Eierfärben, Eierpecken, Osterfeuer und Gonesrennen

Verschiedene traditionelle Bräuche und Spiele in Salzburg zu Ostern

Salzburger Landeskorrespondenz, 17.04.2014
 

(LK)  Das Ei als Symbol der Auferstehung ist schon seit Jahrhunderten fixer Bestandteil des christlichen Osterfestes. In Salzburg haben sich zahlreiche Bräuche und Spiele rund um das Ei entwickelt, zu den bekanntesten zählen das Eierfärben und das Eierpecken, aber daneben gibt es noch zahlreiche andere traditionelle Spiele und Bräuche.

Bunt gefärbte Ostereier

Das Eierfärben geschah vor allem am Gründonnerstag, aber auch noch am Karsamstag. Heute werden häufig schon gefärbte Eier gekauft. Beim Eierfärben gibt es eine breite Palette von Möglichkeiten, die zwischen "traditionell" und "modisch" schwankt – vom Färben mit Zwiebelschalen und anderen natürlichen Färbemitteln (z.B. Kochsud von Roten Rüben, Kaffee, Baumrinden, Heidelbeerkompott) über die Verwendung von Gräsern, Kräutern und Blumen als Auflagen in Reservetechnik bis hin zu diversen Bemalungen und der Verwendung von chemischem Farbpulver, Abziehbildern und Färbepapieren.

Antlass-Eier als Segensbringer und Abwehrzeichen

Den Antlass-Eiern, den am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag gelegten Eiern, kommt eine besondere Bedeutung zu. Ihren Namen beziehen sie vom Gründonnerstag, der als "Antlasstag" – in Salzburg vielfach "Weichenpfinztag" (von Weihe) – bis ins späte Mittelalter der Tag der Entlassung aus der Kirchenbuße war. Nach der Abendmahlfeier durften die Glaubensanwärter erstmalig die Kirche betreten und sich auf die Taufe am Karsamstag vorbereiten.

Die Antlass-Eier werden vielfach speziell für die Speisenweihe und den Verzehr am Ostersonntag verwendet. Auch den Patenkindern werden noch Antlass-Eier geschenkt. Diese Eier sollen Mensch und Vieh vor Krankheit schützen, bei Schwerarbeitern den Leistenbruch verhindern, Haus und Hof vor Blitzschlag, Hagel, Muren, Lawinen, Hochwasser, Brand und jeglichem Unglück schützen. Die Schalen der geweihten Antlass-Eier werden verbrannt oder wie die Eier selber verwendet sowie den Hühnern gegeben, damit sie weiter gut legen bzw. sie vor dem Hühnerhabicht (Lungau) geschützt sind.

Die Antlass-Eier oder nur deren Schalen dienen nach der Weihe auch als Segensbringer und Abwehrzeichen gegen Krankheit, Unglück, Unwetter oder Naturkatastrophen.

Eierpecken

Aus der Landeshauptstadt ist überliefert, dass sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf dem Kollegienplatz in den Wochen vor Ostern, besonders an den Sonn- und Feiertagen vormittags, hunderte junge Burschen mit Eierpecken und Kreuzerwerfen vergnügten. Dabei wurde aber oft auch geschwindelt: Manche verwendeten ausgeblasene mit Pech gefüllte Eier oder Perlhuhneier, die eine bedeutend stärkere Schale haben. Auch sehr alte, hartgewordene Eier wurden benutzt. Das "Eierpecken", wohl auch das Schwindeln, hat sich bis heute gehalten. Allerdings häufig ohne Konsequenzen, denn auch der Verlierer darf sein beschädigtes Ei behalten.

Osterfeuer

Vor allem im Alpenraum gelten Osterfeuer seit langer Zeit als fixer Bestandteil der Osternacht. In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag werden auf Hängen und Anhöhen Osterfeuer entzündet. Entgegen anderen Gebieten ist das Lungauer Osterfeuer nicht nur ein Holzhaufen aus Schadholz und Reisig, sondern wird mehrere Meter hoch gezimmert.

Gonesrennen im Lungau

Häufig finden am Ostersonntag, Ostermontag und am Weißen Sonntag (Sonntag nach Ostern) Verwandtenbesuche, aber auch Feste, Spiele und Bälle statt. Im Lungau gehört bis heute das "Gonesrennen" (Gones = Gänserich, Ganter) zum fixen Bestandteil. Eine Schülerin beschrieb es im Schuljahr 1958/1959 folgendermaßen: "Am Ostersonntag um zirka ein Uhr treffen sich die Burschen und Dirndln vom Dorf; dann stellen sich Bursch und Mädchen paarweis auf. Ein Bursch (der Gones) stellt sich allein vor die Paare (oft zwölf bis 15 Paare) und schreit: Gonis, Gonis, Kikrigi, s letzte Paarl her für mie. Dann läuft der Bursch auf der linken und das Mädchen auf der rechten Seite vor und wenn die zwei wieder zusammenkommen, können sie sich wieder als erste hinstellen, wenn aber der Gänserich das Mädel erwischt, so muss der andere Gänserich bleiben. Sind mehr Mädchen, so kann auch ein Mädchen der Gänserich werden. So wird gerannt bis zirca halb vier Uhr, dann singen sie miteinander ein Lied und verabschieden sich. Am Ostermontag ... wird das Spiel mit den 'Weichgehern' gespielt und mit dem 'Eiertutschen' beendet. Es beteiligen sich auch Kinder, Jugendliche, auch jüngere Frauen und Männer, ..., der Pfarrer." Daneben war auch Drittabschlagen sehr beliebt.

Schon im Mittelalter war das "risus paschalis" – das Ostergelächter der erlösten Christenheit als Spott für den Teufel und die Ungläubigen, wie auch als Freude über die Auferstehung Christi und die eigene Erlösung – Bestandteil der Predigtmährlein. Es wurde verboten und lebt doch in den Osterfreuden der Bevölkerung weiter.

Einen Überblick über Bräuche im Bundesland Salzburg liefert die CD-ROM "Vom Frühling bis zum Herbst" aus der vom Referat für Volkskultur und dem Salzburger Landesinstitut für Volkskunde herausgegebenen CD-ROM-Serie "Bräuche im Salzburger Land". s82-12