Zukunftsvision für umweltbewusstes Bauen bereits Realität

Mayr: Bauprojekt Zero Carbon Building in Anif als Beweis für eine wirtschaftliche Umsetzung unter den Vorgaben der Wohnbauförderung

Salzburger Landeskorrespondenz, 13.10.2015
 

(LK)  Ein unkonventionelles Bauprojekt, das Zero Carbon Building in Anif, stellten heute, Dienstag, 13. Oktober, Landesrat Hans Mayr, die Heimat Österreich und die Ziviltechnikerkammer bei einem Informationsgespräch in der Ziviltechnikerkammer in Salzburg vor. Ein Gebäude mit einem negativen "global warming potential" zu errichten, also mehr Kohlenstoffdioxid stofflich im Gebäude einzuspeichern als zum Bau (Herstellung der Baustoffe, Betrieb, Rückbau etc.) emittiert wird, und das über die üblichen Fördergelder der Salzburger Wohnbauförderung zu bewerkstelligen, scheint nahezu unmöglich. Die Heimat Österreich und die Architekten Scheicher schafften es, diese Idee durch das Zero-Carbon-Building Realität werden zu lassen. Damit schrieben sie ein vollkommen neues Kapitel in Sachen Klimaschutz und umweltbewusstes Bauen.

Wohnbaureferent Landesrat Hans Mayr ist sich der Bedeutung von nachhaltigen und ökologisch fortschrittlichen Bauformen bewusst. Die gemeinnützigen Bauträger befinden sich bei geförderten Mietwohnbau-Projekten mit nachhaltigen Baustoffen in einer schwierigen Finanzierungssituation. "Die Politik muss ständig an Lösungen arbeiten, dass künftig alternative Bauformen im geförderten Wohnbau zum Standard werden", fasste es Mayr zusammen.

Mut zum Risiko

Für Scheichers visionäre Idee, ein grünes Lifecycle-Projekt innerhalb der Vorgaben der Salzburger Wohnbauförderung zu realisieren, brauchte es einen Partner mit Mut zum Risiko und dem nötigen fachlichen Know-how, um bei diesem Experiment erfolgreich zu sein. Die Heimat Österreich hat sich in den vergangenen Jahren weit über die Grenzen Salzburgs hinaus einen Namen als Bauträger mit ausgeprägtem Umweltbewusstsein und hoher Innovationsbereitschaft gemacht und hat sich damit als Partner geradezu prädestiniert.

Dipl.-Ing. Heinz Plöderl, Sektionsvorsitzender der Architekten in der Ziviltechnikerkammer, zieht am selben Strang. "Unsere Gebäude und Infrastruktur beeinflussen die Ökologie unseres Planeten in hohem Maße. Nur ein Paradigmenwechsel im Bausektor kann den erforderlichen Wandel unterstützen."

Es gab in der Vergangenheit wiederholt Vorhaben, ein kohlenstoffdioxid-neutrales Gebäude zu errichten, jedoch waren diese Projekte absolut unwirtschaftlich. Durch das begrenzte Budget der Wohnbauförderung stellten sich den Machern des Zero-Carbon-Buildings vollkommen neue Herausforderungen. "Unser Ziel war, dass Errichtung, Betrieb und Entsorgung nicht mehr Kohlenstoffdioxid emittieren, als im Gebäude gespeichert ist", erklärte Hans Scheicher von Scheicher Architekten. "Für einen Kubikmeter Beton braucht man 1,5 Kubikmeter Holz zur Kompensation. Wir haben in diesem Gebäude 220 Tonnen Kohlenstoffdioxid in festen Stoffen gespeichert." Für das Bauvorhaben mussten mit Einfallsreichtum und Fachwissen unkonventionelle Lösungen entwickelt werden. Viele dieser Neuerungen stellen wahre Innovationen auf dem Bausektor dar und werden bei künftigen Projekten zum Einsatz kommen.

Heimat Österreich-Geschäftsführer Ing. Stephan Gröger erläuterte das Prinzip des Zero-Carbon-Buildings. "In der Wohnbauförderung sind dicke Mauern mit Styropordämmungen vorgesehen. Wir mussten jedoch die Vorgaben mit anderer Bauweise und alternativen Materialien schaffen. Das ganze Gebäude ist in Mischbauweise errichtet. Wir haben im Stiegenhaus Beton und verwenden eine Betonkernaktivierung für die Heizung", so Gröger. Für den Innenausbau wurde gepresstes Stroh verwendet – ein Abfallprodukt, welches für eine gute Raumakustik sorgt. In den Wohnungen und Stiegenhäusern wurden Holz, Stroh und andere ökologische Baustoffe verwendet, ohne sie zu vermischen und miteinander zu verkleben. Dadurch lassen sich die Betonteile von den ökologischen Materialien beim Rückbau nach dem Cradle to Cradle Prinzip leicht trennen.

Energieversorgung mit Sonnenkraft

Für die Heizung wurde eine Photovoltaikanlage installiert, die Strom für eine Wärmepumpe liefert, welche sich den größten Teil der Wärme aus der Abluft holt. Das mit den Wärmepumpen erzeugte Warmwasser wird den Beton-Wärmespeicherelementen zur Heizung sowie dem Brauchwasser zugeführt. Dadurch fallen geringere Betriebskosten und für das Klima niedrigere Kohlenstoffdioxid-Emissionen an. Damit alles richtig funktioniert, hat die Energy Control Austria ein Monitoringsystem installiert, mit dem die Verbräuche registriert und ausgewertet werden, um Fehlerquellen identifizieren und Nutzungsparameter optimieren zu können. Dadurch ist es gelungen, die in der Energiebilanz prognostizierten Heizkosten sogar noch zu unterschreiten. t239-60

Weitere Informationen: Thomas Aichhorn MA MA, Büro Landesrat Hans Mayr, Tel.: 0662/8042-3341, E-Mail: thomas.aichhorn@salzburg.gv.at.