Außerordentliche Leistungen in Medizin, Wissenschaft und Kultur

Burgstaller zeichnete Primar Prof. Dr. Dr. h.c. Felix Unger mit dem Ehrenzeichen des Landes aus

Salzburger Landeskorrespondenz, 14.01.2011
 

(LK)  Für seine außerordentlichen Leistungen in der Medizin, in der Wissenschaft und in kulturellen Angelegenheiten erhielt Primar Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Felix Unger heute, Freitag, 14. Jänner, Abend das Ehrenzeichen des Landes. "Primar Unger hat sich mit jahrzehntelangen herausragenden Leistungen um den Aufbau und die Weiterentwicklung der Herzchirurgie in Salzburg bemüht. Darüber hinaus hat er sich als Geist und Seele der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste unschätzbare Verdienste erworben", betonte Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller bei der Verleihung einer der höchsten Landesauszeichnungen an Primar Unger in Salzburg.

Die Verleihung fand bei der 26. Regionalen Jahrestagung des European Heart Institute der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste statt. Veranstalter der Tagung sind neben der Europäischen Akademie auch die Universitätsklinik für Herzchirurgie Salzburg, die Universitätsklinik für Innere Medizin Salzburg und die Kardiologie am Klinikum Traunstein. Bei dem Festakt überreichte Landeshauptfrau Burgstaller darüber hinaus einen persönlich gewidmeten Ehrenbecher an Ministerialdirigent Dr. Gerhard Knorr (Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit) und an Prof. DDr. Werner Moshage (Chefarzt der Medizinischen Abteilung des Klinikum Traunstein).

Primar Unger, der am 1. April 2011 nach 26 Jahren emeritieren wird, zeichnete sich durch herausragende Aktivitäten in zahlreichen überregionalen Kooperationen der Salzburger Universitätsklinik für Herzchirurgie in den vergangenen Jahrzehnten aus. "Lange bevor der Europäische Einigungsprozess die Grenzen zwischen Salzburg und Bayern zum Verschwinden brachte, haben Pioniere rund um Primar Unger in Sachen Coronarmedizin bereits grenzenlos gedacht und gearbeitet", berichtete Burgstaller. Bei der Gründung der Salzburger Herzchirurgie, mittlerweile die Universitätsklinik für Herzchirurgie, 1985 war Prof. Unger federführend mit vorne dabei.

"Die herausragende medizinische Versorgung im Land Salzburg und den angrenzenden Regionen beruht auf dem Fundament einer modernen Infrastruktur. Die medizinische Versorgung in Salzburg steht auf festen Säulen ärztlicher, pflegerischer und administrativer Höchstleistungen. Eine dieser tragenden Säulen ist die Salzburger Herzchirurgie", so Burgstaller weiter. Es sei dies das Lebenswerk eines großen Mediziners und auch eines überzeugten und überzeugenden Europäers. Diese Überzeugung beweise Primar Unger seit 1990 durch sein Engagement um die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste. Zwei wichtige Wegbegleiter von Primar Unger waren und sind Ministerialdirigent Dr. Gerhard Knorr und Prof. DDr. Werner Moshage.

Erstes Kunstherz in Europa erfunden

Felix Unger studierte an der Universität Wien Medizin und promovierte 1971 zum Doktor der gesamten Heilkunde. Er hat seine medizinische Ausbildung zum Herzchirurgen mit Kardiologie bei Prof. Dr. Fritz Kaindl, Kardiologische Universitätsklinik Wien, begonnen. 1972 folgte die herzchirurgische Ausbildung bei Prof. Dr. Johann Navratil, II. Chirurgische Universitätsklinik Wien, abgeschlossen 1977 mit dem Facharzt für Chirurgie. 1978 wurde er zum Universitätsdozenten habilitiert. 1974 war er zu Studienaufenthalten in Houston (Prof. Dr. Denton A. Cooley), in Cleveland (Prof. Dr. Yukihiko Nosé) und in Salt Lake City (Prof. Dr. Willem Kolff). In Salt Lake City hat er das Ellipsoidherz für den künstlichen Herzersatz erfunden, das als erstes Kunstherz in Europa 1986 in Salzburg angewendet wurde, wie seit 1977 mehrmals als Form der assistieren Zirkulation. Er war von 1978 bis 1983 Oberarzt an der I. Universitätsklinik für Chirurgie Innsbruck und wurde 1983 zum Außerordentlichen Professor für Chirurgie in Innsbruck ernannt. 1985 wurde er mit der Gründung der Herzchirurgie an den Landeskrankenanstalten Salzburg betraut und ist seither Vorstand der Universitätsklinik für Herzchirurgie Salzburg. 1990 gründete er mit Kardinal DDr. Franz König und Prof. Dr. Nikolaus Lobkowicz die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste in Salzburg und ist seither deren Präsident.

