Volkskulturpreis 2011 für Buchprojekt "Denk ich an Heimat"

Widmann: In den prämierten Projekten wird die Frage nach Heimat unterschiedlich behandelt

Salzburger Landeskorrespondenz, 11.11.2011
 

(LK)  Der mit 6.000 Euro dotierte Hauptpreis des alle zwei Jahre vergebenen Volkskulturpreises des Landes Salzburg, der mit Unterstützung der Salzburger Nachrichten und der Kurt-und Felicitas-Vössing-Stiftung ausgeschrieben wird, wurde gestern an das Buchprojekt "Denk ich an Heimat" verliehen. Die beiden Förderpreise zu je 3.000 Euro überreichte Landesrätin Dr. Tina Widmann im Saal der Salzburger Nachrichten an das Museum Sigl.Haus in St. Georgen und an die Volksschule Itzling. Um den Preis konnten sich Vereine, Gruppen oder auch Einzelpersonen für maßgebliche und innovative Impulse des volkskulturellen Lebens im Land Salzburg um den Salzburger Volkskulturpreis 2011 bewerben. Der Fokus richtete sich dabei auf die Jugend, die Gemeinschaft, die kulturelle Vielfalt, erneuerte und neue Bräuche sowie auf kulturwissenschaftliche Publikationen. Insgesamt gab es 46 Einreichungen.

Volkskulturreferentin Landesrätin Dr. Tina Widmann dankte den Juroren für die gewissenhafte Arbeit, gratulierte den Preisträgern und betonte, dass "die Palette der prämierten Einreichungen von kultureller Dokumentation und Präsentation in einem Regionalmuseum über das Tanzprojekt einer Volksschule bis hin zu einem Heimat-Buch der Straßenzeitung Apropos einen großen Bogen spannt und die vielfältigen Formen der Volkskultur deutlich macht." Sie erläuterte weiter, dass bei allen Preisträgerprojekten die Frage nach Heimat, nach Verankerung in einem vertrauten Umfeld auf unterschiedliche Art und Weise behandelt werde, und dass dies wirklich eine wichtige volkskulturelle wie auch persönliche Frage eines jeden Einzelnen sei.

Mit dem Apropos-Straßenbuch "Denk ich an Heimat" wollten die Herausgeber den Blick auf eine Welt öffnen, die den meisten Menschen nur flüchtig bekannt ist: auf das Verborgene, auf das Leben abseits der "Normalität", auf neue und andere Lebensräume in der Stadt, die sowohl schützendes Dach als auch Ausgrenzung sind. Unter professioneller Anleitung des Salzburger Schriftstellers Walter Müller gewähren die Apropos-Autorinnen und -Autoren mit ihrer speziellen Lebenserfahrung Einblicke, was Heimat für sie bedeutet. Sie wurden im Buch zudem vom Fotografen Bernhard Müller mit ihrem persönlichen Heimat-Symbol fotografisch im Porträt festgehalten.

In der Begründung der Jury für die Vergabe des Hauptpreises heißt es unter anderem: "Da es die Verantwortlichen verstanden haben, die Texte – Erzählungen, Gedichte, Essays und Sentenzen – der 15 Verkäuferinnen und Verkäufer der Straßenzeitung mit Spontanäußerungen von führenden Repräsentanten unserer "normalen" Gesellschaft zu konfrontieren – denn es sprechen auch der Arbeiterkammerpräsident und der Unternehmer, der Bankmanager und Geschäftsführer ebenso wie der Chefredakteur, der Werbefachmann, der Vereinsobmann, der Bürgermeister und der Landeshauptmann – wird plötzlich eines deutlich: Hier wird auf Augenhöhe gesprochen! Ja, hier haben wir das 'Volk' unserer Gegenwart und damit auch das Recht und sogar die Pflicht darüber nachzudenken, was es etwa heißen kann, maßgebliche Impulse gerade auch für die Entwicklung erneuerter oder neuer Bräuche sowie zur Förderung kultureller Vielfalt zu unterstützen. Wer etwa über "Heimat" so eigen-sinnig nachdenkt und so bemerkenswert schreibt, wie es das Straßenbuch "Denk ich an Heimat" vorzeigt, hat die Chance, vorbildhaft in die gesellschaftliche Breite zu wirken, soziale Schranken zu überwinden und ist überdies einer demokratisch verankerten Volkskulturpflege sehr angemessen."

