Fronleichnam erinnert an Bedeutung des Altarsakramentes

Kammerhofer-Aggermann: An vier Prozessionsaltären werden die Anfänge der vier Evangelien als Segen verlesen

Salzburger Landeskorrespondenz, 23.05.2013
 

(LK)  Fronleichnam ist ein Hochfest der katholischen Kirchengemeinde, das 60 Tage nach Ostern bzw. am zweiten Donnerstag nach Pfingsten bzw. am ersten Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitsfest, also zwischen 21. Mai und 24. Juni, gefeiert wird. Wie die Leiterin des Salzburger Landesinstituts für Volkskultur, Dr. Ulrike Kammerhofer-Aggermann, dazu heute, Donnerstag, 23. Mai, anlässlich des bevorstehenden Fronleichnamsfestes am kommenden Donnerstag, 30. Mai, erklärte, führe dieser Feiertag die Bedeutung der Einsetzung des Altarsakramentes beim "Letzten Abendmahl" am Gründonnerstag vor Augen. Daher gehören zu den Symbolen des Fronleichnamfestes die Hostie (das Allerheiligste), die Monstranz (ein Schaugefäß für die Hostie) sowie Christus als Lebensbrunnen oder Weinstock als Quelle des Lebens und der Freude.

Das Fest wird mit einem Hochamt und einer Prozession gefeiert, in der der Priester die Hostie in einer Monstranz unter einem Baldachin ("Traghimmel") durch den Ort trägt. Die Fronleichnamsprozession geht durch das Pfarrgebiet und hält an vier Punkten, die andere Kirchen oder Lebensmittelpunkte sein können. An diesen Prozessionsaltären werden die Anfänge der vier Evangelien als Segen verlesen.

Ein friedliches Fest der Gemeinschaft feiern

Im 19. Jahrhundert entstanden einfache Prozessionsbräuche, die heute noch erhalten sind – etwa dass die Erstkommunionkinder in ihren (weißen) Festkleidern und Kränzen die Prozession begleiten oder dass Blumen (statt der früher ausgelegten Teppiche) auf den Prozessionsweg gestreut werden. Vielfach werden seit einigen Jahrzehnten nach der Prozession und Messe eine Agape (Brot und Wein wird mit allen Anwesenden geteilt) und/oder ein Gemeindefest abgehalten. Viele Pfarren laden dazu auch ihre Nachbarinnen und Nachbarn anderer Religionen ein.

Geschichte und Vorläufer der Fronleichnamsprozession

Das Fronleichnamsfest wurde 1264 nach den Visionen der Heiligen Juliana von Lüttich und dem Hostienwunder von Bozen mit der päpstlichen Bulle "transiturus de mundo" eingeführt, 1311 wurde die Prozession allgemein verordnet.

Das Prozessionswesen der katholischen Kirche nahm bereits in den ersten Jahrhunderten nach Christus Formen antiker Herrscher- und Gottesgeleite, kriegerischer Triumphzüge sowie der römischen Bitt- und Segensprozessionen und der jüdischen Bitt- und Bußprozessionen auf. Seit dem 4. Jahrhundert wurden die Wege Jesu Christi als feierliche Prozessionen nachgebildet (zum Beispiel der Einzug in Jerusalem in der Palmprozession). Sie entstanden aus der Begleitung des Altarsakramentes zur Krankensegnung und bei frühmittelalterlichen Theophorien (Gottes- bzw. Hostien-Umtragungen) in der Messe wie aus den von Spanien ausgehenden öffentlichen Sakramentsgeleiten. Diese waren speziell für die Fronleichnamsprozession Vorbild.

Mit dem Konzil von Trient (1545 bis 1563) wurde die Prozession zu einer Demonstration gegen Andersgläubige und damit besonders aufwendig gestaltet. Diesen Charakter verlor sie erst im 20. Jahrhundert.

Das offizielle Römische Messbuch von 1614 ist die erste, allgemeingültige Regelung des Festes und der Prozession. Speziell in deutschsprachigen Ländern nahm die Fronleichnamsprozession im 15. Jahrhundert Elemente der Flurumgänge (Wetter- und Ernte-Bittprozessionen) auf (zum Beispiel die vier Altäre, die grünen Zweige).

