Von der Heimatschachtel zum Schachtelmuseum

Widmann: Vielfältiger Zugang der Schülerinnen des ABZ St. Josef zum Thema Heimat und Identität

Salzburger Landeskorrespondenz, 13.06.2012
 

(LK)  Das erste "Schachtelmuseum" wurde heute, Mittwoch, 13. Juni, von Volkskulturreferentin Landesrätin Dr. Tina Widmann im Salzburg Museum eröffnet. Die Präsentation des Schachtelmuseums ist das Ergebnis eines Schulprojektes zum Thema "Schachtelheimat – Heimatschachtel: Ich bin ich und ich bin hier". Das Schachtelmuseum im Salzburg Museum ist bis Sonntag, 1. Juli, zu sehen.

Das Projekt wurde vom Fachbeirat Volkskulturen im Salzburger Landeskulturbeirat initiiert und gemeinsam mit den Lehrerinnen des Ausbildungszentrums St. Josef in Salzburg und den Schülerinnen der 1. Klasse der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe umgesetzt. Im fächerübergreifenden Unterrichtsprojekt wurden verschiedene Zugänge zu Heimat, Identität und Akzeptanz erforscht. Die multikulturelle Herkunft der Schülerinnen gilt als Voraussetzung für das Aufbrechen traditioneller Heimatvorstellungen.

Landesrätin Widmann zeigte sich beeindruckt von den vielen Zugängen, die die Schülerinnen zum Thema Heimat und Identität fanden: "Die jungen Menschen leisten damit eine wertvolle Arbeit für die Gesellschaft und das Thema Integration. Scheitert Integration, gerät der Zusammenhalt der Gesellschaft in Gefahr. Mit diesem Jugendprojekt ist ein großer Schritt zu einem noch besseren Miteinander gelungen." 

Schachteln gefüllt mit Heimat

Eine Besonderheit dieses Pilotprojektes war es, dass die Schülerinnen mit mehreren Kultureinrichtungen von Land und Stadt Salzburg zusammenarbeiteten. Von den Schülerinnen wurden Texte zum Thema Heimat verfasst, Begriffe gesammelt und diskutiert, Museen in Land und Stadt besucht, die Arbeit in Landesarchiven erforscht, die Bundeshymne sprachlich internationalisiert, Schachteln mit ihrer Heimat gefüllt und ein Geocaching-Pfad in Salzburg eingerichtet. Die Ergebnisse dieser Arbeit geben im Schachtelmuseum der breiten Öffentlichkeit Einblick in die vielfältige Arbeit und sind Ansporn, sich mit dem Begriff Heimat und Museum auseinanderzusetzen.

Jugend soll Projekt weiterführen

Mit der Ausstellung im Salzburg Museum findet das Pilotprojekt seinen offiziellen Abschluss und soll in Folge von weiteren Schulen beziehungsweise Jugendorganisationen in Zusammenarbeit mit regionalen Museen weitergeführt werden, um so den Jugendlichen einen Zugang zur eigenen Identität und zur eigenen Heimat zu ermöglichen.

Dieses Projekt wurde vom Fachbeirat Volkskulturen im Salzburger Landeskulturbeirat initiiert, dem Forum Salzburger Volkskultur organisiert und finanziert und vom Salzburger Landesinstitut für Volkskunde, dem Salzburg Museum, dem ORF Salzburg sowie dem Europark mitgetragen und unterstützt. Ziel ist die Befähigung von jungen Menschen, die Zukunft Österreichs beziehungsweise Salzburgs als mündige Staatsbürgerinnen und Staatsbürger aktiv mitzugestalten, das heißt, an der Kultur des eigenen Lebensplatzes teilzunehmen, sie aktiv und kreativ zu entwickeln sowie ihre Vielfalt als Chance und Bereicherung zu schätzen.

Pfad durch die Lieblingsorte der Jugendlichen

Eine weitere Schiene zum Thema Heimat und Identität wurde im Sommersemester erarbeitet. Indem von den Schülerinnen ein Geocaching-Pfad mit sechs GPS-Punkten zum Thema Heimatschachtel eingerichtet wurde, wird dieses Projekt noch Jahre bestehen und kann von vielen Geo-Cachern gefunden werden. "Geocaching" ist eine moderne Form der Schnitzeljagd. Die GPS-geleitete Schatzsuche wurde mit Orten, die für die Schülerinnen Heimat bedeuten, verbunden. Der Pfad liegt abseits der gängigen touristischen Wege und bietet einen Einblick in die Lebenswelten und Lieblingsorte der Jugendlichen. Die gewählten Orte wurden über www.geocaching.com veröffentlicht und sind somit weltweit zugänglich.

Widmann: Verbindung von einstiger zur jetzigen Heimat

"Die Heimatschachteln sind viel mehr als ein Projekt von fleißigen Schülerinnen. Sie sind Kleinod, Kunstwerk und richtige Museen", betonte Widmann. "Sie schaffen die Verbindung von einstiger Heimat zur jetzigen Heimat und erhalten die eigene Identität. Die Heimatschachteln schaffen Berührtheit mit Menschen, die ihrer Heimat beraubt wurden, auf der Suche nach Heimat sind oder bereits Heimat gefunden haben."

Integration sei immer spannungsgeladen, so Widmann weiter. "Es geht um Abgrenzung und Anpassung, Respekt und Werteverständnis, Toleranz und grundlegende Regeln, das Eigene und das Fremde, Aufbruch und Beheimatung sowie um Berührung und Emotionen." q126-53

Das Landespressebüro (Franz Neumayr) wird den Redaktionen Fotos anbieten.