Vielfältige Bräuche im Land Salzburg in der Osterwoche

Von der Palmprozession bis zu Eierspielen und anderen Ostervergnügungen

Salzburger Landeskorrespondenz, 05.04.2012
 

(LK)  Sehr vielfältig zeigt sich die Auswahl an Bräuchen im Land Salzburg während der Osterzeit: Von der Palmprozession und der Palmweihe bis hin zum Eierfärben, diversen Eierspielen und anderen Vergnügungen. Einen Überblick darüber liefert die CD-ROM "Vom Frühling bis zum Herbst" aus der vom Referat für Volkskultur und dem Salzburger Landesinstitut für Volkskunde herausgegebenen CD-ROM-Serie "Bräuche im Salzburger Land".

Die CD-ROM-Reihe "Bräuche im Salzburger Land" kann über die Website der Salzburger Volkskultur bestellt werden. Weitere Texte zum Osterfest finden sich im Kalender der Religionen ebenfalls auf der Website der Salzburger Volkskultur, informierte heute, Donnerstag, 5. April, Dr. Ulrike Kammerhofer-Aggermann, Leiterin des Landesinstituts für Volkskunde.

Von der Palmprozession zum Eierpecken

Die Karwoche beginnt mit der Palmprozession am Palmsonntag und endet am Karsamstag mit der Auferstehungsfeier. Wird der Ostersonntag einbezogen, spricht man von der Heiligen Woche. Sinn der Karwoche ist das trauernde Gedenken des Leidens Christi. In dieser Zeit gibt es besonders viele Bräuche:

Palmprozession

Die seit dem 7. Jahrhundert belegten Palmprozessionen am Palmsonntag verbinden den nachempfundenen Einzug Jesu Christi in Jerusalem mit älteren Segensriten und späteren populären Fruchtbarkeits-Deutungen. Die Palmprozession erlebte in der Zeit der Gegenreformation (16. Jahrhundert) eine Hochblüte. Der erste Beleg für einen lebenden Palmesel bei Prozessionen stammt aus dem Jahr 970. Auch viele Salzburger Orte hatten im Barock Palmeselfiguren (so ist etwa der barocke Halleiner Palmesel in Puch bei Hallein erhalten), die aber unter Erzbischof Hieronymus Colloredo als "Müssbräuche" 1785 im Geist der Aufklärung verboten wurden.

Palmweihe und Palmbuschen

Die kirchliche Segnung der Zweige kann seit dem 9. Jahrhundert in Europa nachgewiesen werden. Aus den ursprünglichen Huldigungszweigen wurden in Mitteleuropa durch populäre Ausdeutung Segenszweige. Als Palmen wurden viele regionale Sorten zu diesem Zeitpunkt grünender Zweige (in erster Linie die Salweide) verwendet – im Alpenraum die jeweils jungen Austriebe der Saison. Regional sind die Zusammenstellungen und Bundformen sehr unterschiedlich. Oft werden magische Zahlen (fünf, sieben, oder neun Sorten) bevorzugt. Im Lungau und Pinzgau wurden bis um 1950 fast nur Weiden verwendet, im Pongau und Lungau ganze große Weidenbäume meist ohne Schmuck.

Seit den 1960er Jahren erfolgte vielfach eine Übernahme der Bundart und bunten Hobelscharten der Berchtesgadener Sennerinnen. Dieser Bund verdrängt alle älteren, traditionellen Formen, weil er spektakulärer ist. Bis in die 1960er Jahre trugen nur Hoferben die großen Buschen zur Kirche, Männer hatten oft nur einen Zweig am Hut und Frauen und Mädchen ein kleines Handbüscherl. Die heutigen Formen sind ein Teil der Folklorisierung und Historisierung unserer Gegenwart, die zwischen den 1960ern und 1980ern durch Politik, Tourismus und Vereine forciert wurde und in der EU zu den Selbstdarstellungen der Regionen gehört.

