Luftbildarchiv macht Veränderungen sichtbar

Historische Orthofotos in der SAGIS-Luftbilddatenbank als zeitgeschichtlich wertvolle Quelle

Salzburger Landeskorrespondenz, 12.05.2015
 

(LK)  Salzburg aus der Luft zu betrachten ist online nicht nur auf aktuellen Karten, sondern auch in der Vergangenheit möglich. Die Luftbildsammlung des SAGIS (Salzburger Geographisches Informationssystem) beinhaltet Bestände der vergangenen 70 Jahre aus verschiedenen Flügen und mit unterschiedlichen Auflösungen und Flughöhen.

Luftbilder unterschiedlicher Zeitpunkte machen bauliche oder natürliche Veränderungen der Landschaft sichtbar. Aus diesem Grund werden diese Bilder intern und extern stark nachgefragt.

"Das Referat Landesplanung und SAGIS führt seit vielen Jahren das Luftbildarchiv des Bundeslandes Salzburg. Die Luftbild- und Orthofotosammlung umfasst derzeit mehr als 12.500 analoge Einzelbilder, die ersten Aufnahmen stammen aus dem Jahr 1945. Ein Großteil des Bestands wurde in den vergangenen Jahren digital erfasst", erläuterte SAGIS-Koordinatorin Mag. Michaela Rinnerberger heute, Dienstag, 12. Mai. Die Luftbilder können online unter www.salzburg.gv.at/landkarten unter den Stichworten "Historische Orthofotos" bzw. "Luftbilddatenbank" abgerufen werden.

"Die Orthofotos aus dem Frühjahr 1945 stellen eine zeitgeschichtlich überaus wertvolle Quelle dar, weil sie für die gesamte Landeshauptstadt Salzburg einen flächendeckenden Überblick über die Folgen alliierter Luftangriffe ermöglichen. Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang die Bombenkrater von Abwürfen außerhalb der bebauten Gebiete, weil diese Fehlwürfe einen Eindruck von der Heftigkeit der Bombardements geben. Diese Treffer auf freiem Feld sind in der Regel, weil sie keine oder nur geringe Schäden verursachten, nur sehr unvollständig in zeitgenössischen Aufzeichnungen dokumentiert", unterstreicht Dr. Oskar Dohle, Leiter des Salzburger Landesarchivs, den Quellenwert zur Geschichte Salzburgs rund um das Kriegsende 1945.  

Darüber hinaus haben die Orthofotos auch einen zivilen historischen Quellenwert, weil sie einen Vergleich der Stadtentwicklung seit damals zulassen. Dohle verweist etwa auf die noch nicht bestehende Verbauung in der Randzone der Landeshauptstadt oder um damals noch andere Nutzungen von städtischen Gebieten wie dem Stadtwerkeareal in Lehen. Auch rund um den Flughafen hat sich die Flächennutzung bedingt durch die Verlegung der Start- und Landebahn seither grundlegend geändert. "Damit kann die Stadtentwicklung in der Phase der Überwindung der unmittelbaren Kriegsfolgen und des beginnenden Wirtschaftsaufschwunges eindrucksvoll dokumentiert werden. Ein Vergleich zu aktuellen Aufnahmen ermöglicht Aussagen zur Dynamik der Stadtentwicklung und zur Verlagerung von Siedlungsschwerpunkten in den Jahrzehnten", so Dr. Dohle.

Luftbildarchiv und Luftbilddatenbank

Um festzustellen, ob Luftbilder eines bestimmten Gebietes im Luftbildarchiv vorhanden sind, kann eine Luftbildbestandsabfrage im SAGISonline unter der Themenkategorie Luftbilddatenbank durchgeführt werden, oder man visualisiert sich die Bilder in der Themengruppe "Historische Orthofotos".

Die Luftbildsammlung umfasst Luftbilder im mittleren Maßstab einer Gesamtbefliegung aus den Jahren 1976 bis 1990 und Flügen seit 2002 in Abständen von wenigen Jahren sowie Luftbilder im mittleren Maßstab aus Beständen des Bundesamts für Eich- und Vermessungswesen für die Revision der österreichischen Karte 1:50.000 ab den 1970er Jahren bis zirka zum Jahr 2000. Luftbilder mit unterschiedlichen Maßstäben stammen von Flügen für verschiedene Projekte der Landesverwaltung oder externer Institutionen (Biotopkartierung, Straßenbau, Nationalpark Hohe Tauern, Bodenschätzung, Katasterüberarbeitung, US-Befliegung 1953). Interessierte können Ausschnitte der Einzelbilder der unterschiedlichen Flüge in analoger Form (Ausdruck) oder als PDF erwerben.

Historische Karten aus dem 19. Jahrhundert

Der Kartenschatz von SAGISonline reicht noch wesentlich weiter in die Vergangenheit zurück. Der Franziszeische Kataster ist die erste umfassende, geometrisch genaue Vermessung des Bundeslandes Salzburg und ist zwischen 1828 und 1830 entstanden. Er zeigt den Zustand des Landes noch vor den Veränderungen der Natur- und Kulturlandschaft durch die Industrialisierung und die Verkehrserschließung ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er ist damit nicht nur für die Geschichtsforschung eine wertvolle Quelle, sondern auch für den Natur- und Umweltschutz, da sich mit seiner Hilfe die Veränderungen, die sich in den vergangenen rund eineinhalb Jahrhunderten ergeben haben, anschaulich dokumentieren lassen.

Beispiele dafür sind heute kanalisierte Fließgewässer oder trockengelegte Feuchtbiotope (Moore, Sümpfe, Feuchtwiesen etc.), da im Kataster ihr um 1830 noch weitgehend naturnaher Zustand maßstabgetreu eingezeichnet ist. Ähnliches gilt im alpinen Bereich für Almen, deren Ausdehnung sich in den vergangenen Jahrzehnten durch Aufforstungen oder touristische Erschließung entscheidend verändert hat. t103-61