Wo es gerade in Salzburg staut

Mayr: Neue App zur aktuellen Verkehrslage im Bundesland Salzburg / Bestehende Verkehrsinfrastruktur besser nutzen

Salzburger Landeskorrespondenz, 03.03.2014
 

(LK)  Mehr als 600 Verkehrsteilnehmer/innen sind gegenwärtig auf Salzburgs Straßen unterwegs und übermitteln, wie gut sie gerade vorankommen. Die Daten werden im Sekundentakt anonym an einen Zentralcomputer gesendet und zu einer Echtzeit-Verkehrslagekarte für das Bundesland Salzburg ausgewertet. Mit der neuen App für Android-Smartphones können nun weitere Freiwillige teilnehmen und die Verkehrslagedaten im Gegenzug kostenlos am Smartphone abrufen. Verkehrsprognosen gehen davon aus, dass der Pkw-Verkehr in Salzburg weiter steigen wird. "Die Herausforderung besteht darin, die bestehende Verkehrsinfrastruktur effizienter zu nutzen", erklärte Landesrat Hans Mayr heute, Montag, 3. März, bei der Präsentation der neun App in der Salzburg Research Landesforschungsgesellschaft. Weil Erweiterungen der Verkehrsinfrastruktur nur punktuell möglich sind und eine vollständige Überwachung der Verkehrslage mit stationären Sensoren teuer ist, geht das Bundesland einen anderen Weg: In der FCD-Modellregion Salzburg wird gegenwärtig das Konzept der Floating-Car-Data (FCD) zur flächendeckenden Erfassung von Verkehrszuständen getestet. Die Daten stammen aus Fahrzeugen, die aktuell am Verkehrsgeschehen teilnehmen. Nun steht auch eine Smartphone-App für alle interessierten Verkehrsteilnehmer/innen zur Verfügung.

Neue App für Android-Smartphones

Bereits seit einigen Monaten sind mehr als 600 Fahrzeuge mit GPS-Sendern im ganzen Bundesland unterwegs. "Mit der neuen Smartphone-App sind wir zur Gewinnung der Daten nicht mehr auf den Einbau von GPS-Geräten in Fahrzeugen beschränkt", erklärte Landesbaudirektor Dipl.-Ing. Christian Nagl. "Jeder kann mitmachen und im Gegenzug von einer noch genaueren Verkehrslagekarte und einer nachhaltig optimierten Verkehrssituation durch intelligente Verkehrssteuerung profitieren."

Die App "Verkehr in Salzburg“ ist kostenlos auf Google Play verfügbar und funktioniert auf allen Tablets und Smartphones mit dem Betriebssystem Android 4.0 oder höher und kann unter http://srfg.at/verkehrinsalzburg auf dem eigenen Mobilgerät installiert werden. Die App zeigt die aktuelle "Verkehrsqualität" auf den wichtigsten Straßen im Stadtgebiet von Salzburg sowie auf allen Hauptverkehrsrouten im gesamten Bundesland. Ein grüner Straßenabschnitt bedeutet freie Fahrt, ein gelber Abschnitt zeigt leichte Verzögerungen und ein roter Abschnitt bedeutet stärkere Verzögerungen (mehr als zwei Minuten Verzögerung im Vergleich zur freien Fahrt).

