Pionier-Arbeit zum Krieg in Ex-Jugoslawien

Berthold: Jugendliche erzählen in einem Film ihre eigene Geschichte / Präsentation am 7. März im Jazzit

Salzburger Landeskorrespondenz, 28.02.2014
 

(LK)  Die Abteilung Aktion Film vom Salzburger Institut für Medienbildung hat erneut einen Film in der Reihe "Filmemachen mit jungen Menschen" herausgebracht. Der junge Regisseur Sandro Antonino Pfeiffer setzt mit "Pioniri – Meine Geschichte, unsere Geschichte" ein heikles Thema in Szene, nämlich den Krieg in Ex-Jugoslawien der 1990er Jahre, und lässt Betroffene zu Wort kommen. Diese sind junge Salzburger/innen mit biografischem Bezug zu Ex-Jugoslawien – die "Pioniri". Begleitet wird der Film von einem aufwändig gestalteten Booklet im Comic-Stil. Jugend- und Migrationsreferentin Landesrätin Mag. Martina Berthold wird das Fest und die dazugehörige Filmpräsentation "Pioniri – meine Geschichte unsere Geschichte" am Freitag, 7. März, um 18.00 Uhr im Jazzit in der Stadt Salzburg eröffnen.

"Hier sehen und erleben wir Pionier-Arbeit! Wenn Jugendliche unterschiedlichster Herkunft ihre eigenen Geschichten aber auch Hintergründe der Kriege in Ex-Jugoslawien gemeinsam erzählen, so werden Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede sichtbar und teilweise auch aufgearbeitet. Ich finde die jungen Frauen und Männer sehr mutig. Ihre Bereitschaft, über eigene Kriegserlebnisse bzw. -erzählungen zu reden, ist bemerkenswert. Die Kriege in Ex-Jugoslawien habe ich als Bürgerin eines Nachbarlandes miterlebt. Umso neugieriger bin ich auf jede einzelne Geschichte, hinter der viele persönliche Bezüge stecken", weckt Berthold Interesse an dem besonderen Projekt.

Im Schwerpunktprojekt "WhyWar.at – Ex-Jugoslawien" (2012-2013) haben die "Pioniri" ihre Erfahrungen in Zusammenhang mit den damaligen Kriegsgeschehnissen miteinander in Schulen geteilt. "WhyWar.at" ist ein Projekt des Friedensbüros Salzburg mit thematisch wechselnden Kriegsregionen.

Produziert hat den Film die Abteilung "Aktion Film" des Instituts für Medienbildung in Salzburg, die, wie in mehreren Projekten vorher, die Aufarbeitung von Kriegsszenarien durch junge Menschen forciert und gleichzeitig junge Filmbegeisterte erste Filmerfahrungen machen lässt.

Dem jungen Regisseur Pfeiffer stand wieder der Filmprofi Markus Weisheitinger-Herrmann, Projektleiter vom Institut für Medienbildung, als erfahrener Coach zur Seite.

Gemeinsam den Schrecken des Krieges überwinden

Im 35-minütigen Dokumentarfilm kommen junge Menschen zu Wort, die entweder unmittelbar selber oder über Erzählungen der Eltern vom Kriegsgeschehen zwischen 1991 und 1999 auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien betroffen waren. Der Dokumentarfilm bietet Interviewpassagen von sechs jungen Menschen aus dem etwa 15-köpfigen Team von "WhyWar.at Pioniri", die aus Bosnien (Muslime/Christen), dem Kosovo, Serbien und Kroatien stammen. Er enthält auch Textsequenzen (gelesen von der Schauspielerin Hildegard Starlinger), die einen gemeinsamer Nenner von Kriegszusammenhängen der sechs Interviewpartner/innen darstellen. Dies, obwohl in ihren jeweiligen Heimatländern höchst unterschiedliche Sichtweisen zu Schuld und Opferrolle existieren. Durch das Ziehen an einem Strang soll Aufarbeitung möglich gemacht werden. Das Bemühen, gemeinsam den Schrecken des Krieges zu überwinden, ist Kernaussage des Films.

Die Chance, einen Film zu machen, bekam der junge Salzburger Nachwuchsdokumentarfilmer mit italienischen Wurzeln (der Vater stammt aus Sizilien) Sandro Antonino Pfeiffer über ein Praktikum beim Institut für Medienbildung, Abteilung "Aktion Film".

Medium Film als Kommunikationsmotor in Schulen

Das Institut für Medienbildung verfolgt mit der Herausgabe von Dokumentarfilmen einerseits den Auftrag, junge Menschen in einer partizipativen Weise an verschiedenste Medien heranzuführen. Gleichzeitig wird Zeitgeschichte der näheren geografischen Umgebung für junge Menschen von jungen Menschen aufbereitet.

In den vergangenen Jahren sind Filme wie "Festgefahren. Auf den Spuren der Roma und Sinti", "Zigeunerlager Maxglan", "Gras drüber. Erinnerungen an die NS-Vergangenheit von St. Johann/Pg." oder "2634M. Portrait eines jüdischen Exodus" und "Hitlers Jugend" entstanden. Der Film "Pioniri – Meine Geschichte, unsere Geschichte" wird über den Bildungsmedienverleih des Landes Salzburg Schulen kostenlos zur Verfügung gestellt. Zusätzlich wird der Film im Freien Fernsehen "FS1" ausgestrahlt und auf der Internetplattform "youtube" zu sehen sein. s45-60