Univ.-Prof. Dr. Unger ist Autor und Co-Autor von etwa 500 wissenschaftlichen Veröffentlichungen, Herausgeber von 21 Büchern sowie Inhaber von neun Patenten und für die Europäische Kommission tätig. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen - unter anderem sechs Ehrendoktorate, der Dr.-Karl-Renner-Preis, der Billroth-Preis der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie, das Verdienstkreuz I. Klasse des Deutschen Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.

Grenzüberschreitende Herzchirurgie

Am 1. März 1985 wurde in den Landeskrankenanstalten Salzburg (nunmehr SALK) eine eigene medizinische Versorgungseinheit für Herzchirurgie unter der Leitung von Primar Felix Unger eingerichtet. Damit hatte man die Voraussetzungen geschaffen, dass nach der ersten Herzoperation am 5. März 1985 das Team um den Gründer der Herzchirurgie, Primar Unger, ihre ärztliche, pflegerische und wissenschaftliche Arbeit leisten konnte.

"Die Herzchirurgie der SALK war international immer an vorderster Front der klinischen Entwicklung zu finden. Sie versorgt nicht nur Patienten aus dem Land Salzburg, sondern auch aus den angrenzenden Bezirken in Oberösterreich, Tirol, Steiermark und der Landkreise Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting und Chiemgau. Besonders diese grenzüberschreitende europäische Zusammenarbeit wurde von Prof. Unger von Anfang an initiiert und wird nach wie vor als europäische Idee gelebt. 2004 konnten die neue Bettenstation eingeweiht sowie die Operationseinrichtungen der Universitätsklinik für Herzchirurgie saniert und auf den neusten Standard gebracht werden. Damit wurde ein wichtiger Meilenstein für die weitere positive Entwicklung der Herzchirurgie gesetzt", betonte Landeshauptfrau Burgstaller. "Prof. Unger sorgte nicht nur im engeren medizinisch-wissenschaftlichen Arbeitsfeld für innovative Schübe. Er hat sich darüber hinaus als Mitbegründer der Europäischen Akademie für Wissenschaft und Künste international sowie mit eigenständigen Arbeiten zur Philosophie und medizinischen Ethik als unermüdlicher Impulsgeber hervorgetan."

Zwei wichtige Wegbegleiter

Dr. Knorr ist Ministerialdirigent im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit und Leiter der Abteilung Spitalswesen. Seit 25 Jahren ist Dr. Knorr ein unermüdlicher Förderer der regionalen Zusammenarbeit zwischen Salzburg und Bayern. Dank seiner Initiative konnte 1982 der Patientenstrom von Salzburg nach Bayern gelenkt werden, seit 1985 gibt es eine intensive Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Herzchirurgie zwischen Salzburg und Bayern.

Prof. Moshage ist seit 2001 Chefarzt der Medizinischen Abteilung (Kardiologie, Pulmonologie, Angiologie, Intensivmedizin) am Klinikum Traunstein und seit 2006 Mitglied der Bayerischen Ethikkommission der Landesärztekammer. Er hat 1999 die Abteilung Kardiologie des Klinikum Traunstein übernommen und die überregionale Zusammenarbeit, die seit 1985 besteht, weiter verfestigt und gefördert. Mit Prof. Moshage kommt es zu einer überregionalen Schwerpunktbildung auf dem Gebiete der Kardiologie und Herzchirurgie, die sich nicht nur im Patientenstrom auswirkt, sondern auch in überregionalen Konferenzen.

Mehr als 20.000 Patienten behandelt

Vor mittlerweile 26 Jahren wurde an den Salzburger Landeskliniken die Herzchirurgie ins Leben gerufen. "Seit dieser Zeit hat sie sich einen ausgezeichneten Ruf erworben, der weit über die Landesgrenzen hinausreicht. Die Herzchirurgie an den Landeskliniken Salzburg versorgt nicht nur Patientinnen und Patienten aus Stadt und Land Salzburg, sondern auch aus den angrenzenden Bezirken anderer Bundesländer sowie aus Bayern. Diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist ein langjähriger Bestandteil der Erfolgsgeschichte der Herzchirurgie und vorbildhaftes Beispiel gelebter europäischer Kooperation auf regionaler Ebene. Immerhin wurden hier in Salzburg weit mehr als 20.000 Patientinnen und Patienten behandelt, rund 4.000 von ihnen stammten aus Bayern", berichtete Burgstaller. p11-51

Es gilt das gesprochene Wort!

Franz Neumayr wird für das Landespressebüro den Redaktionen Fotos anbieten.