Preisträger für Volkskulturpreise 2013 ausgewählt

Hauptpreis geht an das Halleiner Weihnachtsspiel "A Stern kummt auf" nach Carl Orff

Salzburger Landeskorrespondenz, 17.06.2013
 

(LK)  Ein halbes Jahr lang konnten sich Vereine, Gruppen und Einzelpersonen um den Salzburger Volkskulturpreis 2013 bewerben. Eine unabhängige Jury hat sich nach sechsstündiger Diskussion aus 44 Einreichungen einstimmig für drei Projekte entschieden, die maßgebliche Impulse im und für das Kulturland Salzburg setzen. Der Hauptpreis geht an das Halleiner Weihnachtsspiel "A Stern kummt auf" nach Carl Orff. Förderungspreise erhalten das Woll-Lust-Strickprojekt" des Kulturkreises "Das Zentrum Radstadt" sowie die Projekte "Loferer Geschichte(n)" und das dreiteilige Buch- und zugleich Ausstellungsprojekt "100 Jahre bewegtes Leben im Salzburger Saalachtal", teilte heute, Montag, 17. Juni, die Leiterin des Referates "Volkskultur und Erhaltung des kulturellen Erbes" des Landes Salzburg, Mag. Dr. Lucia Luidold, mit.

Der alle zwei Jahre vergebene Volkskulturpreis des Landes Salzburg wird mit Unterstützung der Salzburger Nachrichten und der Kurt-und-Felicitas-Vössing-Stiftung ausgelobt. Der Gewinner des Hauptpreises erhält 6.000 Euro, die zwei Förderpreise sind mit je 3.000 Euro dotiert. Sie werden am Donnerstag, 27. Juni, um 19.00 Uhr im Saal der Salzburger Nachrichten von Dr. Wilfried Haslauer  überreicht werden. Dr. Haslauer dankte den Juroren für ihren intensiven Diskurs zur Entscheidungsfindung und betonte, dass "mit diesen drei innovativen Projekten der Intention des Volkskulturpreises des Landes Salzburg, nämlich‚ maßgebliche Impulse für eine lebendige Weiterentwicklung der Volkskultur‘ zu setzen, voll und ganz Rechnung getragen,

Die Jury mit Univ.-Prof. Dr. Karl Müller (Universität Salzburg) als Vorsitzendem und Adolf Freudl (Forum Salzburger Volkskultur), Mag. Michaela Gründler (Preisträgerin 2011), Prof. Dr. Manfred Seifert (Volkskundeinstitut Dresden) und Susanna Vötter-Dankl (Leopold Kohr-Akademie, regionale Kulturmanagerin) begründete ihre Entscheidung folgendermaßen:

Das Halleiner Weihnachtsspiel 2012 "A Stern kummt auf" nach Carl Orff unter der Leitung von Univ.-Prof. Wolfgang Guttmann und Prof. Kurt Schwaiger gibt der schon jahrzehntelangen Tradition eines alpenländischen Halleiner Weihnachtssingens ein völlig neues Fundament, indem Carl Orffs gleichnamige Weihnachtslegende aufgegriffen und dem Weihnachtssingen in kreativ überzeugender Weise eine alternative Form zu den landesweit üblichen Advent-Veranstaltungen verliehen wird. Dafür bedurfte es einer in jeder Hinsicht gelungenen Bearbeitung der Partitur, Reduktion und Erweiterung zugleich. Dabei beeindruckten die Jury die äußerst sensibel gestaltete und nicht zuletzt deswegen außerordentlich wirkungsvolle Einheit von szenischer Darstellung, Gesang und chorischem Sprechen zwischen Dialekt, lateinischer und deutscher Hochsprache, weiters die Homogenität des großen musikalischen Bogens von Volkslied-Bearbeitungen bis zu Neuer Musik, das großartige Zusammenwirken von Laien und professionellen Künstlern sowie die bewegende generationenübergreifende Zusammensetzung der Mitwirkenden vom Volksschul- bis zum Seniorenalter.    

Das "Woll-Lust-Strickprojekt" ist eine auf dem Feld kunsthandwerklicher Betätigung und zur Förderung generationsübergreifender Kommunikation und Eigentätigkeit ausgesprochen interessante Initiative. Bemerkenswert und impulsgebend sind dabei zwei Aspekte: Häkeln, Stricken und Nähen werden erstens aus ihren traditionellen Vorstellungen und Zuschreibungen befreit und gewinnen unter professioneller Anleitung einen Platz im Kontext eigenständig und eigenhändig getätigter Kunst- und Design-Gestaltung. Schließlich schmücken die Kunstwerke den öffentlichen Raum, indem etwa eine "Kunst-Telefonzelle" oder öffentliche Plätze auf kreativ-überraschende Weise mit den bunten und formschönen Häkel-, Strick- und Näh-Produkten gestaltet werden – im Zusammenwirken mit der Stadt.  

Dr. Christine Schweinösters langjährige Geschichtsprojekte, die Lofer und das Salzburger Saalachtal betreffen und in Kooperation mit einem geschichtsbewussten Team erarbeitet werden, verdienen wegen ihrer kulturgeschichtlichen Differenziertheit besondere Anerkennung. Jene Tafeln, die an den Häusern des historischen Ortes Lofer angebracht sind, umfassen historische Bildmaterialien und bestens aufbereitete, alle Lebensbereiche thematisierende Informationen, die geeignet sind, das Geschichtsbewusstsein sowohl von Einheimischen als auch Besucher/innen nachhaltig zu stärken. Sie tragen damit auch zur Identitätsstiftung dieser Region bei. Werden durch die exzellent gestalteten Informationstafeln einzelne Brennpunkte historischen Geschehens vergegenwärtigt, so wird im Buch- und Ausstellungsprojekt – zuletzt "Männer des unteren Saalachtales von 1855 bis 1945" – eine genderorientierte Alltagsgeschichte einer Region fassbar, die ohne diese historiographische Arbeit unwiederbringlich vergessen wäre. R132-30