Zukunftsweisendes Schülerheim komplett aus Holz gebaut

Landwirtschaftliche Fachschulen setzen ein Zeichen für Nachhaltigkeit und den Baustoff Holz

Salzburger Landeskorrespondenz, 11.03.2014
 

(LK)  Derzeit entsteht an der landwirtschaftlichen Fachschule am Winklhof in Oberalm das erste komplett aus Holz gebaute öffentliche Gebäude Salzburgs. In diesem Gebäude des Landes Salzburg werden sogar Treppenhaus und Liftschacht in Holz ausgeführt. Die Vorbildwirkung der öffentlichen Hand ist wichtig und für das Holzland Salzburg auch wirtschaftlich von hoher Bedeutung. Die landwirtschaftlichen Fachschulen in Salzburg zeigen das Stärkefeld des Holzbaus im öffentlichen Bereich auf und setzen diesen Weg konsequent fort. Der Holzbau wird in Passivhausbauweise ausgeführt und mit Schulbeginn im Herbst eröffnet.

Keine kalten Wände und Fußböden mehr

"Für unsere Breitengrade beschreiten wir mit diesem Projekt absolutes Neuland. Wir wissen aus Erfahrungen vor allem in skandinavischen Ländern, dass der Holzbau hält, was er verspricht. Für Salzburg ergeben sich dadurch auch wirtschaftlich sehr interessante Möglichkeiten. Vor allem aber werden die Schüler vom besseren Lernklima und einer angenehmen Atmosphäre im Haus profitieren. Das Gefühl kalter Wände oder Fußböden gehört der Vergangenheit an. Holz sorgt für eine angenehme Oberflächentemperatur und das spart uns Heizkosten. In herkömmlichen Gebäuden muss die Raumluft um zwei Grad höher erwärmt werden als in einem Holzhaus. Der Wohlfühlfaktor kann somit in einem Holzhaus deutlich gesteigert werden", erklärte Energie- und Agrarreferent Landesrat Dipl.-Ing. Dr. Josef Schwaiger heute, Dienstag, 11. März, bei einem Lokalaugenschein. "Besonders die jungen Bäuerinnen und Bauern lernen so den heimischen Baustoff, den sie oft auch selbst aus dem eigenen Wald holen, kennen und schätzen. Es ist wichtig, dass wir gerade in der Landwirtschaft den Wert von Holz und die damit verbundenen einzigartigen Eigenschaften kennenlernen. Wenn wir vom Produkt überzeugt sind, wird es uns auch gelingen, Konsumenten davon zu begeistern", so Schwaiger.

Holzbauten im öffentlichen Auftrag als Multiplikatoren

"Als zuständiger Landesrat für Infrastruktur ist es mir eine ganz besondere Freude, für dieses zukunftsweisende Projekt mitzeichnen zu dürfen. Das Schülerheim Winklhof ist eines von acht Internatsprojekten, das in den letzten fünf Jahren von der Fachabteilung Hochbau des Landes betreut wurde. Mit langjähriger Projekterfahrung und Fachkompetenz ausgestattet hat das Projektteam die engagierte Herausforderung gemeistert, die Nebenkosten dieses Bauvorhabens um ca. 15 Prozent gegenüber herkömmlichen Bauträgern zu unterbieten. Das Land Salzburg hat mit diesem Bauvorhaben wieder einmal mehr seine Vorbildrolle in der Umsetzung neuer Baukonzepte demonstriert. Klimaschonendes Bauen ist bei diesem Bauwerk nicht nur ein Schlagwort, - sowohl durch die Anwendung von Holz als auch durch die Verwendung von CO2 neutralen Baustoffen wurde ein Konzept von höchster Innovation umgesetzt. Ich gratuliere allen am Bau Beteiligten und bin mir sicher, dass sich sowohl Lehrer als auch Schüler in dieser wunderbaren, naturverbundenen Umgebung wohlfühlen werden", zeigte sich Landesrat Hans Mayr anlässlich der Besichtigung überzeugt.

