbunden. Besonders gelungen erscheint die mutige, architektonische Verbindung des  historischen Gebäudes Wilhelmgut mit der neu errichteten, unterirdischen Ausstellungshalle, die sich hervorragend in das Ensemble einfügt und die Sammlungen der Mineralien beherbergt. Die Trennung der beiden Gebäude, die zwei unterschiedliche Sammlungsbereiche enthalten, ist im neu situierten Eingangsbereich optisch durch einen Kontrast der Materialien und der Gestaltung konsequent durchgeführt, stellt aber keinen Bruch dar. Der Eingang beginnt nicht erst bei der Tür, sondern bereits im direkten Umfeld im Gartenbereich des Museums, der in seiner Gestaltung, in dem Nebeneinander von modernen Elementen und lokalspezifischer Gartenanlage und der Pflege des Ensembles zum Verweilen einlädt. Er kann auch für Veranstaltungen genutzt werden. Die einladende Gestaltung setzt sich im Foyer fort, wo neben einem übersichtlichen Kassenpult ein gut sortiertes Geschäft mit Sitzmöglichkeiten zum Lesen und Gustieren einlädt. Besonders erwähnenswert sind hier Getränkeautomaten sowie Details wie ein Wasserkrug, der dem Besucher eine kleine Erfrischung bietet.

Die Mineralienausstellung im neu errichteten Gebäudeteil zeigt sich konsequent modern durchgestaltet. Die Kuratoren haben es verstanden, in der Reduzierung von Objekten die Aufmerksamkeit auf einzelne besonders herausragende, sehr gut ins Licht gerückte Stücke zu konzentrieren. Medien und Objekte zum Anfassen sind sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche eingerichtet, ein Filmraum lädt zum Verweilen ein. Die grafische Gestaltung von Raum und Vitrinen nimmt  kristalline Strukturen auf und zeugt von themenorientierten Ideen.

Gleichermaßen übersichtlich und großzügig gestaltet sind die Räume im Wilhelmgut, wo auch durch Reduzierung von Objekten in einzelnen Räumen lokalspezifische Themen und Historie von Bewohnern und Handwerkern als Geschichten erzählt und mit liebevoll arrangierten Objekten illustriert werden. Zahlreiche Details wie ein Orientierungsplan, übersichtliche Grafiken mit knappen, informativen Texten, oder Headlines und Raumtitel helfen den Besuchern, den Weg durchs Haus und durch die Geschichte Brambergs zu finden.

Das große Engagement der Museumsbetreiber zeigt sich beispielsweise auch in der Beschäftigung einer Mitarbeiterin über die Pro-Mente-Stifung. Es gibt eine zielführende Kooperation wischen Kuratoren und Planern und eine gelungene Umsetzung vieler Ausstellungsideen. Es gelang, zwei unterschiedliche Themen unter einem Dach zu vereinen. Die Jury empfiehlt, den mit dem Museumspreis verbundenen Geldbetrag in die Entwicklung und Umsetzung museumspädagogischer Konzepte sowie in die Herausgabe eines Museumsführers, der die Sammlungen, das Konzept und die Architektur des Hauses gleichermaßen vorstellt, zu investieren.

Museum Tauernbahn: Erlebnis mit allen Sinnen

Kaum ein anderes Museum im Bundesland Salzburg ist durch seinen Ausstellungsort, seine spezifische Sammlung und sein durch berufliche Tätigkeit "vorbelastetes" Team derart konsequent aufgestellt wie das Museum Tauernbahn. Die Lage in der alten Remise am Bahnhof in Schwarzach ist durch einen modernen, architektonisch sehr gut gelösten, übersichtlich gestalteten Anbau ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Die Nähe zum Bahnhof ermöglicht mit den Ansagen, den ankommenden und abreisenden Passanten, den einfahrenden Zügen und dem Geruch des Bahnhofes, das Museum mit allen Sinnen zu erleben. Der harmonisch gestaltete Vorplatz mit einzelnen Objekten lädt wie die Freiraumgestaltung mit der begehbaren Lok zum Aufenthalt und zum Entdecken ein. Der Eingangsbereich führt bereits in den Sonderausstellungsteil und zieht mit markanten Objekten und Medienstationen die Besucher in seinen Bann. Nachbauten von Tunneln und Arbeiterbaracken, machen das Leben auf der Baustelle "Tauernbahn" nachvollziehbar, Rauminstallationen regen zum Nachdenken über das Leben der Arbeiter an.

Die Remise besticht durch den authentischen Ort, die zahlreichen Objekte, die noch besser inventarisiert und publiziert werden sollten, sind mit Liebe zum Detail auf- und ausgestellt und funktionsfähig und werden durch die Mitarbeiter in Führungen vorgeführt. Das Manko an Information wird durch fachkundige Auskünfte, die den Besuchern durch die Mitarbeiter, die alle Mitglieder des Museumsvereins sind, vermittelt. Einen weiteren Höhepunkt stellt im Obergeschoß die Modelleisenbahn dar, die mit unglaublichem Engagement in tausenden, ehrenamtlichen geleisteten Arbeitsstunden aufgebaut wurde. Die Modellbahn imitiert maßstabgerecht die Strecke der Tauernbahn. Die computergesteuerten Fahrpläne, die zahllosen Geleisemeter, die naturhafte Kulisse des Gasteinertals und Details wie der Autoverladewagon spiegeln das Bemühen des Vereins wider. Das Tauernmuseum ist ein themenspezifisches Museum am richtigen Ort, eine gelungene, spannende und aufschlussreiche Präsentation einer ständig wachsenden Sammlung. Die Jury empfiehlt, den damit verbundenen Preis in die Inventarisierung und Publikation der zahlreichen Objekte, die in einem in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Gebäude, das adaptiert werden soll, untergebracht werden, zu investieren.