Palmzweige zur Abwehr, Palmkätzchen gegen Halsweh

In Salzburg historisch übliche Bestandteile der Palmbuschen sind Stechpalmen (Ilex und Mahonie), Buxus, Seb/ge/nbaum = Thuje, Liguster, trockene Buchen, Latschen, Kreuzdorn, Erika oder Calluna und Salweide, seltener Silber- oder Korbflechterweide etc.). Sie werden vielfach heute noch als Palmen bezeichnet. Der geweihte Palmzweig gilt im Volksglauben als besonders heil- und segenbringend, ihm werden vielfache Abwehrfunktionen zugeschrieben. Daher steckt man sie unter den Dachstuhl, gräbt sie hinter dem Haus am Hang ein, wirft sie in den Wildbach, steckt sie als Buschen, Zweig oder gekreuzt mit einem Weihholzspan am Ostersonntag in den Acker oder die Weide, als Buschen oder Zweig in den Hergottswinkel der Wohnküche, als Zweig zu einem Kreuz oder Heiligenbild im Wohnraum. Bei Gewitter kann man sie im Herd verbrennen. Manchen Menschen führen Palmkätzchen im Handschuhfach des Autos mit, manche schlucken sie gegen Halsweh. Dem Vieh werden sie als Segen eingegeben, zu Ostern, zu Weihnachten mit Salz und Wacholder, oder bei Krankheit.

Für die jungen Hoferben (zum Beispiel im Lungau) oder Großknechte (vielfach im Pinzgau), die früher die Palmbuschen zur Kirche trugen, gab es fixe Spielregeln (etwa wie schnell sie zurück kommen mussten und dass sie mit anderen nicht raufen durften, um den Baum nicht zu entweihen, oder dass sie im Lungau mit dem Weihbaum ums Haus laufen mussten, dass der Buschen dem Bauern oder der Bäuerin übergeben werden musste), ein besonderes Essen und ein kleines Geldgeschenk. Jedenfalls war es eine Ehre, ein Palmbuschenträger zu sein.

Gefärbte und verzierte Ostereier

Das Eierfärben geschah vor allem am Gründonnerstag, aber auch noch am Karsamstag. Heute kaufen viele Haushalte bereits gefärbte Eier in Geschäften und auf Märkten. Beim Eierfärben gibt es eine breite Palette an Möglichkeiten, die zwischen traditionell und modisch schwankt – vom Färben mit Zwiebelschalen und anderen natürlichen Färbemitteln (zum Beispiel Kochsud von Roten Rüben, Kaffee, Baumrinden, Heidelbeerkompott) über die Verwendung von Gräsern, Kräutern und Blumen als Auflagen in Reservetechnik bis hin zu diversen Bemalungen und der Verwendung von chemischem Farbpulver, Abziehbildern und Färbepapieren.

In den vergangenen 30 Jahren ist das Bemalen von – vor allem ausgeblasenen – Eiern zur Mode geworden, die Techniken sind kaum überschaubar. Serviettentechnik, Wachsreserve, Artischockentechnik, das Umhäkeln, das Umwickeln mit Perlenschnüren werden besonders über Kurse und Handarbeitsgeschäfte verbreitet. Daneben finden sich Wachsapplikationen in der Art der Kreuzstichmuster, tatsächlich Kreuzstickereien auf Leinen, die mit gewebten Bändern oder Posamentrieware auf die Eier montiert werden. Kunstvoll bemalte Eier aus mundgeblasenem Glas oder Keramik, keramische Eier in geschnittener Durchbruch-Technik, Eier mit filetierten Blattgerüsten beklebt, Marmor- und Halbedelstein-Eier und asiatische Massenware aller Arten werden sowohl in Kunsthandwerksgeschäften als auch von Diskontern angeboten. Auf den beiden Salzburger Grünmärkten, auf der Schranne sowie auf dem Universitätsplatz, werden seit den 1950er Jahren sudetendeutsche Eier, die in Lackfarben mit Blumenmustern verziert sind, verkauft. Seit einigen Jahren erhält man dort auch polnische und russische Holzeier in traditionellen Bemalungen. Jährlich lassen sich neue Trends feststellen. Auch die Salzburger Techniken, die Verzierung von ausgeblasenen Eiern mit Gewürzen, Perlen, Goldbouillondraht und Seidenbändern beziehungsweise mit Seidenblumen und Seidenbändern, sind häufig anzutreffen. Solche Eier erhält man zum Aufhängen, ebenso wie auf Spieße gesteckt zum Einstecken in Blumenarrangements.

Antlass-Eier als Segensbringer und Abwehrzeichen

Den Antlass-Eiern, den am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag gelegten Eiern, kommt eine besondere Bedeutung zu. Ihren Namen beziehen sie vom Gründonnerstag, der als Antlasstag – in Salzburg vielfach Weichenpfinztag (von Weihe) – bis ins späte Mittelalter der Tag der Entlassung aus der Kirchenbuße war. Nach der Abendmahlfeier durften die Glaubensanwärter erstmalig die Kirche betreten und sich auf die Taufe am Karsamstag vorbereiten.

