Bräuche nicht nur archivieren, sondern weitergeben

Widmann beim Fest der Lungauer Volkskultur: Volkskultur bringt Jung und Alt zusammen

Salzburger Landeskorrespondenz, 04.09.2011
 

(LK)  "Die gesamte Lungauer Volkskultur ist auf den Beinen und zeigt alle Facetten des wertvollen Brauchtumsschatzes. Rund 3.000 Mitwirkende von knapp 100 Vereinen und Brauchtumsgruppen sorgen seit Freitagabend für ein Fest, das am heutigen Tag seinen Höhepunkt findet." Dies betonte heute, Sonntag, 4. September, Volkskulturreferentin Landesrätin Dr. Tina Widmann beim Fest der Lungauer Volkskultur in Tamsweg.

Hinter den Tauern nehmen sich die Menschen mehr Zeit, deshalb habe sich der Lungau seine Bodenständigkeit bewahrt und seine typisch ländliche Kultur weiter gepflegt und ausgebaut. Zu verschiedenen Anlässen werde das Brauchtum gepflegt und von Generation zu Generation weitergegeben. "Den Reichtum an Lungauer Bräuchen – das sind Tänze, Sprachen, Trachten, Erzählungen, Musik, Gesang, Geschichten, Spiele, Handwerk, Bauweisen, alte Werte und Weisheiten – möchte die Lungauer Volkskultur nicht nur archivieren, sondern weitergeben. Mit diesem Fest der Lungauer Volkskultur wurde der Beweis eindeutig erbracht", sagte die Landesrätin.

Brauchtum und Kultur werde im Lungau auch heute noch groß geschrieben und – wenn man an den Samson denke – im wahrsten Sinne des Wortes hoch gehalten. Der gesamte Jahreskreis sei geprägt von tief verwurzelten Bräuchen, die mit viel Sorgfalt und Liebe gepflegt werden. Der große Stellenwert des Samsontragens über den Lungau hinaus, sei auch daran erkennbar, dass dieser Brauch im Vorjahr in das UNESCO-Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich eingetragen wurde. Untrennbar mit dem Lungau verbunden seien auch die sechs bis acht Meter hohen und bis zu 80 Kilo schweren Prangstangen, die bei kirchlichen Festen und Prozessionen mitgetragen werden, so Widmann.

Als eine Lungauer Institution mit einer ebenfalls ganz besonderen Tradition bezeichnete die Landesrätin "Die Vereinigten zu Tamsweg". Sie seien nicht nur die älteste Bruderschaft Österreichs, sondern prägen auch heute die kulturelle Identität der einheimischen Bevölkerung wie keine andere Bruderschaft. Dr. Widmann wies weiters auf andere volkskulturelle Besonderheiten des Lungaues hin, zu denen unter anderem das Preberseeschießen, der Georgiritt in Thomatal, die Osterfeuer oder das bäuerliche Spencergewand, die für den Lungau typische schwarze Festtracht, zählen.

"Es gibt kaum ein Fest ohne Musik, ohne Gesang, ohne Tanz, ohne Tracht oder ohne die Mitwirkung der Schützen. Diese Traditionen gilt es zu erhalten und weiterzugeben. Auch die nächsten Generationen müssen unsere Bräuche und unsere Kultur kennen und leben. Man muss für die Jugend die Brücken von früher zur heutigen Zeit schlagen. Das ist verbunden mit dem Zulassen von Wachstum und Entwicklung, ohne die Wurzeln zu verlieren. Es ist beeindruckend zu sehen, wie fest verankert die Volkskultur bei den Lungauerinnen und Lungauern ist. Das gibt Halt und Sicherheit, aber vor allem die Freiheit, sich mit anderen Kulturformen in unserem Land und mit Volkskulturen anderer Länder zu befassen, ohne davor Angst zu haben", sagte die Landesrätin, die auch Jugendreferentin des Landes ist.

Vor allem für die Jugend sei es wichtig, in der Gesellschaft Wurzeln zu schlagen und das Leben daran aufzubauen und nach Werten zu leben. Denn eine wertfreie Gesellschaft sei zum Scheitern verurteilt. Daher sei es erfreulich, dass so viele junge Menschen in der Lungauer Volkskultur aktiv seien, so Widmann.

"Die Volkskultur ist die Visitenkarte des Landes. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Gesellschaftslebens, der Jung und Alt in den Gemeinden zusammenbringt", so Widmann, die sich bei den "Alten" in den Vereinen und Brauchtumsgruppen bedankte. "Durch sie wird der Bogen von der älteren Generation zur Jugend immer wieder aufs Neue gespannt und die Voraussetzung geschaffen, dass sich junge Menschen für die Volkskultur begeistern", betonte Landesrätin Dr. Widmann, die abschließend dem Vorstand der Lungauer Volkskultur mit Obmann Eduard Fuchsberger an der Spitze für die hervorragende Arbeit den Dank des Landes aussprach. Im Vorstand der Lungauer Volkskultur sind alle Bezirksverbände eingebunden. Neben dem Blasmusikverband, dem Schützenverband, dem Chorverband und dem Museumsverband hat auch die Landjugend ihren Platz. Das unterstreiche, so Widmann, das Miteinander und die gegenseitige Wertschätzung, die im Lungau an den Tag gelegt werden. p197-34


Es gilt das gesprochene Wort!

Franz Neumayr wird den Redaktionen für das Landespressebüro Fotos vom Fest der Lungauer Volkskultur anbieten.