Innovative Kunst im öffentlichen Raum

Schellhorn bei Präsentation von "Podium 2013": Aufregung und Anregung sind Aufgaben von Kunst

Salzburger Landeskorrespondenz, 07.10.2013
 

(LK)  Das Land Salzburg fördert alle zwei Jahre mit dem Projekt "Podium" künstlerische Ausdrucksformen, die sich durch ihren innovativen Ansatz zwischen allen gängigen Kunstsparten bewegen. Heuer findet "Podium" zum vierten Mal statt und wird insgesamt mit 100.000 Euro gefördert. Für "Podium 2013" wurden 73 Projekte eingereicht. Aus diesen hat die Jury, bestehend aus Mag. Angela Glechner (Szene Salzburg), Mag. Chris Müller (Tabakfabrik Linz) und Mag. Tobias Pötzelsberger (ORF Salzburg) neun Projekte ausgewählt. Sie werden mit Beträgen zwischen 3.700 und 19.000 Euro gefördert. Die Bandbreite der Installationen und Interventionen bewegt sich zwischen Alpen, Hindukusch, Würstelstand, Almabtrieb, Klangtank oder Projektionen. Bis Ende November 2013 werden sie im öffentlichen Raum für An- und Aufregung sorgen.

Kulturreferent Landesrat Dr. Heinrich Schellhorn bekannte sich heute, Montag, 7. Oktober, in einem Informationsgespräch anlässlich der Präsentation der Informations-Broschüre zu "Podium 2013" ausdrücklich zu diesen Aufgaben von Kunst: "Im öffentlichen Raum sollen aktuelle Kunstströmungen vorgestellt und erlebbar gemacht werden. Natürlich sorgen ein 'Kunst-Würstelstand' oder ein 'Alpiner Taliban' für Irritation, Verwunderung, Erstaunen, Ablehnung oder Begeisterung. Das sind die Aufgaben von Kunst."

Landesrat Schellhorn bedankte sich bei allen, die engagiert zum Gelingen von "Podium 2013" beigetragen haben, den Jurorinnen und Juroren, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Referats für Kunstförderung und natürlich allen Künstlerinnen und Künstlern, die eingereicht haben und/oder ausgewählt wurden. "Ich weiß, wie schwer der Jury die Auswahl gefallen ist. Ich wünsche 'Podium 2013' viel Erfolg und ein Publikum, das sich auf Wagnisse einlässt und offen reagiert. Ein Publikum, das sich im positiven Sinn anregen und provozieren lässt."

Als Vertreterin der diesjährigen Jury betonte Angela Glechner, Intendantin der Szene Salzburg, die künstlerische Breite, die bei den 73 eingereichten Projekten zum Ausdruck kommt: "Es geht nicht nur um die neun ausgewählten Projekte. Die Kreativität und Phantasie, die enorme Bandbreite aller Projekte waren höchst erstaunlich und wirklich erfreulich. Vieles davon würde einem selbst nie einfallen. Die Kunstszene lebt. Auch das Verlassen der etablierten, gewohnten Räume und die Verortung von zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum sind immer wieder notwendig."

Mag. Claudia Prommegger, Leiterin des Referates für Kunstförderung des Landes Salzburg, freut sich über die vielen Einreichungen zu "Podium 2013": "Das zeigt auch in der nunmehr bereits vierten Auflage der Ausschreibung den Bedarf für dieses Förderinstrument. Die Einreichungen spiegeln die Lebendigkeit und Vielseitigkeit der Salzburger Kulturszene wider. Die neun von der unabhängigen dreiköpfigen Jury ausgewählten Siegerprojekte, die zum Großteil in den nächsten Wochen präsentiert werden, verbinden sich zu einem vielstimmigen Gesamtbild. Zentrales Motiv ist dabei die Interaktivität, also das Ziel, Kunst durch die aktive Teilnahme des Publikums erlebbar zu machen. Eine weitere Verbindung zwischen den Projekten lässt sich beim Suchen und Finden neuer Räume für die Kunst und Kunstvermittlung ausmachen. Und vor allem beweisen die Podium-Preisträgerinnen und -Preisträger Mut zum Experiment."

Interaktivität

Die Klang- und Soundinstallationen der "Kryptophonie" (Hörstadt Linz) werden erst durch eine erfolgreiche Schnitzeljagd hörbar. Um Klänge von "KNOWN UNKNOWNS" (Rainer Kohlberger) wahrnehmen zu können, muss man ganz bestimmte Orte im ganzen Bundesland aufsuchen und darf dabei sein Handy nicht vergessen.

Im "Klangtank" (Marlene Hirtreiter, Andre Mayr) wird der Besucher bzw. die Besucherin selbst zum Sounddesigner. Ohne aktives Publikum wird auch der Kriminalfall "Tatort Würstelstand" nicht zu lösen sein, vielmehr sind es die Besucher/innen, die die Ideen zu diesem Fall liefern und schließlich aufgefordert werden, das vom Verein "ohnetitel" gesponnene Rätsel zu entwirren.

Neue Räume für die Kunst und Kunstvermittlung

Neben dem "Würstelstand" als dem realen und interaktiven Umschlagplatz für Gerüchte und Geschichten aller Art verorten Robert Praxmarer und Thomas Wagner das Computerspiel "Fallen Angels" (auch) auf Häuserflächen und Felswänden. Die Klang- und Soundprojekte "Kryptophonie", "KNOWN UNKNOWNS" und "Klangtank" funktionieren nur über ihre Sicht- bzw. Unsichtbarkeit im öffentlichen und virtuellen Raum. Die "Kunstbaustelle" von Christiane Pott-Schlager visualisiert – ebenfalls öffentlich – die Grundsituation der Kunst als eine tägliche Baustelle.

Experimentierfreudig

In Freilandversuchen bewegen sich Marcus Hank und Hamon Tanin als "BavarianTaliban" durch Salzburg und verarbeiten ihre "volkskulturellen Kampfeinsätze zwischen Alpen und Hindukusch" vor und mit Publikum. "Alpine Gothic" untersucht das Motiv "Heimkehr" und die damit verbundenen Aspekte der Ritualisierung und Entritualisierung, etwa am Beispiel des Almabtriebs. Ungewöhnlich ist auch die Performance von Thomas Vau, der sich mit der Vergabe des Friedensnobelpreises 2012 an die Europäische Union auseinandersetzt.

Detaillierte Informationen über das Projekt "Podium" und über die einzelnen von der Jury für 2013 ausgewählten Projekte sind auch im Internet zu finden. r222-70

Weitere Informationen: Dr. Heinrich Breidenbach, Büro Landesrat Dr. Heinrich Schellhorn, Tel.: 0662/8042-4841, Mobil: 0664/8565718, E-Mail: heinrich.breidenbach@salzburg.gv.at