Besonderheiten und Kurioses rund um die Nationalratswahl

Analysen der Landesstatistik förderten auch einige Überraschungen zu Tage

Salzburger Landeskorrespondenz, 09.10.2013
 

(LK)  Nachdem die Ergebnisse der Nationalratswahl 2013 endgültig und amtlich sind, wurden von der Landesstatistik Salzburg unter der Leitung von Dr. Gernot Filipp einige Besonderheiten und Auffälligkeiten dieses Wahlgangs zusammengestellt, die bei der Aufbereitung und Analyse der Ergebnisse "ins Auge gestochen" und meist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen sind.

  • In den Gemeinden Golling, Henndorf und Puch wurde am ähnlichsten wie auf Landesebene insgesamt gewählt, das heißt, es gab die geringste Abweichung zu den Anteilen der einzelnen Parteien. Diese drei Gemeinden belegten mit einer Ausnahme auch bereits bei den Nationalratswahlen in den Jahren 2008 und 2006 die "Medaillenränge". Golling und Puch nahmen die ersten beiden Plätze auch bei der Landtagswahl im Mai 2013 ein.
  • Am unähnlichsten zum Landesergebnis war hingegen das Wahlverhalten in den Gemeinden Göming, Zederhaus und St. Koloman. Auch hier ergaben sich im zeitlichen Verlauf kaum Veränderungen, sowohl hinsichtlich der vorangegangenen Nationalratswahlen als auch in Hinblick auf die Landtagswahl im Mai 2013, als Göming, St. Koloman und Schwarzach (nun Platz 4) die am stärksten vom Landesergebnis abweichenden Gemeinden waren.
  • Bei der aktuellen Wahl schafften es SPÖ und ÖVP nur noch in 80 Gemeinden gemeinsam die 50-Prozent-Marke zu knacken, davon in lediglich sechs Gemeinden mit Zweidrittel-Mehrheit. Am geringsten war die Zustimmung in Seekirchen am Wallersee mit zusammen 40,7 Prozent, am höchsten in Hüttschlag mit gemeinsam 72,4 Prozent.
  • In keiner einzigen Gemeinde besitzt eine Partei die Zweidrittel-Mehrheit, in nur zwei Gemeinden (Göming, St. Koloman) schaffte es die ÖVP, die absolute Mehrheit für sich zu beanspruchen. Bei der Nationalratswahl 2008 waren es immerhin noch vier Gemeinden. Alle anderen Parteien konnten weder 2008 noch 2013 mehr als 50 Prozent der Stimmen in einer Gemeinde für sich gewinnen.
  • Die Schwankungsbreite zwischen geringstem und höchstem Stimmanteil in den 119 Gemeinden war für die ÖVP mit beinahe 45 Prozentpunkten am größten (Göming: 53,9 Prozent, Bürmoos: 9,1 Prozent).
  • Die FPÖ ist die einzige Partei, die in allen Salzburger Gemeinden einen zweistelligen Stimmanteil erzielte. Den geringsten Stimmanteil erreichte sie in Göming mit 14,3 Prozent.
  • Weißbach bei Lofer war die "schnellste" Gemeinde und hat in weniger als einer halben Stunde (27 Minuten) nach Wahlschluss die Ergebnisse gemeldet.
  • Die Gemeinde mit den wenigsten Wahlberechtigten in Salzburg war bei der Nationalratswahl 2013 Tweng im Lungau mit 192 Wahlberechtigten gefolgt von anderen Lungauer Gemeinden (Weißpriach, Thomatal und Göriach mit jeweils weniger als 300 Wahlberechtigten). Österreichweit hatte bei dieser Wahl die Tiroler Gemeinde Gramais mit 40 Personen die geringste Anzahl an Wahlberechtigten.
  • Im Durchschnitt beantragte etwa jeder zehnte wahlberechtigte Salzburger die Ausstellung einer Wahlkarte. In den Fremdenverkehrsorten Tweng und Untertauern bevorzugte mehr als ein Viertel Bürger diese Art der Stimmabgabe, in Kleinarl etwa jeder fünfte Wahlberechtigte.
  • In Göming war die Wahlbeteiligung mit 81,6 Prozent am höchsten, in Tweng mit 53,1 Prozent am geringsten. Die Stadt Salzburg (als Gemeinde ohne Briefwähler und Wahlkartenwähler fremder Wahlkreise) landete mit 57,2 Prozent auf dem vorletzten Platz.
  • Die stärkste (positive) Veränderung der Wahlbeteiligung gab es in Weißpriach (+ 6,9 Prozentpunkte), den stärksten Rückgang in Kleinarl mit einem Minus von 16,1 Prozentpunkten.
  • Am öftesten ungültig war eine Stimme mit einem Anteil von fünf Prozent in Weißbach bei Lofer. Tweng war dagegen die einzige Salzburger Gemeinde ohne eine einzige ungültige Stimme.
  • In 88 Gemeinden ist die ÖVP stimmstärkste Partei, in 21 Gemeinden die SPÖ und in zehn Gemeinden die FPÖ. In keiner der 119 Salzburger Gemeinden liegt eine dieser drei Parteien schlechter als auf Platz 4, den hauptsächlich die GRÜNE(n), nämlich in 89 Gemeinden, einnehmen.
  • Die Verschiebung eines Mandats wäre am ehesten zwischen SPÖ und ÖVP möglich gewesen und zwar dann, wenn bundesweit 5.170 Wähler zusätzlich von der ÖVP zur SPÖ gewandert wären. In Salzburg hätte am ehesten die ÖVP noch ein Mandat erhalten, wenn sich noch 1.708 Wähler mehr dazu entschlossen hätten, für die ÖVP zu stimmen. Auf Regionalwahlkreisebene fehlen der FPÖ im RWK Lungau/Pinzgau/Pongau nur 1.101 Stimmen auf ein Mandat, das dann aber entsprechend auf Landesebene weniger vergeben worden wäre.