Die angezeigte Verkehrslage wird jede Minute aktualisiert, die dafür verwendeten Daten sind maximal 30 Minuten alt. "Wurde eine Straße in der letzten halben Stunde nicht befahren, wird keine Verkehrslage angezeigt", erklärte Projektleiter Dr. Karl Rehrl von der Salzburg Research Forschungsgesellschaft. "Jeder einzelne App-Nutzer kann jedoch mithelfen, die Lücken auf der Verkehrslagekarte zu füllen." Je mehr mitmachen, desto genauer die Daten. Noch ist die FCD-Modellregion Salzburg im Testbetrieb. Ziel ist, eine flächendeckende, zuverlässige und vor allem aussagekräftige Echtzeit-Verkehrslage für das gesamte Bundesland zu generieren. Je mehr Daten in das System einfließen, desto aktueller, aussagekräftiger und zuverlässiger ist das Ergebnis. Bereits jetzt sind die Hauptverkehrsrouten in verkehrsstarken Zeiten zu knapp 50 Prozent abgedeckt. Mit der App soll dieser Anteil nochmals wesentlich erhöht werden: "Die App ist eine Win-Win-Situation sowohl für Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer als auch für Verkehrsplanung und Forschung", sagte Projektleiter Rehrl. "Die Nutzerinnen und Nutzer der App erhalten kostenlosen Zugang zu den aktuellsten Verkehrslagedaten im Bundesland. Im Gegenzug stellen sie ihre eigenen – anonymisierten – Bewegungsdaten zur Verfügung und helfen dadurch aktiv mit, die Datenlage für alle zu verbessern." Die aktuelle Verkehrslage im Bundesland Salzburg ist auch im Internet verfügbar.

Was mit den Daten geschieht

Die in Echtzeit erfassten Bewegungsdaten helfen dabei, den aktuellen Verkehrszustand möglichst genau zu erfassen. Zum einen können damit Verkehrsteilnehmer/innen bestmöglich informiert werden: durch die Verkehrsauskunft Österreich, die Projektpartner Ö3 Verkehrsredaktion und Asfinag oder über die Verkehrslage-Karte im Internet und auf der App. Außerdem stehen die Daten auch den Verkehrsplanern in Stadt und Land Salzburg zur Verfügung, die diese Daten als Entscheidungsgrundlage für Verkehrs-Maßnahmen nutzen können: Durch objektive Vorher-Nachher-Vergleiche kann beispielsweise die Wirkung von unterschiedlichen Verkehrssteuerungsmaßnahmen bewertet werden. Da auch die Salzburger O-Busse ihre Bewegungsdaten liefern, kann zum Beispiel die Effektivität von Busspuren untersucht werden. Außerdem dienen die Daten aus der FCD-Modellregion Salzburg als wesentliche Datenquelle für das Projekt "SENS" der Stadt Salzburg, mit dem die situationsabhängige Ampelsteuerung im Stadtgebiet in Angriff genommen wird.

Datenschutz steht an erster Stelle

Im Projekt FCD-Modellregion Salzburg wird Wert auf ein höchstes Maß an Datenschutz unter Wahrung der Persönlichkeitsrechte gelegt. "Gerade in Zeiten der zunehmenden Überwachung ist uns der sorgfältige Umgang mit Daten ein besonderes Anliegen. In der FCD-Modellregion werden umfassende Maßnahmen ergriffen, um die Anonymität der Daten sicherzustellen: jede Fahrt wird anonym ausgewertet und kann nicht auf einzelne Fahrer oder Fahrzeuge zurückverfolgt werden. Außerdem werden die exakten Start- und Endpunkte einer Fahrt automatisch entfernt. In Sachen Datenschutz erfüllen wir sämtliche Richtlinien des österreichischen Datenschutzgesetzes. Das Projekt wurde von Juristen geprüft und bei der österreichischen Datenschutzkommission unter der DVR-Nr. 4008479/002 gemeldet", erläuterte Projektleiter Karl Rehrl von Salzburg Research.

FCD-Modellregion Salzburg

Das Projekt "FCD-Modellregion Salzburg" wird von der Salzburg Research Forschungsgesellschaft im Auftrag des Landes Salzburg durchgeführt. Kooperationspartner sind Obus SLB der Salzburg AG, Salzburger Verkehrsverbund GmbH, Asfinag Maut Service GmbH sowie die Ö3 Verkehrsredaktion. Finanziell unterstützt wird die FCD-Modellregion Salzburg vom Klima- und Energiefonds und vom Land Salzburg. s46-60c