Mehr als 100.000 Objekte aus Regionalmuseen digitalisiert

Widmann: Umfassender Überblick über Museumsschätze des Landes / Salzburger Projekt beispielgebend in Österreich

Salzburger Landeskorrespondenz, 21.10.2011
 

(LK)  Die Überschreitung der 100.000er-Marke bei der Digitalisierung der Bestände der Salzburger Regionalmuseen wurde heute, Freitag, 21. Oktober, Abend im Kavalierhaus Kleßheim in Salzburg gefeiert. "Damit sind viele wertvolle Museumsschätze des Landes digital dokumentiert und gesichert. Die interne Datenbank gibt einen umfassenden Überblick, welche Objekte in welchem Museen vorhanden sind", informierte Volkskulturreferentin Landesrätin Dr. Tina Widmann heute bei dem Festakt. "Durch die Inventarisierung werden die Bestände der Salzburger Regionalmuseen in einem gemeinsamen, einheitlich verwendeten Museumsverwaltungsprogramm zusammengefasst.

"Im Mittelpunkt stehen vor allem die Menschen, die diese zeitaufwändige und anspruchsvolle Arbeit der Digitalisierung unbemerkt hinter den Kulissen in zahllosen ehrenamtlichen Stunden leisten. Das ist besonders heuer im Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit hervorzuheben", betonte Widmann. "Mit der intensiven Betreuung durch eine zentrale Landesstelle und vor allem mit dem Service durch die Bereitstellung von Fachpersonal hat das Salzburger Digitalisierungsprojekt in Österreich eine Vorreiterrolle."

Derzeit arbeiten 59 Salzburger Museen aktiv mit dem Digitalisierungs-System "OPAL32/MV", mehr als 104.000 Datensätze sind bereits in der Datenbank enthalten. Im Land Salzburg sind aktuell 141 Museen und Sammlungen auf dem Salzburger Museumsportal auf der Landes-Website unter www.salzburg.gv.at/museen erfasst. Das Land unterstützt die Regionalmuseen durch unterschiedliche Maßnahmen, zum Beispiel:

  • durch Förderungen zur Verbesserung der Infrastruktur und zeitgemäßen Präsentation der Inhalte und Ausstellungen;
  • durch die Fachberatung durch die Museumsreferentin im Referat Volkskultur und Erhaltung des kulturellen Erbes;
  • durch die Fortführung der Qualifizierungsmaßnahmen für die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Unterstützung des Landesverbandes Salzburger  Museen und Sammlungen bei der Erfüllung seiner Aufgaben und Ziele;
  • durch die Weiterentwicklung der Schwerpunktsetzung in den Museen;
  • durch das Salzburger Museumsportal www.salzburg.gv.at/museen auf der Landes-Website, das in Kürze in englischer Version abrufbar sein wird;
  • durch die Auszeichnung "Salzburger Museumsschlüssel", der im Jahr 2013 wieder ausgeschrieben wird;
  • durch die Digitalisierung der Museumsbestände mit einer einheitlichen Software.

Die große Verantwortung für Museumsträger und für Museumsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter besteht darin, die Sammlungen zu erhalten und zu verbessern, das heißt, dafür zu sorgen, dass alle Stücke, die dauerhaft oder vorübergehend in das Museum aufgenommen werden, angemessen untergebracht und gepflegt, bestmöglich geschützt sowie gültig und vollständig dokumentiert werden. Unter Dokumentation ist dabei die geeignete Erfassung der Neuerwerbungen und der bereits bestehenden Stücke zu verstehen.

Eine Strategie, diesen Anforderungen gerecht zu werden, verfolgen die Salzburger Regionalmuseen seit fast 40 Jahren. Bereits in den 1970er Jahren wurde begonnen, mit einheitlichen Karteikarten zu inventarisieren. Zusätzlich werden von den meisten dieser Museen Eingangs-beziehungsweise Inventarbücher geführt. Das war nicht immer so: Ein nicht mehr gebrauchtes Stück wurde sicherheitshalber, damit es doch nicht ganz verloren geht, in das örtliche Heimatmuseum gebracht. Es galten meist das mündliche Wort und der Handschlag. Zu den einzelnen Gegenständen wurden daher oft nur unzureichende Angaben gemacht.