Das Sigl.Haus in St. Georgen erhält für das Projekt "Unser Sigl.Haus – Sonderausstellung 2011" einen der zwei Förderpreise. Seit dem Jahr 2002 bemüht sich der Museumsverein unter Leitung der Kustodin Dr. Hiltrud Oman jährlich Schwerpunkte zu setzen, bei denen traditionelle Volkskunst wie Volkskultur mit zeitgenössischer Kunst verknüpft werden. Daher hat die Jury das Museum Sigl.Haus unter anderem mit folgender Begründung für den Förderpreis vorgeschlagen:

"…Das Besondere liegt in der Konzeption, die Aufmerksamkeit durch innovative Ideen so auf Details zu lenken, dass die Besucher ein altes, bekanntes Haus mit "neuen Augen" sehen. So wurden vom Salzburger Fotografen Peter Laub unzählige Aufnahmen von Teilen aus Stufen, Böden, Holzdecken- und -blöcken, Tür- und Fensterrahmen, Spuren von Holzwürmern, Maserungen, Rissen, Bemalungen etc. angefertigt: Unauffälliges, das sonst niemand wahrnimmt. Es entstanden gewissermaßen Porträts von Einzelteilen des Hauses, Detailaufnahmen, zeitgenössische Kunstwerke von der Absicht getragen, das Gebäude von innen heraus sichtbar zu machen. Der eigentliche Clou der Sonderausstellung lag darin, das Haus ganz leer zu räumen, um den Kontrast zwischen Alt und Neu, das Interieur des für den Flachgau markanten Gebäudes, hervorzuheben und die Besucher interaktiv einzubinden, indem sie jedes Bild durch genaues Hinschauen an seinen Platz hängen sollten. Dadurch entsteht ein fröhliches Miteinander, gemeinsames Schauen, Diskutieren, Aufmerksamkeit, andere Sichtweisen, Kontakt untereinander. Der Leiterin des Museums, Dr. Hiltrud Oman, ist es wie auch bereits in vorangegangenen Ausstellungen, in hervorragender Weise gelungen, Altes, Traditionelles mit Neuem zu beleben und wieder entdeckbar zu machen."

Den zweiten Förderpreis erhielt die Volksschule Salzburg-Itzling für das Projekt "Tanzend eine Brücke bauen – zwischen den Kulturen und zwischen Jung und Alt". Ein halbes Schuljahr lang haben die Lehrerin Sylvia Pellischek und die Tanzpädagogin Elvira Göbert mit den Kindern der 3. Klasse österreichische Tänze und Tänze aus Kulturen, die in der Klasse vertreten waren (Österreich, Türkei, Tschetschenien, Bosnien, Kroatien, Philippinen, Afghanistan, Amerika) sowie von Israel und Griechenland, einstudiert. Über die Tänze konnten die Kinder auch "Land und Leute" kennenlernen und haben im zweiten Projektteil gemeinsam mit Seniorinnen und Senioren Tänze erlernt. Ein bunter "Heimatabend" gemeinsam mit den Eltern war einer der Höhepunkte des preiswürdigen Schulprojektes, dessen Prämierung die Jury unter anderem wie folgt begründete:

"Tanzend eine Brücke bauen zwischen weltweit verschiedenen Kulturen, Nationen, Völkern und ihren Traditionen sowie generationsübergreifend zwischen Jung und Alt. Dies hat die Jury überzeugt. Kinder aus Griechenland, Israel, Serbien, Mazedonien, Bosnien, von den Philippinen, aus Afghanistan, Kroatien, der Türkei, Tschetschenien, aus den USA und aus Salzburg lernten Tänze der jeweiligen Länder und durften ihren Klassenkameraden als Tanzmeisterinnen und Tanzmeister die Tänze ihrer Heimaten lernen. Die Pädagoginnen haben es überdies verstanden, gemeinsam mit den Eltern einen ganz speziellen "Heimatabend" zu gestalten, eine Ausstellung zum Thema "Heimat" zu initiieren, Gespräche über Herkunft, landestypisches Brauchtum, Symbole und Besonderheiten von Kulturen anzuleiten und nicht zuletzt die Ergebnisse dieser letztlich kulturellen Friedensarbeit bei einem Itzlinger Frühlingsfest gemeinsam mit den Seniorinnen und Senioren vorzuzeigen und sogar im Schlosspark von Hellbrunn die Feier zum heurigen Weltfriedenstag zu bereichern."

Der Jury gehörten Prof. Dr. Manfred Seifert (Volkskundeinstitut Dresden) als Vorsitzender, sowie Univ.-Prof. Dr. Karl Müller (Universität Salzburg), Elisabeth Schneider (Kulturmanagerin Radstadt), Alfred Huemer (Salzburger Volkskultur), Sabine Zaunschirm (Preisträgerin 2009) an.

Nähere Infos zum Preis und zu den vollständigen Begründungen der Jury sind auf  www.volkskulturpreis.at zu finden. p256-36 

Zu dieser Landeskorrespondenzmeldung steht in der Bilddatenbank des Landes unter www.salzburg.gv.at/bilddatenbank digitales druckfähiges Bildmaterial zur Verfügung. Zum schnellen Auffinden geben Sie bei der Suche die Kennzahl am Ende dieser Pressemeldung (z.B. f43-10) ein.