Vergleiche zur Landtagswahl 2013

Gegenüber der Landtagswahl im Mai dieses Jahres ergaben die Analysen der Landesstatistik folgende Unterschiede bzw. Auffälligkeiten:

  • Es waren um 3.487 mehr Personen wahlberechtigt als bei der Landtagswahl 2013. Die Wahlbeteiligung war mit 74,5 Prozent um 3,5 Prozentpunkte höher, der Anteil der ungültigen Stimmen um 1,5 Prozentpunkte niedriger.
  • Die SPÖ konnte in 39 Gemeinden einen höheren Stimmanteil erreichen, musste in den restlichen 80 Gemeinden aber ein Minus hinnehmen. In Summe liegt die SPÖ mit 23 Prozent um 0,8 Prozentpunkte unter dem Landtagswahlergebnis. Den größten Gewinn erzielte die SPÖ in Goldegg mit 4,7, den größten Verlust in Muhr mit 11,1 Prozentpunkten.
  • Die ÖVP verbuchte gegenüber der Landtagswahl im Mai Stimmanteilseinbußen von 2,3 Prozentpunkten auf 26,7 Prozent. Nur 13 Gemeinden zählten Ende September ein höheres ÖVP-Ergebnis aus als Anfang Mai. Die Spanne der Anteilsveränderungen reicht von + 3,8 in Goldegg bis zu - 12,9 Prozentpunkten in Untertauern.
  • Nur in Maria Alm am Steinernen Meer (- 0,7 Prozentpunkte), Weißbach bei Lofer (- 0,7 Prozentpunkte) und Saalbach-Hinterglemm (- 4,1 Prozentpunkte) erzielte die FPÖ ein schlechteres Ergebnis als bei der Landtagswahl 2013. In allen anderen Gemeinden reicht der Stimmanteilsgewinn von 1,1 Prozentpunkten in Fuschl am See bis zu 19,3 Prozentpunkten in Muhr. Das Landesergebnis liegt mit 21,2 Prozent um 4,2 Prozentpunkte über dem Ergebnis der Landtagswahl. Unter den bei beiden Wahlen angetretenen Parteien ist damit die FPÖ jene mit dem größten Stimmanteilsgewinn.
  • Das größte Minus dagegen erlitten die GRÜNE(n) mit 5,4 Prozentpunkten auf 14,8 Prozent. Nur in Forstau konnte das Ergebnis der Landtagswahl um 0,6 Prozentpunkte (das entspricht einer Stimme) übertroffen werden. In allen anderen Gemeinden reicht das Minus bis zu 10,1 Prozentpunkten wie in Anif und Kuchl.
  • Das Team Stronach (bei der Landtagswahl als TEAM, diesmal als FRANK bezeichnet) fiel um 3,1 Prozentpunkte auf 5,2 Prozent. Nur in vier Gemeinden (Krispl, St. Michael im Lungau, Göriach und Göming) konnte es um bis zu 1,2 Prozentpunkte zulegen. In allen anderen Gemeinden verlor das TEAM im Vergleich zur Landtagswahl. Die stärksten Verluste musste es mit 15,2 Prozentpunkten in Goldegg, dem Heimatort von Landesrat Hans Mayr, hinnehmen. Bei der Landtagswahl war dies die Gemeinde mit dem mit Abstand höchsten Stimmanteil.
  • Und noch ein besonders "kurioser" Zufall zum Schluss: Am 29. September, dem Tag der Nationalratswahl, waren genau 74,5 Prozent der 365 Tage des Jahres 2013 "abgelaufen" – das entspricht genau der Wahlbeteiligung vom letzten Wahlsonntag.

Auf der Landes-Website gibt es den Bericht Nationalratswahl 2013 – Endgültige Ergebnisse und die Ergebnisse des Vorzugsstimmenverfahrens online. r224-31