Einheitliche Erfassung der Museumsschätze

"Im Gegensatz zu den größeren, hauptamtlich geführten Museen, die weitgehend autonom sind, verwenden die Regionalmuseen, die in die Zuständigkeit des Referates Volkskultur und Erhaltung des kulturellen Erbes des Landes liegen, für die Inventarisierung ihrer Bestände dieselbe Software", berichtete Mag. Dagmar Bittricher vom Referat Volkskultur und Erhaltung des kulturellen Erbes als Projektleiterin und Museumsreferentin. Während die Museen zu Beginn der Erhebung in den späten 1980er Jahren noch mit einem DOS-basierten Paket arbeiteten, wird seit 2001 mit der Windows-basierten Softwarelösung OPAL32/MV (Museumsverwaltung) gearbeitet. "Nach der Evaluierung unterschiedlicher Softwarepakete in einer für die Museen erschwinglichen Preisklasse entschied sich das Referat Volkskultur, das DOS-Programm in einer eigenen Lösung umprogrammieren zu lassen", so Bittricher. "Seither erfolgt eine kontinuierliche Weiterentwicklung mit jährlichen Updates. Die auszufüllenden Datenfelder entsprechen internationalen Standards und sind bei Vollständigkeit der Angaben daher auch für die Kulturgutfahndung hilfreich."

Mit der einheitlichen Software OPAL32/MV werden folgende Ziele angestrebt:

  • einheitliche Archivierung in den Museen entsprechend internationalen Standards;
  • einfache und schnelle Suche nach Exponaten aus dem eigenen Bestand und aus anderen Museen, um Leihgaben zu einem bestimmten Thema für eine Sonderausstellung zu finden;
  • schnelles Erstellen von Leihverträgen direkt aus dem Programm, das heißt, die Daten des betreffenden Objekts werden direkt in einen Leihgabenvertrag übernommen;
  • Hilfe zur Strukturierung der Depotverwaltung durch die Sachgruppen-Systematik;
  • Informationsquelle für wissenschaftliche Untersuchungen und für Presseaussendungen;
  • Bedeutung der Aufzeichnungen als wesentliche Hilfe für die Kulturgutfahndung bewusst machen;
  • zusätzliche Sicherung der Daten und Fotos zum Bestand der jeweiligen Museen mit der zentralen Speicherung aller Bestände im Referat Volkskultur;
  • Möglichkeit zur Verwaltung der Mitglieder sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Führungen und museumspädagogischen Programme, der verkauften Artikel etc., da OPAL32/MV nicht nur ein Inventarisierungs-, sondern auch Museumsverwaltungsprogramm ist.

"Die intensive Auseinandersetzung mit jedem einzelnen Objekt sorgt nicht nur für einen guten Überblick über den eigenen Bestand, sondern sichert auch das Wissen für die Nachwelt und für die Nachfolge bei Kustoden- und Obleute-Wechsel", so Bittricher.

Das Museumsverwaltungsprogramm OPAL32/MV bietet den vorwiegend ehrenamtlich geführten Museen folgende Vorteile:

  • einfache Bedienbarkeit durch Windows;
  • Fotoverwaltung durch direkte Einbindung der Fotos in die digitale Karteikarte;
  • Nutzung der Daten durch mögliche Internetanbindung;
  • Unterstützung bei der Arbeit mit dem Programm durch Fernwartung;
  • schneller Überblick über den Gesamtbestand durch die zentrale Speicherung großer Datenmengen;
  • eigene Gestaltungsmöglichkeiten bei Tabellen.

Einzigartiger Service für die Regionalmuseen

Im Vergleich zu anderen Bundesländern kommt der Salzburger Initiative eine Vorreiterrolle zu. Das hängt nicht zuletzt mit dem besonderen Service des Landes zusammen. Zu diesem Service gehört, dass die einmaligen Anschaffungskosten die laufende Aktualisierung des Programms beinhalten. Darüber hinaus gewährt das Referat Volkskultur eine Rückvergütung für vollständig ausgefüllte Datensätze. Ein entsprechendes Formular wird zugesendet, nachdem die inventarisierten Bestände zur Archivierung eingetroffen und stichprobenartig geprüft worden sind. Die Anschaffung der Hardware kann vom Referat entsprechend den Förderrichtlinien ebenfalls gefördert werden. Informationen dazu gibt es unter www.salzburg.gv.at/foerderung auf der Landes-Website.

