Sieben verdiente Schützen erhielten Landesauszeichnung

Haslauer und Schellhorn bei 56. Anton-Wallner-Gedenkfeier

Salzburger Landeskorrespondenz, 22.02.2015
 

(LK) "Wie alle Jahre im Februar haben sich heute Abordnungen der Salzburger Schützen aus allen Landesteilen versammelt, um gemeinsam in feierlicher Form ein kraftvolles Zeichen gelebten Brauchtums und aufrechter Kameradschaft zu setzen und um einer heldenhaften und zugleich tragischen Gestalt aus der Zeit der Freiheitskriege Anfang des 19. Jahrhunderts zu gedenken: dem Schützen-Kommandanten Anton Wallner. Wie alle Jahre markiert die Anton-Wallner-Gedenkfeier deshalb rund um dessen Sterbetag am 15. Februar 1810 als eine der bedeutendsten und traditionsreichsten Brauchtumsveranstaltungen im Bundesland Salzburg den Auftakt des Salzburger Schützenjahres." Dies betonte heute, Sonntag, 22. Februar, Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer bei der 56. Anton-Wallner-Gedenkfeier in Eben in Pongau, bei der er auch sieben verdiente Kommandanten und Funktionäre von Schützenkompanien mit dem Verdienstzeichen des Landes auszeichnete.

"Die Salzburger Schützen sind als wesentlicher Bestandteil des heimischen Vereinswesens und der Freiwilligentätigkeit im Land Salzburg in vielfacher Weise in die Gesellschaft eingebunden. Sie sind nicht nur verlässliche Träger des authentischen Brauchtums, sie sind auch mit ihren vielfältigen sozialen und karitativen Aktivitäten maßgeblich am Zusammenhalt der dörflichen und städtischen Gemeinschaften beteiligt", so Landeshauptmann Haslauer weiter.

Er betonte auch, dass jedes authentische Brauchtum bewusst an der Nahtstelle zwischen Vergangenem und Zukünftigem stehe. "Diese doppelte Blickrichtung ist wesentlich. Würden wir diese gute Balance aus Traditionsbewusstsein und Zukunftsorientierung jemals verlieren, würden wir nur noch in eine Richtung schauen - vielleicht gar in eine verklärte Vergangenheit." Haslauer erinnerte in diesem Zusammenhang an den berühmten Satz des Dänischen Philosophen Søren Kierkegaard: "Das Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, es kann aber nur vorwärts gelebt werden."

Des weiteren erinnerte Haslauer an eine Reihe von wichtigen, historischen Anlässen und dass man heuer heuer ein besonderes Gedenkjahr begehe. Er nannte dazu den Mai 1945 als Stunde der Befreiung Salzburgs und der Welt von der Zwangsherrschaft und dem Terror des Nationalsozialismus, 1955 als Jahr der Wiedererstehung der freien, unabhängigen Zweiten Republik und das Jahr 1995 als das Beitrittsjahr Österreichs zur Europäischen Union. Jeder der genannten historischen Bezugspunkte beinhalte für sich eine wesentliche, nachhaltige und absolut positive Weichenstellung für Salzburg und für Österreich: Es seien dies jeweils Zeit- und Wendepunkte für Salzburg und Österreich gewesen, Zeiten von großen Chancen, die erkannt und auf breitester Basis mutig, zuversichtlich und kraftvoll wahrgenommen wurden.

Schellhorn: Werte verteidigen und friedliche Lösungen suchen

Der für die Volkskultur ressortzuständige Landesrat Dr. Heinrich Schellhorn betonte bei der Gedenkfeier: "Wenn wir an das Jahr 1809, an die Zeit des Anton Wallner aus Krimml und seiner Schützen zurückdenken, sehen wir keine gute alte Zeit. Wir sehen blutige Kämpfe und Sterben. Wir sehen Grausamkeiten gegen die Zivilbevölkerung durch die eingefallenen Armeen, so entsetzliche Grausamkeiten übrigens, dass sogar der kommandierende bayerische General selber die Plünderungen und Mordbrennereien seiner Soldaten geißelte. Wir sehen Niederlage, Verrat, Kopfgeld und Flucht. Wir sehen die Plünderung des Hauses von Wallner in Matrei. Wir sehen einen Mann, der mit 52 Jahren am Ende seiner Kräfte in einem Wiener Krankenhaus stirbt. Und wir sehen eine Heldin der anderen Art, nämlich die Frau von Anton Wallner, die 16 Kinder zur Welt brachte - oder bringen musste.

