Johannistag und Sonnwendfeuer

Zwischen 21. und 24. Juni erreicht die Sonne ihren Höchststand / Ausnahmeverordnung für Brauchtumsfeuer

Salzburger Landeskorrespondenz, 20.06.2012
 

(LK)  Zwischen dem 21. und 24. Juni erreicht die Sonne auf der Nordhalbkugel zu Mittag ihren höchsten Stand im Jahr. Diese Zeit der Sommersonnenwende hat für die bäuerlichen Wetterprognosen große Bedeutung und ist mit Lostagen besetzt. Auch die Meteorologen beobachten diesen Zeitraum genau; denn zwischen Johannistag (24. Juni.), Siebenschläfer (27. Juni) und den "Wetterherren" Peter und Paul (29. Juni) soll sich das Azorenhoch deutlich aufbauen, damit in den folgenden sieben Wochen Europa einen stabilen heißen Sommer erlebt. Darüber informierte heute, Mittwoch, 20. Juni, die Leiterin des Landesinstituts für Volkskunde, Dr. Ulrike Kammerhofer.

Diese Zeit ist auch mit zahlreichen Bräuchen und Aberglauben verbunden. So sollen Johannisfeuer Unwetter vertreiben, und allen in dieser Zeit geernteten Pflanzen wird besondere Heilkraft zugesprochen, wie etwa dem Johanniskraut für Tee, Tinktur und Öl oder den grünen Walnüssen für den Magenschnaps, den Johannisbeeren respektive Ribiseln. Außerdem sollen Johannis- oder Glühwürmchen den Verliebten Glück bringen.

Sonnwendfeuer bis ins hohe Mittelalter nachweisbar

"Sonnwendfeuer" oder "Johannisfeuer" sind seit dem hohen Mittelalter nachzuweisen. Von 1456 stammt der älteste österreichische Beleg, der auch von einem Tanz um das Sonnwendfeuer und festlichem Umtrunk berichtet. In Salzburg hören wir erstmals 1534 von einem Johannisfeuer bei der späteren Kapitelschwemme (Adrian 1924). Herrscherhaus, Adel, Bürger und Bauern feierten damit ausgelassen den Beginn von Landleben und Erntezeit, sowie den mächtigen Heiligen (Wolf 2000). Denn die Kirche besetzte den 24. Juni mit dem Patrozinium von Johannes, dem Täufer und "Vorläufer" Christi, der vorhersagte, dass der, der nach ihm kommen wird, nämlich Christus, nicht mit Wasser, sondern "mit Feuer und Geist" taufen werde (Becker-Huberti 2001). Darum heißt auch der "Sunnawendhansl“ im Volksmund "Wasserhansl" – im Gegensatz zum "Weinhansl", Johannes Evangelist, dem Lieblingsjünger Jesu. Und "Sunnawendhansl“ heißen sowohl die Strohpuppen, die in manchen Gegenden als Spitze des Sonnwendfeuers verbrannt werden, als auch der Waldgeißbart, dessen cremige Blüten am Johannistag in Blüte stehen und bald braun abtrocknen.

Verbote vor und in der Aufklärungszeit richteten sich auch österreichweit (1754), so Dr. Kammerhofer, gegen die "Spring- und Lustfeuer" bzw. "Sunnabentfeur", das Böller- und Raketenschießen sowie gegen das Holzsammeln dafür. Im 19. Jahrhundert wurde noch "Johanniswein", meist Weichsel- oder Ribiselwein, am Johannistag ausgeschenkt – ein Äquivalent zur "Johannesminne" in der Weihnachtszeit.

Im 19. und 20. Jahrhundert erlebten die Sonnwendfeuer wieder weite Verbreitung, aber auch Veränderungen. Einerseits wurden sie als bürgerliche Waldfeste mit Tanz und Spiel inszeniert, andererseits auch als adelige Festlichkeiten, teils waren sie Dorffeste. Insgesamt fanden sie nicht mehr auf städtischen Plätzen statt, sondern in der Natur. 1822 etwa ließ König Max I. von Bayern in seiner Sommerresidenz am Tegernsee ein Sonnwendfeuer mit Bergilluminationen für seine Gäste ausrichten, bei dem deren Anfangsbuchstaben auf den Bergspitzen leuchteten. Anwesend waren u. a. der österreichische Kaiser Franz I. mit Kaiserin Caroline Auguste, der großzügigen Förderin des Salzburg Museums (Kapfhammmer 1977).

Sonnwendfeuer wurden mehr und mehr Feste der Jugend. Paaren, die gemeinsam durchs Feuer springen, wird Glück prophezeit, besagt eines der vielen Liebesorakel rund um das Feuer. Doch schließlich wurden auch die Sonnwendfeuer im NS-Regime als Mittel politischer Indoktrination für die Jugend instrumentalisiert und als Symbole für die Idee des "Tausendjährigen Reiches" gedeutet, merkte die Leiterin des Landesinstituts für Volkskultur an.

In den vergangenen Jahren hat auch der Tourismus die Sonnwendfeuer entdeckt und inszeniert sie zu regionalen Events auf Weinbergen und Bergkämmen, auf Flüssen und auf Seen. In Salzburg sind die Sonnwendfeuer auf den Leoganger Steinbergen und am Steinernen Meer besonders bekannt, sowie die schwimmenden Lichter auf der Salzach (Kriechbaum 2012).

In vielen Bundesländern werden die Feuer mit Ausnahmeverordnungen vom Verbot des Verbrennens biogener Materialien genehmigt. So wurde etwa in Salzburg das Landesgesetzblatt Nr. 38 aus 2011 als "Ausnahmeverordnung für Brauchtumsfeuer" erlassen, teilte Dr. Kammerhofer abschließend mit. q132-12