Historische Fronleichnamsprozessionen in Salzburg

Die Fronleichnamsprozession ist bereits im 14. Jahrhundert (1352) in Salzburg bekannt. Frühe Zeugnisse stammen beispielsweise aus Hallein. Die geistlichen Personen trugen am Festtag grüne Kränze auf dem Kopf, eine in Europa verbreitete Sitte. Deshalb heißt der Fronleichnamstag auch "Kranzltag" oder "Prang(er)tag". Die Bäcker der Stadt Salzburg stifteten eine Zunftprozession in der Fronleichnamswoche (Oktav), die ab 1450 überliefert ist. Auch die alte Bürgerbruderschaft hatte die Teilnahme an der Fronleichnamsprozession in ihrem Statut von 1501. Diese wurde 1613 von Fürsterzbischof Markus Sittikus in die neu gründete "Christi-Fronleichnams-Confraternität" umgewandelt und der Erzbruderschaft in Rom angegliedert, was ihren Rang erhöhte. Nach der Farbe ihrer festlichen Prozessionsmäntel hieß sie auch die "Rothe Bruderschaft".

Bei der Fronleichnamsprozession entwickelten die Bruderschaften (das waren Gebets-, Sozial- und Versicherungs-"Vereine") einen großen Prunk, der ihre Bedeutung im Alltagsleben spiegelte. Sie hatten Prozessionsmäntel, Fahnen-, Statuen- und Kerzenträger, Laternen und Kreuze, Sänger, Musiker und Komponisten sowie Engelknaben und Pagen. In der Fronleichnamsprozession wurden Szenen der Bibel durch Statuen und Menschen dargestellt oder auf Wägen gespielt.

Auch zu anderen Festen, besonders in der Karwoche, wurden viele prunkvolle Andachten und religiöse Aufbauten entwickelt. Ende des 18. Jahrhunderts gab es weltliche und religiöse Reformen und Verbote. So wurde zum Beispiel das Schneiden der Birkenzweige verboten, die, wie heute auch, die Prozessionswege zierten und von der Bevölkerung als segenskräftig angesehen wurden. Das Verbot (es betraf auch die Maibäume) sollte den Waldbestand und das Jagdwild schützen.

Die religiöse Seite der Reformen galt der Abschaffung allen äußeren Prunks, der nicht von den Inhalten ablenken sollte. Schon 1779 waren Passionsspiele, Prozessionsszenen und Prozessionsstatuen verboten worden. Ein weiteres Verbot galt dem weitverbreiteten Böllerschießen, das auch bei Hochzeiten und an Handwerkstagen beliebt war, aber zu vielen Unfällen führte. 1786 wurde die reformierte Prozessionsordnung erlassen.

Aus einstiger Demonstration und Prunkentfaltung werden Bräuche

Mit der Braucherneuerung leben seit dem Ende des 19. Jahrhunderts einzelne Formen der Prozessionen, oft als "heidnische Relikte" missdeutet, wieder auf, andere wurden wieder in die Prozessionen integriert. Beispiele dafür sind die hohen, mit Blumen geschmückten Prangstangen in Zederhaus und Muhr im Lungau sowie in Bischofshofen, Hüttau, Pfarrwerfen und Werfenweng im Pongau. Das Oberndorfer "Himmelbrotschutzen" auf der Salzach ist eine historische Wassersegnung. Auch Fronleichnamsritte – einst die Prozessionsbegleitung der Garden – haben sich etwa im Bezirk Kitzbühel, der zur Salzburger Erzdiözese gehört, erhalten.

Seit dem Mittelalter, bis zu den Verboten 1782, fanden am Fronleichnamstag als Religionsunterricht für die Bevölkerung auch geistliche dramatische Spiele ("Fronleichnamsspiele"), aus denen etwa der Lungauer Samson stammt, statt. Dabei übernahmen Einzelgruppen auf Wägen und zu Fuß die Vorführung verschiedener biblischer Szenen. Der Stoff der Fronleichnamsspiele umfasste einen größeren Zeitraum als die österlichen Passionsspiele. Sie fanden im Barock ihre größte theatralische Entfaltung und wurden bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts vorgeführt. Heute entstehen vereinzelt Seeprozessionen nach dem Vorbild der alten Fischerprozessionen von Hallstatt und Traunstein in Oberösterreich. r114-30