 Architektur und Bauherren ziehen an einem Strang

"Der Baukörper wurde zwischen den bestehenden Gebäuden so situiert, dass zum historischen Bestandsgebäude ein räumlich proportionierter großer Abstand entsteht. Der konstruktiv nur aus verleimtem Massivholz bestehende Bau steht auf einem Kellergeschoß. Die Holzwände und Decken bleiben alle in den Räumen sichtbar, die Oberflächen nach Wunsch geölt. In den Zimmern und Gängen sowie in den Klassenzimmern wird ein Massivholzboden verlegt. Die Fenster und Türen sind in Lärchen- oder Eichenholz natur ausgeführt und mit einer Dreifach-Verglasung mit den entsprechenden Qualifikationen versehen. Die Fassade in Tannenholz wird natürlich vergrauen", eröffnet Architekt Horst Lechner vom Architekturbüro Lechner & Lechner – Schallhammer seine Erläuterungen.

Die Orangerie, als wichtige Orientierung und Öffnung zum Hof, mit den Freizeitfunktionen für das Schülerheim und als am Hof anhängender halböffentlicher Raum für Schulfeste oder erweiterter Lebensraum im Schuljahr verbindet gleichzeitig das westseitige Schulgebäude mit dem Schülerheim und schafft einen neuen gemeinsamen Eingang.

Novum in Sachen Holzbau

Anpassungen an die österreichweit ausgerichteten OIB-Richtlinien bringen auch in Salzburg Erleichterungen für den Holzbau. Somit wird beim Neubau in Winklhof auch das ansonst in Stahlbeton ausgeführte Stiegenhaus in Holzbauweise errichtet. Was sich bereits in anderen Ländern Europas, vorwiegend in Skandinavien, durchsetzt, ist erstmals auch bei öffentlichen Gebäuden des Landes umgesetzt.

"Gerade bei diesem Bauwerk in Oberalm wird bewiesen, dass moderner Holzbau alles kann was heute sicherheitstechnisch erforderlich ist. Natürlich bedeutet dies für die Baubehörden und ihre Mitarbeiter/innen momentan einen Mehraufwand. Sie müssen sich weiterbilden, sich mit Brandschutzkonzepten auseinandersetzen usw. Schlussendlich können sich auch die Baubehörden jedoch in der heutigen Situation, die von Effizienz, Innovation und Wirtschaftlichkeit geprägt wird, nicht aus dieser Entwicklung herausnehmen, da wir sonst die von der Politik formulierten Ziele der Nachhaltigkeit und des leistbaren Wohnbaues bei gleichzeitiger Wirtschaftlichkeit nicht erfüllen können", so Dipl.-Ing. Alexander Eggerth, Bausachverständiger des Landes Salzburg.

Dass der visionäre Holzbau auch fachgerecht errichtet wird, dafür sorgen die Salzburger Holzbaumeister. Für die Umsetzung des dreigeschoßigen Baukörpers zeichnet das Holzbauunternehmen Holzform aus Abersee verantwortlich. Holzbaumeister Matthias Laimer zeigt sich über den raschen Baufortschritt sehr erfreut. "Durch den heurigen, milden Winter konnten wir bereits Anfang Februar mit dem versetzen der Wand- und Deckenelemente beginnen. Innerhalb weniger Tage haben wir die Konstruktion wetterfest montiert und dabei auf Brettsperrholzelemente aus dem Bundesland Salzburg gesetzt. Die Wertschöpfung des Holzbaus bleibt somit zu hundert Prozent im eigenen Land", berichtet Matthias Laimer, Geschäftsführer der Holzform Holzbau GmbH.

Hohes Interesse zeigt auch proHolz Salzburg an beispielhaften und innovativen Holzbauprojekten bei öffentlichen Auftraggebern. "Vorzeigebauten wie das Schülerheim an der Landwirtschaftlichen Fachschule Winklhof sind Multiplikatoren für den Holzbau", berichtet Rudolf Rosenstatter, Obmann proHolz Salzburg. Dieser möchte in den kommenden Jahren den Holzbauanteil im öffentlichen Bereich steigern. "Wir sind mit dem heutigen Knowhow und der Holzbautechnik auf dem Vormarsch. Stark im Trend liegen die großflächigen Massivholzplatten, die die konstruktive Hülle eines Gebäudes bilden und die in Verbindung mit außenliegenden Dämmelementen schlanke Wände mit hervorragenden Energiekennzahlen liefern. Innen in Sichtqualität ergibt sich ohne zusätzlichen Aufwand ein gesundes Raumklima", erklärte Rosenstatter abschließend. s53-110