Mädchen in die Technik? Jetzt!

Berthold: Technisches Talent ist weder männlich noch weiblich / Salzburg AG bietet für den Sommer Praktikumsplätze speziell für Mädchen

Salzburger Landeskorrespondenz, 11.02.2015
 

(LK)  Technisches Talent ist weder männlich noch weiblich: Die Salzburg AG bietet auf Initiative von Landesrätin Mag. Martina Berthold für den Sommer 2015 Praktikumsplätze speziell für Mädchen an.

Mädchen und Technik? Diese Kombination löst bei einigen immer noch Skepsis aus. Mehr als 200 Lehrberufe stehen Mädchen offen, dennoch entscheidet sich die überwiegende Mehrheit noch immer für die gleichen – meist schlechter entlohnten – traditionellen "Frauenberufe" wie Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau oder Friseurin. Das seien wichtige Berufe, "die Karriere- und Verdienstchancen sind allerdings vor allem in technischen Berufen oft besser. Deshalb ist die Initiative der Salzburg AG, Praktikumsplätze in solchen Bereichen nur für Mädchen zu reservieren, zu unterstützen", so Landesrätin Mag. Martina Berthold heute, Mittwoch, 11. Februar. Die wenigsten Mädchen hinterfragen, wie sehr die traditionelle weibliche Lebensplanung ihre Berufswahl beeinflusst, das liegt vor allem am Rollenverständnis der Mädchen und ihrem engeren Umfeld, wie Familie, Freunde, Schule. Überwiegend prägen Vorurteile über typische "Männer- und Frauenberufe" so stark, dass bestimmte Berufsbilder von vorhinein ausgeschlossen werden.

Vorurteile entkräften

In vielen Köpfen hält sich immer noch die Vorstellung, dass Technik reine Männersache sei. Die Salzburg AG ist ein sehr technisch ausgerichtetes Unternehmen, deshalb sind die Beschäftigten überwiegend männlich. Jedoch entscheiden sich mittlerweile immer mehr Mädchen zu einer Ausbildung in den technischen Lehrberufen. Salzburg-AG-Vorstand Dr. Leonhard Schitter: "Wir wollen allen die gleichen Chancen bieten und suchen die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Zukunft. Es ist wichtig, dass es Vorbilder gibt, die das Interesse der Mädchen aktiv unterstützen und ihnen auch zeigen, dass sie willkommen sind. Denn wenn wir gute Fachkräfte wollen, können wir nicht auf die Hälfte der Bevölkerung verzichten. Auch als Lehrlingsausbildner haben wir mit Mädchen in technischen Berufen sehr gute Erfahrungen gemacht. Begabung ist weder männlich noch weiblich."

Für die neue Initiative "Mädchen und Technik" werden vier Praktikumsplätze für die Sommermonate für interessierte Mädchen reserviert. Bis Ende März können sich Schülerinnen der HTL (Fachrichtung Elektrotechnik oder Maschinenbau), 2. Klasse oder höher, bei der Salzburg AG bewerben.

Typische "Männerberufe", die überdurchschnittliche Kraft und körperliche Belastbarkeit abverlangen, sind durch den Einsatz technischer Hilfsmittel in den Betrieben eine Seltenheit geworden. Es geht daher nicht darum, was Mädchen und jungen Frauen empfohlen wird oder welche Berufswahl für Mädchen für richtig gehalten wird. Es geht darum, dass sich Mädchen genau informieren und ihre Chancen auf Karriere- und Verdienstmöglichkeiten abklären. "Wir suchen Mädchen, die Technik und Handwerk ausprobieren wollen, die ihre Talente entdecken und Berufs- und Zukunftspläne schmieden wollen. Nebenbei erleben sie die Arbeitswelt in einem Konzern, haben sicher jede Menge Spaß und tanken Selbstbewusstsein", beschreibt Landesrätin Berthold die Zielgruppe der Aktion.

Beruf und Familie leben

Der Infrastrukturdienstleister Salzburg AG bemüht sich darüber hinaus intensiv, seinen Mitarbeiterinnen gute Rahmenbedingungen zu bieten, um Karriere und Familie in Einklang zu bringen. Dazu gibt es ein Bündel von Maßnahmen, das von flexiblen Arbeitszeitmodellen (Führungspositionen im Teilzeitausmaß, Telearbeit, Job Sharing) bis hin zu Weiterbildungsangeboten und regelmäßigen Kontakten mit Mitarbeiterinnen in Karenz reicht. Die Vielzahl der Ansätze zu mehr Familienfreundlichkeit wurde 2012 einem externen Audit unterzogen und mit dem Zertifikat "berufundfamilie" des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend belohnt. Der Energieversorger ist damit eines von wenigen Unternehmen in Salzburg, die dieses Gütesiegel für eine familienbewusste Personalpolitik führen dürfen. Alle drei Jahre muss man sich einer neuerlichen Überprüfung unterziehen, um den laufenden Verbesserungsprozess in Sachen Familienfreundlichkeit begutachten zu lassen.

Angebote für Mädchen

"Wir setzen daher konsequent auf mehr Information und Beratung, um Mädchen die Vielfalt an Berufen vorzustellen und mit ihnen zu erarbeiten, was sie interessieren und begeistern könnte", unterstreicht Landesrätin Berthold. Der Girls’ Day, die Sommertechnikwoche, Berufsorientierungs- und -informationsveranstaltungen sowie spezielle Kompetenzworkshops für Mädchen sind nur einige der Angebote, die vom Land Salzburg über akzente Salzburg an Mädchen herangetragen werden.

Daten und Fakten

Derzeit absolvieren 73 weibliche Lehrlinge eine Lehre in technischen Berufen. Dem gegenüber stehen 3.512 Bürokauffrauen, Friseurinnen, Einzelhandelskauffrauen und Kauffrauen im Lebensmittelhandel im gesamten Bundesland.

In der Salzburg AG sind derzeit 13 Prozent der technischen Lehrlinge weiblich, so gibt es zum Beispiel Mädchen, die eine Lehre zur Elektrotechnikerin, Metalltechnikerin, Kfz-Technikerin, IT-Technikerin oder Bautechnischen Zeichnerin absolvieren. Auch im Verkehrsbereich ist der Frauenanteil – vor allem im Fahr- und Betriebsdienst – stark wachsend: 21 Fahrerinnen sind es bei Obus und Lokalbahn und bei der Pinzgau Bahn sogar 28 Frauen von 54 Beschäftigten. t31-110