Salzburgs italienischster Fürst

Auf Spurensuche in Paris Lodrons welschtiroler Heimat / Neuer Grenzfall auf www.salzburg.at erschienen

Salzburger Landeskorrespondenz, 09.03.2015
 

(LK)  Warum ein Salzburger Erzbischof mehrfach Burgherr in Trient war, warum beim Salzburger Verwaltungsnachwuchs Buben aus dem Lagertal positiv diskriminiert wurden und warum der Salzburger Dom in italienischem Flair erstrahlt und was das mit dem litauischen Vilnius zu tun hat, verrät dieser Grenzfall, der heute, Montag, 9. März, auf www.salzburg.at, der Plattform für die Europaregion, erschienen ist.

Dem südwärts strebenden Italienreisenden wird es kaum auffallen: Ist die Aufmerksamkeit nach dem Verlassen Südtirols ganz auf den Gardasee, Verona und das oberitalienische Flair gerichtet, bleiben Rovereto links und das kleine Örtchen Villa Lagarina rechts liegen. Dabei verpasst man die Heimat eines der bedeutendsten Salzburger Landesherren, der das Fürsterzbistum einst aus den Wirren des Dreißigjährigen Krieges herauszuhalten verstand: Paris Graf Lodron.

Seine Familie zählte zu den mächtigsten und ältesten im Trentino, das bis 1918 als Welschtirol zur österreich-ungarischen Monarchie gehörte. Unweit von Rofreit, so hieß Rovereto in altösterreichischen Zeiten, hatte sie im Lagertal, dem heutigen Vallagarina, ihre Machtbasis. Die Burgschlösser Castellano und Castelnuovo di Noarna hoch über dem Tal und der repräsentative urbane Palazzo Lodron im Nogaredo waren jahrhundertelang in Lodronschen Händen und sind es zum Teil bis heute. Zielstrebig arbeitete die Familie des 1586 auf Schloss Castelnuovo di Noarna geborenen Paris auf eine Karriere in Salzburg hin. Sein naher Verwandter Anton Graf Lodron verzichtete 1606 zugunsten seines Neffen auf sein Kanonikat in Salzburg. Paris wurde sowohl im bayerischen Ingolstadt als auch in Rom ausgebildet. 1619 wurde er zum Fürsterzbischof von Salzburg gewählt. Er ging nicht nur als Gründer der Universität 1622, sondern auch als Vollender des Salzburger Doms sechs Jahre später in die Geschichte ein. Dafür setzte er vor allem auf zwei Künstler aus italienischen Gefilden, die bereits sein Vorgänger Markus Sittikus nach Salzburg geholt hatte: den Baumeister Santino Solari und den Maler und Stuckateur Arsenio Mascagni. Das Duo hinterließ seine künstlerischen Spuren auch im Lagertal. Solari baute Schloss Nogaredo im Auftrag Paris Lodrons um und erweiterte es. Ein besonderes Prunkstück Nogaredos ist die reichlich mit Stuckarbeiten von Arsenio Mascagni ausgestattete, dem Salzburger Kirchenpatron Rupert geweihte Kapelle. Ähnlichkeiten mit den Stuckarbeiten Mascagnis im Salzburger Dom werden hier besonders deutlich.

Innen-Deko des Doms führt nach Litauen

Apropos Mascagni und Dom: Wer sich beim Besuch der Peter und Pauls-Kirche im litauischen Vilnius frappierend an die Salzburger Kathedrale erinnert fühlt, liegt richtig. Die Innenausstattung mit reichem Stuck durch die künstlerischen Nachfolger Pietro Perti und Giovanni Maria Galli nahm Anleihen aus Salzburg.

Salzburger Studierplätze für Verwaltungsnachwuchs aus dem Süden

Paris Lodrons Spuren in Salzburg sind mannigfaltig. Auf seine  Heimat im Trentino weist noch das von ihm gegründete ehemalige Collegium Marianum in der Salzburger Bergstraße hin, in welchem immer drei Studienplätze für Knaben aus dem Lagertal bereitgestellt wurden. Der Fürsterzbischof richtete es 1645 zur Sicherung einer künftigen fähigen Beamtenschaft ein. Nach Abschluss der Ausbildung hatten die Zöglinge zwei Jahre gegen ein geringes Entgelt im Lodronschen Besitz zu arbeiten. Auf Paris Lodron geht auch die Gründung des Schneeherren-Kollegialstiftes beim Dom zurück, dem im Lauf der Zeit auch viele Landsleute aus dem Trentino angehörten. Kein Wunder auch, dass auch die Zahl der Studierenden aus Welschtirol an der Salzburger Universität äußerst hoch war.

"Paris Lodron hat also nie die Verbindung mit seiner Welschtiroler Heimat verloren und ist somit ein 'Wanderer in beiden Welten' geworden, ganz abgesehen von der Tatsache, dass erst durch ihn die Familie Lodron in den Erblanden auf dem Gebiet des heutigen Österreichs besitzmäßig Fuß fasste", bringt es der Hobbygenealoge Konrad Falko Wutscher auf den Punkt. Paris Graf Lodron wurde übrigens als einziger Salzburger Fürst von Ludwig I. von Bayern in die aus Untersberger Marmor erbaute Walhalla bei Regensburg aufgenommen.

Das Land Salzburg hat in einer Partnerschaft die Beziehungen zur nun italienischen Region Trient in den 1980er und 1990er Jahren neu aufleben lassen. Die Aktivitäten richteten ihren Schwerpunkt auf den Bildungs- und Kulturaustausch.

Lodron-Vortrag am 11. März

Wer neugierig auf die welschtiroler Heimat des Salzburger Landesfürsten geworden ist und und dazu noch mehr erfahren will, hat dazu bei einem Vortrag über die Lodronischen Schlösser am Mittwoch, 11. März, um 19.00 Uhr im Romanischen Saal der Erzabtei St. Peter die Möglichkeit. t52-60