Museum Burg Golling: Übersichtlich und großzügig

Besonders hoch bewertet die Jury das Engagement der Betreiber des Museums Burg Golling. Dieses Engagement zeigt sich in einem hohen Grad an Identifikation mit dem Museum, am wissenschaftlichen Interesse an den Sammlungsbereichen und der konsequenten Umsetzung museumspädagogischer Ideen und Konzepte des früheren Kustos und Gründers und des neuen Leiters. Das Museum in den umgestalteten Räumen der Burg Golling ist trotz komplizierter Raumstrukturen übersichtlich und großzügig gestaltet. Der Eingang ist nach dem Umbau bestens situiert und mit der Kapelle, wo die Besucher noch vor der Kasse mit Informationen und Inszenierungen aufmerksam gemacht und weitergeleitet werden, ein gelungener Auftakt. Die Kassa mit dem Shop und einem für Besucher eingerichteten Kaffeeautomaten laden zum Verweilen ein.

Das Museum zeigt mit der Ausstellung "Napoleon am Paß Lueg - Widerstand anno 1809" ein besonders wichtiges Kapitel Gollinger Geschichte, arbeitet somit die lokalspezifische Vergangenheit auf und leistet einen wichtigen Bildungsauftrag. Die mit wenigen, sorgfältig ausgewählten Objekten ausgestattete Schau ist mit themenspezifischen, modernen Gestaltungselementen und einem hohen Einsatz eigener Kreativität abwechslungsreich gestaltet. Medienstationen, Sitzmöglichkeiten, Objekte zum Berühren und kurz gehaltene, informative und grafisch gut aufbereitete Texttafeln gestalten den Besuch abwechslungsreich und einladend. Im zweiten Teil des Museums zeigen sich die Räume mit Einzelthemen, wie beispielsweise Archäologie in und um Golling, oder der Fossiliensammlung mit überregional bedeutenden Objekten, die bei der bevorstehenden Umgestaltung und Neukonzeption des Museums ins Zentrum des Interesses gestellt werden sollten.

Das Museum ist durch seine Lage in der markant im Ort situierten Burg und seine herausragenden Sammlungsbereiche ein wichtiger Informations- und Bildungsträger und Tourismusmagnet in Golling.

Burgstaller: Offene Welt braucht Element der Verbundenheit

"Die Volkskultur ist das individuelle Merkmal einer Region und damit besonders im Zeitalter der Globalisierung wichtig. Die offene Welt braucht auch das Element der Verbundenheit. Dafür ist die Volkskultur als Vermittlerin perfekt geeignet", betonte Landeshauptfrau Burgstaller, die in diesem Zusammenhang auch an den langjährigen Vorsitzenden der Salzburger Volkskultur, Kommerzialrat Hanspeter Lugstein, erinnerte. Der vor wenigen Tagen verstorbene Gründer und Präsident des Salzburger Chorverbandes habe sich in vielen Bereichen richtungweisend für die Volkskultur in Salzburg engagiert, sagte Landeshauptfrau Burgstaller.

Eberle: Visitenkarte unseres Landes

"Tausende Salzburgerinnen und Salzburger leisten im Ehrenamt eine beeindruckende Arbeit. Diese engagierten Menschen sind die Visitenkarte unseres Landes", betonte Landesrätin Eberle. "Vor allem, dass es immer wieder gelingt, junge Menschen für die Volkskultur zu begeistern, ist von Bedeutung. Die Erfahrenen müssen für die Jugend die Brücken von früher zur heutigen Zeit schlagen, ihnen Vorbild sein, ihnen Halt, Heimat und Sicherheit geben und ihnen ermöglichen, ihre Gaben und Talente entdecken und ausleben zu können. Besonders für die Jugend ist es wichtig, in der Gesellschaft Wurzeln zu schlagen und das Leben darauf aufzubauen."

Der Salzburger Museumsschlüssel für Heimat-, Orts-, Regional- und Fachmuseen wird seit 2001 vom Land Salzburg alle zwei Jahre und seit 2007 alle drei Jahre verliehen, somit heuer zum fünften Mal. "Der Museumsschlüssel ist eine Würdigung für hervorragende kontinuierliche Museumsarbeit - vor allem im Licht der immer noch vorwiegend ehrenamtlich erbrachten Leistungen in unseren regionalen Museen", so Landeshauptfrau Burgstaller. "Für die Gemeinden soll der Museumsschlüssel ein Signal sein, ihr örtliches Museum als wichtigen Kulturträger und Geschichtsvermittler der Region wahrzunehmen, zu unterstützen und aktiv zu helfen, dass ihr Museum die Mindeststandards zur Erlangung des Österreichischen Museumsgütesiegels erfüllen kann. Museen sollen als Orte der Begegnung, der Bewahrung und Vermittlung kulturellen Erbes wahrgenommen werden." o218-51 

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