Unkritische, pompöse Glorifizierungen sind nicht am Platz, Achtung und Respekt aber jedenfalls. Die Schützenkompanien der Alpenländer waren nur für Verteidigungszwecke gedacht. Für Angriffskriege waren sie nicht zu gebrauchen. Sie haben sich als Verteidiger ihrer unmittelbaren Heimat verstanden. Deshalb waren sie zu so großen militärischen Leistungen gegen Gegner, die an Zahl, Organisation und Bewaffnung weit überlegen waren, im Stande."

Die Tapferkeit und der Mut von heute

Schellhorn weiter: "Vergleichsweise leben wir heute im Mitteleuropa trotz berechtigter Sorgen über den Zustand der Welt rund um uns, in einem Paradies. Es ist nie alles in Ordnung, und es gibt immer viel zu tun. Aber wir leben weitgehend sicher in einem Rechtsstaat. Wir haben einen hohen gesellschaftlichen Konsens über die grundlegenden Werte unseres Zusammenlebens. Das sind Demokratie, Rechtsstaat, Toleranz, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und die Freiheit, keiner Religion anzugehören, persönliche Freiheiten und die Freiheit, nach eigenen Vorstellungen zu leben, so lange dies andere in ihren Rechten nicht einschränkt. Das ist es, was wir heute zu verteidigen haben. Demokratische Festigkeit gepaart mit Großzügigkeit ist die Tapferkeit von heute. Neues wagen, Engagement und offene Worte sind der Mut von heute. Ohne mutige und engagierte Bürgerinnen und Bürger ist die Demokratie verloren."

Schellhorn sprach auch den Mut von Politikern an. "Wir leben in Europa auch deshalb so gut, weil nach dem Zweiten Weltkrieg eine Generation von Politikern den Mut zu offenen Armen und zur Versöhnung mit ehemaligen Todfeinden hatte. Sie haben nicht auf momentane Stimmungsbilder oder Meinungsumfragen geschielt, sondern sind mutig gestaltend vorangegangen. Es lohnt sich also, Werte zu verteidigen und friedliche Lösungen zu suchen. Daran wollen wir uns heute erinnern."

Verdienstzeichen des Landes Salzburg

Das Verdienstzeichen des Landes erhielten Anton Hager aus Puch (seit 2003 Hauptmann der Jakobischützen St. Jakob am Thurn, seit 2011 im Bezirksverband der Tennengauer Schützen), Ing. Ernst Mosshammer aus Grödig (seit 2010 Obmann der Bürgergarde der Stadt Salzburg, seit 2005 Mitglied des Bezirksverbandes der Stadt Salzburg), Johann Pötzelsberger aus Obertrum (seit 1999 Hauptmann bzw. Obmann des Prangerstutzenschützenvereins Obertrum), Hubert Rathgeb aus Schwarzach (seit 1997 Hauptmann der Historischen Salzleckerschützen Schwarzach), Georg Reiter aus Wals (seit 1999 Hauptmann bzw. Obmann der Historischen Landwehrschützen Wals), Friedrich Schöpp aus Faistenau (seit 2001 Hauptmann der Prangerstutzenschützen-Gesellschaft Faistenau) und Gerhard Weichenberger aus Schleedorf (seit 2000 Schützenhauptmann der Tiafstoana Schützen Schleedorf).

Der langjährige Schützendekan Dr. Hans Paarhammer wurde mit der nach ihm benannten Hans-Paarhammer-Medaille ausgezeichnet. t39-110a