Außerdem steht den Museen eine Kunsthistorikerin bei der Inventarisierung zur Seite, sie hilft im Umgang mit dem Programm und schult die Museumsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter in der Praxis des Inventarisierens. Die Museen haben dadurch den Vorteil, dass für sie keine zusätzlichen Personalkosten entstehen. Fragen und Probleme können sofort und an Ort und Stelle gelöst werden, die Dateneingabe gelingt damit rascher.

Zweimal jährlich werden kostenlose Schulungen für Anfänger und Fortgeschrittene abgehalten. Die Standorte wechseln dabei regelmäßig, sodass die Schulung abwechselnd in den Bezirken angeboten wird. Nächster Termin ist Samstag, 12. November.

Das Programm wird laufend weiterentwickelt. Dabei fließen die Erfahrungen und Anregungen aus der praktischen Museumsarbeit ein. An der flächendeckenden Bestandsaufnahme wird kontinuierlich weitergearbeitet.

Die Salzburger Digitalisierungsmaßnahme wurde in die Austrian Digital Heritage Initiative des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur aufgenommen. Diese wird aus finanziellen Gründen allerdings nicht mehr aktualisiert und weitergeführt. Informationen dazu gibt es unter www.digital-heritage.at im Internet.

Das Land Salzburg unterstützt dieses Langzeitprojekt durch personelle Betreuung, Schulungen und Rückvergütungen. In den vergangenen fünf Jahren wurden allein durch das vom Referat Volkskultur und Erhaltung des kulturellen Erbes gestellte Personal mehr als 1.250 Stunden für Besprechungen, Schulungen, Updates etc. sowie 8.500 weitere Stunden für Beratung, Anleitung und Inventarisierung in den Regionalmuseen geleistet.

Programm speziell für Regionalmuseen entwickelt

Das Programm OPAL32/MV wurde speziell für die Bedürfnisse der Salzburger Heimat-, Fach- und Regionalmuseen im Auftrag des Landes Salzburg entwickelt. Es beinhaltet drei verschiedene Datenbanksysteme, die miteinander kombiniert oder einzeln verwendet werden können: eine Inventar-, Adress- und Journaldatenbank. Letztere ermöglicht statistische Auswertungen über den Museumsbetrieb (wie Dienste, Besucheranzahl, Führungen, Verkauf im Museumsladen und vieles andere). Mithilfe des Programms kann man verschiedene Listen mit beliebigen Parametern erstellen. Das Programm muss zunächst als Installations-CD gekauft werden, die Updates stehen kostenlos im Internet unter www.sgs.at/museum-sbg zur Verfügung.

Zeitintensiv, abwechslungsreich und anspruchsvoll

Durch die Vielfalt der Sammlungen ist die Tätigkeit des Inventarisierens abwechslungsreich, aber anspruchsvoll. Vom Möbelstück über Landmaschinen zum Küchengerät, vom Familienfoto zum Hobel, vom Rosenkranz zum Gebetbuch spannt sich der Bogen. Jedes einzelne Stück verlangt eine eingehende Beschäftigung: Es muss vermessen, beschrieben, einer Sachgruppe zugeordnet und fotografiert werden. Dabei entdeckt man oft Details, die dem schnellen Betrachter verborgen bleiben.

Die Museen senden ihre Daten an das Land Salzburg, Referat Volkskultur und Erhaltung des kulturellen Erbes, wo sie zentral abgespeichert werden. So stellt die zentrale Speicherung gleichzeitig auch eine zusätzliche Datensicherung dar, und man kann etwa nach einem Datenverlust in einem Museum wiederum darauf zurückgreifen. Zudem besteht die Möglichkeit, Objekte für Sonderausstellungen in anderen Museen gezielt suchen zu lassen. p239-52 

Franz Neumayr wird den Redaktionen für das Landespressebüro Fotos anbieten.