Die Antlass-Eier werden vielfach speziell für die Speisenweihe und den Verzehr am Ostersonntag verwendet. Auch den Patenkindern werden noch Antlass-Eier geschenkt. Diese Eier sollen Mensch und Vieh vor Krankheit schützen, bei Schwerarbeitern den Leistenbruch verhindern (Straßwalchen), Haus und Hof vor Blitzschlag, Hagel, Muren, Lawinen, Hochwasser, Brand und jeglichem Unglück schützen. Die Schalen der geweihten Antlass-Eier werden verbrannt oder den Hühnern gegeben, damit sie weiter gut legen beziehungsweise sie vor dem Hühnerhabicht (Lungau) geschützt sind.

Als Segensbringer und Abwehrzeichen werden die Antlass-Eier nach der Weihe hinterlegt: auf dem Dachboden, in einer Ecke des Stalles, in einer Kiste unter dem First des Hauses gegen Blitzschlag, die Eierschalen werden in einem Säckchen unter den Firstbalken gehängt beziehungsweise im Ofen verbrannt, in der Stube oder Küche verwahrt, in den Acker oder einen Murenhang gegraben, mit dem Palmbuschen gemeinsam in den Acker gesteckt. Sie werden im Sommer bei Gewittern auf das Fensterbrett gelegt, bei Beginn des Almauftriebs unter den Almschranken gegraben, über das Hausdach oder in den Bach geworfen.

Eierpecken

Die Ostereierspiele der Kinder und Erwachsenen sind im Verschwinden begriffen, nur das Eierpecken wird vielfach im Familien- und Freundeskreis noch praktiziert – allerdings häufig ohne Konsequenzen, denn auch der Verlierer darf sein beschädigtes Ei behalten. Heute ist mit einer Sammlung von harten Eiern auch keine Besonderheit mehr verbunden. Besonders aus dem Biedermeier sind gedruckte beziehungsweise handgefertigte Osterglückwunschkarten erhalten, die statt eines gefärbten Eies verschenkt wurden.

Aus der Landeshauptstadt ist überliefert, dass sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf dem Kollegienplatz in den Wochen vor Ostern, besonders an den Sonn- und Feiertagen vormittags, ein lebhaftes Treiben entwickelt hat: Kleine Buben, die noch in die Schule gingen, und Bauernburschen vergnügten sich zu Hunderten mit Eierpecken und Kreuzerwerfen.

Osterfeuer

Vor allem im Alpenraum gelten Osterfeuer seit langer Zeit als fixer Bestandteil der Osternacht. In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag werden auf Hängen und Anhöhen Osterfeuer entzündet. Entgegen anderen Gebieten ist das Lungauer Osterfeuer nicht nur ein Holzhaufen aus Schadholz und Reisig, sondern wird mehrere Meter hoch gezimmert.

Vergnügungen zur Osterzeit

Häufig finden am Ostersonntag, Ostermontag und am Weißen Sonntag Verwandtenbesuche, aber auch Feste, Spiele und Bälle statt. Im Lungau gehört bis heute das Gonesrennen (Gones = Gänserich, Ganter) zu den Vergnügungen. Eine Schülerin beschrieb es im Schuljahr 1958/1959 folgendermaßen: "Am Ostersonntag um zirka 1.00 Uhr treffen sich die Burschen und Dirndln vom Dorf. Dann stellen sich Bursch und Mädchen paarweise auf. Ein Bursch (der Gones) stellt sich allein vor die Paare (oft zwölf bis 15 Paare) und schreit: Gonis, Gonis, Kikrigi, s letzte Paarl her für mie. Dann läuft der Bursch auf der linken und das Mädchen auf der rechten Seite vor, und wenn die zwei wieder zusammen kommen, können sie sich wieder als erstes hinstellen, wenn aber der Gänserich das Mädel erwischt, so muss der andere Gänserich bleiben. Sind mehr Mädchen, so kann auch ein Mädchen der Gänserich werden. So wird gerannt bis zirka 4.00 Uhr, dann singen sie miteinander ein Lied und verabschieden sich. Am Ostermontag ..." wird das Spiel mit den Weichgehern gespielt und mit dem Eiertutschen beendet. Es beteiligen sich auch "Kinder, Jugendliche, auch jüngere Frauen und Männer, ... der Pfarrer." Daneben war auch Drittabschlagen sehr beliebt.

In Mariapfarr gab es 1967/1968 einen Glagglklub (Glaggl = das einfache zusammenklappbare Taschenmesser), der am Ostersonntag oder Weißen Sonntag einen Glagglball mit Jause, Musik und Tanz veranstaltete. q74-52