Großer Kunstpreis des Landes für Literatur 2012 geht an Peter Handke

Brenner: Würdigung für international gefeierten Autor mit besonderem Salzburg-Bezug / Verleihung am 6. Dezember

Salzburger Landeskorrespondenz, 21.11.2012
 

(LK)  Der Große Kunstpreis des Landes Salzburg für Literatur geht heuer an Peter Handke. Das gab Kulturreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. David Brenner heute, Mittwoch, 21. November, bekannt. "Es ist eine ausgezeichnete Wahl der Jury und eine besondere Würdigung für diesen außergewöhnlichen und international geschätzten und bewunderten Autor", betonte Brenner. Die Verleihung des großen Kunstpreises an Peter Handke wird genau an seinem 70. Geburtstag am Donnerstag, 6. Dezember, 18.30 Uhr, in der Residenz stattfinden.

Peter Handke erlebte in seinen Salzburger Jahren zwischen 1979 und 1987 eine seiner produktivsten und wichtigsten Schaffensphasen. Er hält auch bis heute Kontakt zu Salzburg, so zum Beispiel bei der Uraufführung von "Immer noch Sturm" bei den Salzburger Festspielen 2011 und indem er immer wieder auch über Salzburger Verlage publiziert oder mit der Schenkung von Manuskripten und biografischem Material als Grundstein für das Salzburger Literaturarchiv.

Der mit 15.000 Euro dotierte Anerkennungspreis für das literarische Gesamtwerk wird an einen Autor mit explizitem Salzburg-Bezug verliehen. Das Land Salzburg vergibt seinen Großen Kunstpreis seit 2002 abwechselnd für die Bereiche Literatur, Musik und bildende Kunst. Heuer erhält mit Peter Handke zum insgesamt vierten Mal ein Literat diesen Preis. Die bisherigen Preisträger in der Sparte Literatur waren Gerhard Amanshauser, Walter Kappacher und Karl-Markus Gauß.

Einstimmige Juryentscheidung für Handke

Die von der Salzburger Landesregierung bestellte Jury (Dr. Katja Gasser/ORF Wien, Univ.-Prof. Dr. Klaus Amann/Universität Klagenfurt, Dr. Gerhard Ruiss/IG Autorinnen Autoren, Wien) hat sich einstimmig für Peter Handke als Preisträger entschieden. In der Jurybegründung heißt es:

"Kein anderer deutschsprachiger Autor nach 1945 hat ein derart vielgestaltiges, eigensinniges, sprachlich und formal virtuoses Werk aufzuweisen. Peter Handke hat mit beinahe jedem seiner Bücher – es sind mittlerweile mehr als siebzig – Formen und Möglichkeiten des literarischen Schreibens und damit auch sich selber als Schriftsteller neu erfunden. Sein literarischer Rang ist selbst bei seinen Kritikern unbestritten. Zu seinen bürgerlichen Tugenden zählt, dass er die Freiheit der Rede pflegt, politisch unbequem ist und zuweilen Klartext spricht.

Die Voraussetzungen für die Verleihung des Kunstpreises des Landes Salzburg erfüllt Peter Handke in hervorragender Weise. Seit seinem Weggang 1970 ist er nur ein einziges Mal für längere Zeit nach Österreich zurückgekehrt: nach Salzburg. Von 1979 bis 1987 lebte und arbeitete er in der Stadt. Die Salzburger Jahre gehören zu seinen intensivsten literarischen Schaffensperioden. In Salzburg hat er begonnen, seine slowenischen Wurzeln zu erforschen, die Sprache seiner Vorfahren zu erlernen und den Karst zu erkunden, der, vor allem in seiner großen und vielleicht bedeutendsten Erzählung (Die Wiederholung, 1986) zu seiner Schicksalslandschaft geworden ist.

In Salzburg hat Peter Handke seinen Ruhm als Übersetzer begründet: mit literarischen Übertragungen aus dem Französischen (Emmanuel Bove, Francis Ponge, George-Arthur Goldschmidt, René Char, Julien Green, Marguerite Duras, Patrick Modiano), aus dem Englischen (Walker Percy), aus dem Slowenischen (Florjan Lipuš, Gustav Januš) und aus dem Altgriechischen (Aischylos). Darüber hinaus hat er in seiner Salzburger Zeit rund ein Dutzend eigener literarischer Werke veröffentlicht, darunter etliche, die in Salzburg angesiedelt sind oder die die Verhältnisse und Erfahrungen in der Stadt und ihrer Umgebung aufgreifen und spiegeln: unter anderem Die Geschichte des Bleistifts, Nachmittag eines Schriftstellers und Der Chinese des Schmerzes. 1997 und 1998 kehrte er mit seinem Roman über den Apotheker von Taxham (In einer dunklen Nacht ging ich aus meinem stillen Haus) und mit seinem großartigen Journal (Am Felsfenster morgens), einer Art Salzburg-Tagebuch, literarisch noch einmal zu seinem langjährigen Aufenthalt in der Stadt zurück. Und er kommt immer wieder. Zuletzt mit der Uraufführung seines Kärntner Traumspiels Immer noch Sturm bei den Festspielen 2011.

Weitere Zeichen seiner Verbundenheit mit Salzburg sind, dass er seit 1967 immer wieder und bis in die jüngste Zeit auch in Salzburger Verlagen (zuerst bei Residenz, dann bei Jung und Jung) publiziert hat und dass er mit Schenkungen von Manuskripten und biographischen Materialien den Grundstein für das Salzburger Literaturarchiv und die einzigartige Sammlung Hans Widrich legte. Peter Handke, der am 6. Dezember 2012 seinen 70. Geburtstag feiert, gereicht als Preisträger des Großen Kunstpreises Salzburg zur Ehre."

Vom Vorschlag zum Preisträger

Die Auswahl der Preisträgerin/des Preisträgers erfolgt in einem zweistufigen Verfahren. Die Institutionen des Literaturhauses (der Verein Literaturhaus Salzburg, der Verein Leselampe, die Salzburger Autor/innen Gruppe, Grazer Autorinnen Autorenversammlung, Prolit und Erostepost), der PEN-Club Salzburg, die Buch- und Medienwirtschaft der Wirtschaftskammer Salzburg, der Verein Literaturfest Salzburg, die Rauriser Literaturtage, das Stefan-Zweig-Zentrum sowie die Universität Salzburg (Fachbereich Germanistik) wurden gebeten, jeweils einen Vorschlag von mindestens zwei in Frage kommenden Autorinnen oder Autoren einzubringen. Im nächsten Schritt wählte dann die Jury aus diesen Vorschlägen der Literatureinrichtungen den Preisträger aus.

Kunstpreise-Verleihung am 6. Dezember in der Residenz

Die Verleihung des großen Kunstpreises an Peter Handke wird genau an seinem 70. Geburtstag am Donnerstag, 6. Dezember, stattfinden. An diesem Tag findet ab 18.30 Uhr im Carabinierisaal der Alten Residenz in Salzburg die traditionelle, jährliche Kunstpreise-Verleihung des Landes statt. "Dass wir Handke in Salzburg an seinem 70. Geburtstag feiern können und dass er umgekehrt seinen Geburtstag bei der Kunstpreisverleihung des Landes feiert, ist ein besonders schönes Zeichen der Verbundenheit", so Brenner. q263-54