Salzburger Volkskulturpreis verliehen

Schellhorn übergibt Hauptpreis an Bramberger Obstprojekt, Förderpreise an Salzburger Volksliedwerk und Mariloise Jordan

Salzburger Landeskorrespondenz, 11.06.2015
 

(LK)  "Diese drei Preise zeigen die Bandbreite und Fülle der Salzburger Volkskultur", so Kulturreferent Landesrat Dr. Heinrich Schellhorn anlässlich der feierlichen Verleihung des Salzburger Volkskulturpreises heute Donnerstag, 11. Juni, im Saal der Salzburger Nachrichten.

Schellhorn übergab die Preise gemeinsam mit SN-Gesellschafterin Trude Kaindl-Hönig und Bernhard Strobl als Vertreter der Kurt und Felicitas Vössing Stiftung. Der Salzburger Volkskulturpreis ist ein Preis des Landes Salzburg mit Unterstützung der Salzburger Nachrichten und der Kurt und Felicitas Vössing Stiftung.

Der Preis wird alle zwei Jahre für maßgebliche und innovative Impulse des volkskulturellen Lebens im Land Salzburg vergeben. Die drei Preisträger wurden von einer unabhängigen Jury aus 23 Einreichungen ausgewählt. Die Jury bestand aus dem Germanisten Univ.-Prof. Dr. Karl Müller von der Universität Salzburg als Vorsitzenden, der Journalistin und Preisträgerin 2013 Dr. Christine Schweinöster, dem Volkskundler Univ.-Prof. Dr. Manfred Seifert vom Volkskundeinstitut Marburg an der Lahn, der Musikvermittlerin Mag. Monika Sigl-Radauer und dem Salzburger Landeskapellmeister Mag. Christian Hörbiger.

"Heimat im besten Sinn"

Der mit 6.000 Euro dotierte Hauptpreis geht an das "Bramberger Obstprojekt", einer Initiative des Kulturvereins Tauriska und des Obst- und Gartenbauvereins Bramberg. Das Projekt vernetzt über eine Obstpresse Alltagskultur, mit Kultur, Natur, Bildung und Innovation.

Die Jury begründet ihre Entscheidung unter anderen mit der nachhaltigen Wirkung, welche die Initiatoren erzielen konnten: "Die Obstpresse wird zur Initialzündung für eine ganze Flut an Maßnahmen, die sich nun in diesem Landstrich ausbreiten. Sukzessive bauen die Projektbetreiber eine solide Wertschöpfungskette zwischen Landwirtschaft, Tourismus und Handel auf. Eine Menge an regionalen Köstlichkeiten wird kreiert, weshalb sich die Region jetzt auch 'Genussregion Bramberger Obstsaft' nennen darf. In den 'Genuss-Korb' packen sie den Apfelsaft und das Apfelbier, den Apfel-Miniguglhupf und das Apfelbrot, in Apfeltrester gepökelten Rinderspeck, den Apfelbrand, die Apfelschokolade, die Apfelseife und den Apfelminze-Tee. Arbeitsplätze werden gestärkt, der Kleinhandel und das Kleingewerbe profitieren.

Die Jury ist überzeugt, dass der verstorbene Alternativnobelpreisträger und Schirmherr der Kulturinitiative Tauriska seine Freude an dem Projekt gehabt hätte: "Wird hier doch vorbildlich umgesetzt, was der Alternativnobelpreisträger stets gefordert hatte: Nachhaltigkeit, regionale Identifikation, Heimat im besten Sinn."

Ein einzigartiges Fenster in die Vergangenheit

Ein mit 3.000 Euro dotierter Förderpreis ging an das Salzburger Volksliedwerk für die in Zusammenarbeit mit dem Salzburg-Museum herausgegebene wissenschaftliche Publikation einer vom Uttendorfer (Oberpinzgau) Lehrer Franz Lackner (1840 – 1890) aufgezeichneten Volksliedsammlung.

Die Jury spricht in ihrer Begründung von einem "großartigen Verdienst des Salzburger Volksliedwerks und des Salzburg Museums, Lackners Handschrift im Jahr 2014 in einer beeindruckend gediegenen, auch ästhetisch sehr ansprechenden zweibändigen Publikation herausgebracht zu haben. Ebenso sind Josef Radauer und Wolfgang Dreier als zentrale Mitwirkende an diesem maßgeblichen Druckwerk hervorzuheben."

Bei Lackners Werk handle es sich um ein "besonderes volksmusikalisches Denkmal" und ein "einzigartiges musikalisches und sprachliches Fenster in die Vergangenheit". Für die Jury war es ebenso entscheidend, "dass in der transparenten Aufbereitung und musikalischen Einrichtung für den heutigen Gebrauch zugleich eine Möglichkeit geschaffen worden ist, diese Tradition regionalspezifischer Musikalität in das gegenwärtige musikalische Leben hereinzunehmen und inspirierend weiterzuentwickeln".

Eine außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeit

Der zweite Förderpreis, ebenfalls mit 3.000 Euro dotiert, geht an die Künstlerin Mariloise Jordan aus Fusch an der Glocknerstraße. In der Jurybegründung werden ihre künstlerische Vielseitigkeit und ihr kulturelles Engagement hervorgehoben: "Ihr Leben lang hat Mariloise Jordan nach der symbolischen Kraft hinter den Dingen gesucht. Sie hat alte 'Schätze' im Pinzgau ausgehoben und ihre eigene Kunstfertigkeit mit großer Beharrlichkeit vorangetrieben." Jordan arbeitet als Malerin mit vielen Techniken. Sie beschäftigt sich mit sakraler und bäuerlicher Volkskunst. Ihr Schaffen reicht von kunstvoll bemalten Eiern bis zu Glasstürzen, Osterkrippen, Wachsbüchern, Trachten, Vereins-, Prozessions- und Festfahnen. Die vielseitige Künstlerin organisierte Musikantentreffen und "sorgte auch dafür, dass die Fuscher Marterl nicht der Vergessenheit anheimfielen und restaurierte sie in mühsamer Arbeit". Insgesamt würdigt die Jury bei Mariloise Jordan "die vielseitige Arbeit einer außergewöhnlichen Künstlerpersönlichkeit".

Vielfalt und Reichtum der Volkskultur

Kulturreferent Heinrich Schellhorn gratulierte der Preisträgerin und den Preisträgern herzlich: "Sie zeigen, jede und jeder auf seine ganz individuelle Weise, die Vielfalt, den Reichtum und die Innovationskraft der Salzburger Volkskultur." Schellhorn bedankte sich bei den Jurorinnen und Juroren: "Sie haben ihre Aufgabe sehr ernst genommen. Sie haben gründlich beraten, sowie ihre einstimmig getroffene Entscheidung ausführlich, fachkundig und höchst wertschätzend begründet. Vielen Dank dafür."

Ein besonderer Dank des Landesrates ging auch an die Salzburger Nachrichten sowie an die Kurt und Felicitas Vössing Stiftung. Diese Partner des Landes seien ideell und materiell von größter Bedeutung für den Salzburger Volkskulturpreis. "Die Partnerschaft ermöglicht sehr anständige Dotationen für die Preisträger. Das ist ein Ansporn. Die ideelle Unterstützung kommt allein schon bei der Gestaltung des heutigen Abends zum Ausdruck. Vielen Dank allen, die sich rund um diesen Abend und diesen Preis engagiert haben", so Schellhorn abschließend. t130-14