Jugendliche präsentieren ihr Heimatverständnis in der Schachtel

Widmann zu interkulturellem Schulprojekt Heimatschachtel - Schachtelmuseum: Vielfalt als Bereicherung erkennen

Salzburger Landeskorrespondenz, 14.11.2011
 

(LK)  "Für mich ist Heimat kein Ort, Heimat ist ein Gefühl. Wenn wir es schaffen, uns gegenseitig das Gefühl Heimat nicht krank zu reden, den Begriff Heimat nicht den ideologischen Rattenfängern zu überlassen, Heimat nicht zum äußerlichen Etikett werden zu lassen, sondern wenn wir statt Integration Inklusion denken, die Vielfalt als Bereicherung erkennen, dann werden diejenigen Menschen, die sich aufgemacht haben, um bei uns Heimat zu fühlen, unsere Heimat und uns achten und schätzen." Dies erklärte Landesrätin Dr. Tina Widmann heute, Montag, 14. November, bei der Präsentation des interkulturellen Schulprojektes Heimatschachtel – Schachtelmuseum unter dem Titel "Ich bin ICH und ich bin HIER!" im Salzburg Museum.

"Es ist nicht selbstverständlich, dass sich Jugendliche und Schulen mit Heimatmuseen auseinandersetzen und sich vor allem mit dem Begriff Heimat intensiv befassen. Umso mehr freut es mich, dass das Ausbildungszentrum St. Josef als Pilot-Schule mit ihren pädagogisch wertvollen Ideen und Konzepten dieses Projekt umsetzt und damit weitere Impulse setzt. Und ich bin sehr dankbar für die vielen Zugänge, die ihr für Heimat gefunden habt. Ihr leistet damit eine höchst wertvolle Arbeit für unsere Gesellschaft und das wichtige Thema Integration. Je stärker man in seiner Lebensumwelt gefestigt ist, seinen Platz sowohl in der Familie als auch im Beruf und in der Gesellschaft gefunden hat, in seinem Glauben oder seiner Weltanschauung verwoben ist, umso gestärkter und unvoreingenommener kann die Begegnung mit Fremdem gelingen. Wenn ich mir meiner Wurzeln bewusst bin, kann ich auch Neues zulassen und ich brauche keine Angst davor zu haben", so Widmann, die sich beim Fachbeirat Volkskulturen im Salzburger Landeskulturbeirat, dem Ausbildungszentrum St. Josef – Wirtschaftsfachschule und HLW für medizinische Verwaltung, dem Referat Volkskultur und Erhaltung des kulturellen Erbes, dem Salzburger Landesinstitut für Volkskunde, dem Forum Salzburger Volkskultur, dem Salzburg Museum, dem ORF Salzburg sowie Europark und Oval Salzburg als Kooperationspartnern bedankte.

Eine Besonderheit dieses Pilot-Projektes ist es, dass die Schülerinnen mit mehreren Kultureinrichtungen von Land und Stadt Salzburg zusammenarbeiten. Die Klasse wurde eingeladen, ein interkulturelles Heimatmuseum für Jugendliche in Salzburg zu errichten. "Oberstes Projektziel", so Prof. Dr. Ulrike Kammerhofer (Mitglied Fachbeirat Volkskulturen) "ist die Befähigung von jungen Menschen die Zukunft Österreichs/Salzburgs als mündige Staatsbürger/innen aktiv mitzugestalten. Das heißt, an der Kultur des eigenen Lebensplatzes gerne teilzunehmen, sie aktiv und kreativ zu entwickeln, ihre Vielfalt als Chance und Bereicherung zu schätzen."

"Dieses Schachtelmuseums-Projekt soll in weiterer Folge von weiteren Schulen bzw. Jugendorganisationen in Zusammenarbeit mit regionalen Museen weitergeführt werden, um so den Jugendlichen einen Zugang zur eigenen Identität, zur eigenen Heimat zu ermöglichen", so Zoran Sijakovic, Vorsitzender des Fachbeirates Volkskulturen.

Wie das Projekt umgesetzt wird

Zunächst befassen sich die Schüler/innen mit ihrer persönlichen Definition von Heimat, ihrer Herkunft und ihrem Umfeld, mit Aspekten, die zu ihrer Identitätsbildung beitragen. "Wir arbeiten im Deutschunterricht intensiv zum Thema, lesen und analysieren Texte und vor allem schreiben die Schülerinnen sehr viel. Das passiert im kreativen Schreibunterricht", erzählte die Projektverantwortliche, Mag. Karoline Bankosegger. Darauf aufbauend sammeln die Schülerinnen persönliche Erinnerungen, Gegenstände oder Tondokumente, die sie ganz persönlich mit "Heimat" verbinden. Diese sollen als Fundus für ein individuelles "Heimat/en/museum" dienen. Dreißig Schülerinnen gestalten ihr eigenes, persönliches Museum, in das sie ihr Verständnis von und ihre individuellen Zugänge zu Heimat/en "verpacken". So entstehen dreißig "Heimatmuseen", die je nach Herkunft, kulturellem Hintergrund, familiärer Verwurzelung und persönlichen Erfahrungen gestaltet werden. Ausstellungsort ist jeweils eine Holzschachtel. Premiere der Museumseröffnung wird am 30. Jänner 2012 im Europark sein. Dort werden die Schülerinnen das "Heimatschachtelmuseum" eröffnen und ihr Projekt präsentieren.

Eine weitere Schiene zum Thema "Heimat/orte und Identität" wird im Sommersemester erarbeitet. Gemeinsam mit der Geographieprofessorin wird die Klasse einen Geocaching-Pfad für (junge) Besucherinnen der Stadt Salzburg festlegen. "Geocaching" ist eine moderne Form der Schnitzeljagd. "Wir verbinden diese GPS-geleitete Schatzsuche mit Orten, die für unsere Schülerinnen Heimat bedeuten. Dieser Pfad erfolgt abseits der gängigen touristischen Trampelpfade und bietet einen Einblick in die Lebenswelten und Lieblingsorte der Jugendlichen. Die gewählten Orte werden über www.geocaching.com veröffentlicht und somit weltweit zugänglich", erzählte Projektverantwortliche Mag. Ute Januschka.

Der Blick über den Tellerrand, eine Erweiterung des Identitäts- und Heimatbegriffs, ist nur möglich, wenn Menschen und Institutionen außerhalb der Schule Impulse geben. Dies passiert im Heimatschachtelprogramm durch Workshops mit Vertreterinnen Salzburger Kultureinrichtungen und Exkursionen wie z.B. ins Landesinstitut für Volkskunde, Salzburg Museum und ins Salzburger Freilichtmuseum. Geplant ist noch ein Austausch mit Journalisten der Salzburger Zeitung "Apropos". p257-60b 

 

Franz Neumayr wird den Redaktionen für das Landespressebüro Fotos von der Präsentation anbieten.